Köln – Die Deutsche Post DHL will ihren Mitarbeitern einen einmaligen Bonus in Höhe von 300 Euro zahlen. Grund dafür sei der „hervorragende Job“, den sie in der Krise geleistet hätten, sagte Konzernchef Frank Appel am Mittwoch in einer Telefonschalte. Die Zahlung richte sich an Kolleginnen und Kollegen aller Unternehmensbereiche weltweit. Die 300 Euro beziehen sich auf Vollzeitkräfte, Führungspersonal ist ausgenommen. Insgesamt hat der Logistikkonzern etwa 550.000 Mitarbeiter. Die Gesamtkosten für die Sonderzahlung beziffert die Post auf 200 Millionen Euro. Zuletzt hatten bereits Handelskonzerne wie Rewe und Aldi angekündigt, Mitarbeitern in den Supermärkten und Discountern einen Bonus zu zahlen.
Für Angestellte der Deutschen Post gab es am Dienstag dennoch nicht nur gute Nachrichten: Medien berichteten unter Berufung auf die britische Gewerkschaft Unite, dass bis zu 2200 DHL-Mitarbeiter entlassen werden könnten, die für die Belieferung von Jaguar-Land-Rover-Werken in Großbritannien zuständig sind. Grund sei ein Rückgang in der Automobilproduktion in Folge der Krise. Appel schloss am Morgen Entlassungen nicht aus, sagte aber, man versuche die Situation „für unsere Mitarbeiter so erträglich wie möglich zu gestalten“. Es sei zum Beispiel möglich, Beschäftigte in anderen Bereiche des Konzerns unterzubringen.
Profiteur der Krise
Die Deutsche Post zählt aktuell zu den Profiteuren der Corona-Krise. Das operative Ergebnis stieg im zweiten Quartal um rund 16 Prozent auf 890 Millionen Euro. Rechnet man Einmaleffekte wie das Aus des Elektrotransporters Streetscooter oder Abschreibungen aufgrund des Corona-Lockdowns (je 100 Millionen) heraus, wuchs es sogar um rund 25 Prozent. Vor allem die Paketsparte boomt, zu Spitzenzeiten im April und Mai wurden so viele Pakete verschickt wie sonst nur an Weihnachten.
Die Volumina würden langsam wieder zurückgehen, sagte Appel. Das Briefgeschäft hingegen war zuletzt vor allem durch Rückgänge im Direktmarketing deutlich eingebrochen, normalisiert sich aber langsam wieder.
Prognose für das laufende Jahr
Erstmals wagt sich der Konzern auch an eine neue Prognose für das laufende Jahr. Man rechne nun mit einem operativen Ergebnis von 3,5 bis 3,8 Millionen Euro, nach 4,1 Milliarden Euro 2019. Darin enthalten sind die Aufwendungen für das Streetscooter-Aus, Corona-Abschreibungen und die Prämienzahlungen. Ursprünglich hatte die Deutsche Post 2020 mit einem Rekordergebnis von mehr als fünf Milliarden Euro geplant, dieses Ziel aber im Zuge der Krise frühzeitig zurückgezogen. Für die mittelfristige Entwicklung bis 2022 rechnet der Konzern je nach Erholung der Wirtschaft mit einem Ebit von 5,3 Milliarden Euro im besten Fall und einem Ebit von 4,7 Milliarden Euro im ungünstigsten Fall.
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Die abgesagte Hauptversammlung soll am 27. August digital nachgeholt werden. Dort will der Konzern wie im Vorjahr eine Dividende von 1,15 Euro pro Aktie vorschlagen. Bislang waren 1,25 geplant gewesen. Man wolle in der Krise aber auf Stabilität setzen und den Mitarbeitern die Sonderzahlung ermöglichen, sagte Finanzvorständin Melanie Kreis.



