Abo

Billig-Ketten auf VormarschStudie zeigt, wie Action und Tedi den Fachhandel verdrängen

3 min
Action-Filiale

Der 1993 gegründete Non-Food-Discounter Action aus den Niederlanden eröffnete 2009 seine erste deutsche Filiale. (Archivbild)

Discounter wie Action und Tedi boomen und setzen den Fachhandel und sogar Baumärkte unter Druck. Das zeigt eine neue Studie.

Discounter wie Action, Tedi oder Woolworth sind in vielen Innenstädten präsent und ihre Popularität wächst. Diese Entwicklung bestätigt eine Analyse vom Handelsforschungsinstitut IFH aus Köln. Laut der Studie übernehmen diese Anbieter in diversen Produktsegmenten wie Heimwerkerbedarf (DIY), saisonalen Artikeln, Deko-Produkten sowie Schreib- und Spielzeug zunehmend die Funktion von Spezialgeschäften.

„Non-Food-Discounter rücken für viele Konsumenten zunehmend in den Mittelpunkt ihres Alltags. Sie ersetzen in zahlreichen Produktbereichen bereits andere Einkaufsstätten und nehmen dem Fachhandel Geschäft weg“, sagt IFH-Experte Ralf Deckers. Das Wachstumspotenzial der Ketten, die eine breite Bevölkerungsschicht ansprechen, sei jedoch noch nicht vollends realisiert.

Umfrage zeigt hohe Beliebtheit und Spontankäufe

Eine repräsentative Erhebung des IFH Köln vom März unter rund 500 Personen ab 18 Jahren belegt die hohe Akzeptanz: 85 Prozent der Teilnehmenden kauften in den letzten zwei Jahren bei Non-Food-Discountern ein. Besonders nachgefragt waren Dekorationsartikel (57 Prozent), Schreib- und Spielwaren (54 Prozent) sowie Haushaltswaren (44 Prozent).

Die Umfrage verdeutlicht auch das Kaufverhalten: Jeder zweite Kunde erwirbt bei den Discountern Artikel, die er bei einem kostspieligeren Händler nicht kaufen würde. 35 Prozent der Käufer nehmen spontan Produkte mit, deren Anschaffung nicht vorgesehen war. Nahezu jeder Dritte betritt die Läden sogar ohne spezifischen Bedarf. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist laut Deckers das ausgeprägte Preisbewusstsein der Kundschaft. Zwei Drittel der Befragten äußerten, dass die aktuellen Preissteigerungen ihnen Sorge bereiten.

Action-Filiale

Action hat in Deutschland inzwischen mehr als 650 Geschäfte. (Archivbild)

Baumärkte spüren Konkurrenz durch „Baumarkt light“

Dass Konsumenten vermehrt zu günstigeren Alternativen greifen, bekommen auch die großen Baumärkte zu spüren. Laut dem Branchenverband BHB sanken die Einnahmen bei Werkzeug, Gartengeräten und Haushaltswaren im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um jeweils etwa vier Prozent. Die Branche verzeichnete damit das dritte Umsatzminus in Folge.

„Die Kunden interessieren sich nach wie vor für die Sortimente, kaufen aber immer öfter woanders ein. Viele wollen im Baumarkt kein Geld ausgeben oder können es sich nicht leisten“, sagt Branchenexperte Klaus Peter Teipel. Für Gelegenheitsanwender sei die Qualität der Discounter-Ware oft ausreichend, fügt er hinzu. „Action mutiert ein bisschen zu einer Art Baumarkt light“, erklärt er.

Allein die Ketten Action, Woolworth und Tedi erzielten 2025 im Bau- und Gartenmarktsortiment nach Schätzungen von Teipel einen Umsatz von circa 1,4 Milliarden Euro. Das ist fast dreimal so viel wie im Jahr 2020. Er geht davon aus, dass diese Anbieter weiter wachsen werden.

Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel auf Höchststand

Durch ihre Expansion konnten die Discounter ihren Marktanteil im Einzelhandel laut IFH Köln zwischen 2006 und 2024 von unter 14 auf beinahe 18 Prozent steigern. Im Gegensatz dazu sank der Anteil des nicht-filialisierten Fachhandels im selben Zeitraum von über 25 auf knapp 12 Prozent.

Für zahlreiche Einzelhändler ist die Situation wegen der gedämpften Konsumlaune angespannt. Die Anzahl der Insolvenzen in der Branche erreichte mit 2.571 Fällen im vergangenen Jahr den höchsten Wert seit einem Jahrzehnt, wie der Kreditversicherer Allianz Trade registrierte.

Auch diverse Fachhändler kamen in Bedrängnis. Die Unternehmensgruppe Brüder Schlau, zu welcher die Fachmarktkette Hammer zählt, meldete im Juni 2025 und erneut Anfang 2026 Insolvenz an. Der Dekorationshändler Depot schloss aufgrund der Insolvenz einen Großteil seiner Geschäfte.

Woolworth

Der Non-Food-Discounter Woolworth hat in Essen im März seine 1.000 Filiale in Europa eröffnet. (Archivbild)

Online-Riesen aus Asien verschärfen den Wettbewerb

IFH-Experte Deckers sieht sowohl den Fachhandel als auch die Discounter gleichermaßen unter Druck. Sie befänden sich in einem zunehmenden Wettbewerb mit asiatischen Einkaufsportalen wie Temu und Shein, die besonders bei jüngeren Käufern populär sind.

Eine Untersuchung des Forschungsinstituts IW Consult im Auftrag des Handelsverbands Deutschland (HDE) beziffert den jährlichen Umsatzverlust für den deutschen Handel durch diese Plattformen auf 2,5 Milliarden Euro.

In den letzten Jahren mussten Zehntausende Geschäfte schließen. Der HDE prognostiziert, dass ihre Gesamtzahl in diesem Jahr unter 300.000 fallen wird. Am stärksten betroffen sind laut HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth kleinere mittelständische Handelsunternehmen. „Mit dem Niedergang der kleineren Fachhändler verlieren viele Innenstädte ihre Unverwechselbarkeit und damit ihr Herz.“ (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.