Abo

Revolution im NahverkehrTÜV testet autonomes Fahrzeug erfolgreich in Berlin

4 min
Erste Realfahrt eines autonomen Fahrzeugs unter neuen Bedingungen

Unterwegs auf Prüfungsfahrt: Ein autonomes Fahrzeug - hier ein Forschungswagen der Technischen Universität München - bewegt sich im Berliner Straßenverkehr.

In Berlin wurde ein fahrerloses Auto erfolgreich getestet. Doch bis die Technologie auch in Köln ankommt, gibt es Hürden.

Selbstfahrende Fahrzeuge im urbanen Raum? Eine Erprobung in der Hauptstadt belegt die Machbarkeit. Bis die Technologie jedoch Köln erreicht, bestehen noch Hindernisse.

Anstelle eines Menschen am Lenkrad steuern Sensoren, Kameras und Künstliche Intelligenz die Vehikel. Diese Technologie, die in den USA und China schon alltäglich ist, soll sich ebenfalls in deutschen Metropolen etablieren. In Berlin hat der TÜV erstmalig Testfahrten mit einem autonomen Kleinbus durchgeführt. Das Ergebnis: Ein vollkommen autonomes Fahrzeug kann den vielschichtigen Verkehr einer Großstadt sicher und verlässlich meistern, wenngleich Beeinträchtigungen nicht vollends auszuschließen sind.

Die Verkehrssenatorin von Berlin, Ute Bonde (CDU), plädiert für eine zügige Implementierung solcher Automobile und bezeichnete sie als „Gamechanger“. „Und ich glaube, wir sprechen jetzt nicht von einer langfristigen Perspektive, sondern von einer kurzfristigen Perspektive“, äußerte Bonde. Ein exakter Zeitplan für die Umsetzung existiert allerdings noch nicht. In Deutschland wird autonomes Fahren bislang vorwiegend in Pilotprojekten getestet, weil die Genehmigungsprozesse und technischen Hürden als sehr anspruchsvoll gelten.

Die Definition von autonomem Fahren auf Stufe 4

Obwohl noch kein Fahrzeug des Levels 4 für den öffentlichen Straßenverkehr in Deutschland eine Zulassung hat, ist dessen Einsatz rechtlich bereits gestattet. Diese Stufe beschreibt Automobile, die innerhalb eines definierten Betriebsbereichs unter spezifischen Voraussetzungen gänzlich selbstständig fahren, ohne dass ein menschlicher Fahrer intervenieren muss. Im Gegensatz dazu steht das assistierte Fahren auf Level 2, das mit Systemen wie Überhol- und Spurhalteassistenten in zahlreichen Neuwagen hierzulande bereits zur Norm geworden ist.

Prognose von Fachleuten: Start ab 2028 möglich

Ricco Kämpfer, ein Fachmann für autonomes Fahren bei der Beratungsfirma P3, erachtet die Nutzung von Level-4-Fahrzeugen im tatsächlichen Straßenverkehr als machbar. Er weist jedoch darauf hin, dass die USA und China mit ihren kommerziellen Flotten Europa deutlich voraus sind. Für die ersten regulären Nutzungen im öffentlichen Verkehr oder durch Shuttle-Dienste in Deutschland sagt er einen Zeitraum zwischen 2028 und 2032 voraus. Zu Beginn wird sich die Anwendung voraussichtlich auf kleinere Stadtviertel und begrenzte Routen, insbesondere im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), fokussieren.

Auch an anderen deutschen Standorten existieren bereits konkrete Vorhaben. In München planen der Fahrdienstvermittler Uber und das israelische KI-Unternehmen Autobrains, Robotaxis einzusetzen. Die VW-Tochter Moia beabsichtigt zusammen mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG), autonome Shuttles in der Bundeshauptstadt zu starten.

Der Ablauf des TÜV-Tests in der Hauptstadt

Während der Erprobungsfahrten in Berlin legte ein Minivan mit dem Spitznamen „Edgar“ dreimal eine Strecke von etwa fünf Kilometern zurück. Die Route führte vom Bundesverkehrsministerium zum Kulturzentrum Radialsystem im Stadtteil Friedrichshain. Bei dem Vehikel handelt es sich um ein Forschungsauto der Technischen Universität München. Nach Angaben des TÜV-Verbands war dies das erste Mal, dass ein autonomes Fahrzeug derartige Tests unter realen Gegebenheiten durchführte.

„Die Berliner Realfahrt zeigt, dass autonomes Fahren auch im komplexen Stadtverkehr technisch möglich ist“, erläuterte TÜV-Präsident Dirk Stenkamp. Derartige Überprüfungsfahrten stellen die Grundlage für die Erteilung einer sogenannten Betriebsbereichsgenehmigung dar. Die in Berlin getestete Methode soll es laut Stenkamp zukünftig erlauben, Zulassungen „quasi in Serie“ zu erteilen.

Eine Perspektive für den öffentlichen Verkehr

Verkehrssenatorin Bonde erkennt in der Technologie die Fähigkeit, den öffentlichen Nahverkehr zu „revolutionieren“. Selbstfahrende Automobile könnten den Wechsel vom privaten Pkw zu Diensten wie Ruf-Fahrzeugen vereinfachen. Angesichts des demografischen Wandels und eines sich abzeichnenden Personalmangels sei autonomes Fahren überdies maßgeblich, um den ÖPNV in Deutschland für die Zukunft zu sichern, so Bonde.

Experte Kämpfer bekräftigt das Interesse: „Kommunen und Verkehrsunternehmen wollen das autonome Fahren.“ Er schränkt jedoch ein: „Es fehlen bisher aber noch die finanziellen Mittel, um auch signifikante Flotten beschaffen und betreiben zu können.“

Zur Sicherheit der fahrerlosen Technologie

„So ein Auto ist in der Regel sicherer als der Mensch, weil er auch schon viel mehr sieht“, sagt der Forscher Nijinshan Karunainayagam, Doktorand an der TU München. Auch Staus stellen zumeist kein Hindernis dar, weil Objekte verlässlich wahrgenommen werden und das Vehikel im Stop-and-Go-Verkehr mitschwimmt. Baustellen könnten sich hingegen als Schwierigkeit erweisen. Problematisch kann es ebenfalls werden, wenn andere Verkehrsteilnehmer offensiv agieren, da das autonome Fahrzeug auf eine defensive Fahrweise programmiert ist. „Wenn jetzt andere Verkehrsteilnehmer offensiver fahren, sich nicht an die Regeln halten, dann fährt so ein Fahrzeug vorsichtiger und bremst mehr. Und das ist eher die Herausforderung.“ (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.