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Brauerei-StreitHeinrich Philipp Becker übernimmt Gaffel komplett

Über ein Jahrzehnt hatten zwei Brüder um die Kontrolle im Unternehmen gerungen. Jetzt gibt es eine Einigung

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Heinrich Philipp Becker, Chef der Kölsch-Marke Gaffel, im Brauhaus am Dom.

Heinrich Philipp Becker, Chef der Kölsch-Marke Gaffel, im Brauhaus am Dom. Foto: Arton Krasniqi

Es markiert das Ende eines fast jahrzehntelang geführten Familienstreits, was aus einer denkbar kurzen Pressemitteilung der traditionsreichen Kölschbrauerei Gaffel hervorgeht: „Johannes Becker verkauft mit Wirkung zum 31.10.2026 seine Gesellschaftsanteile an der Privatbrauerei Gaffel“.

Weiter heißt es darin: „Die Anteile übernimmt zu hundert Prozent die Familie Heinrich Becker. Heinrich Philipp Becker wird als geschäftsführender Gesellschafter die Familien-Brauerei weiterhin leiten. Damit ist die kontinuierliche und zukunftsorientierte Fortführung des Unternehmens gewährleistet“.

Was wie eine einfache Unternehmensnachfolge aussieht, ist eine lange Kölner Geschichte. Dazu lohnt ein kurzer Blick zurück. Gaffel-Kölsch ist seit 1908 im Besitz der Familie Becker. Bis vor einigen Jahren waren das Heinrich sen. Becker. Zwischen ihm und dessen Bruder Johannes Becker hat es aber richtig gekracht.

Brüdersstreit um Brauerei

Die Brüder, damals beide Geschäftsführer der Familienbrauerei, trafen sich vor dem Oberlandesgericht Köln wieder. Zuvor hatten sie sich gegenseitig als Geschäftsführer abberufen wollen. Hintergrund des Zwistes war in den 2000er Jahren offenbar die Beteiligung an einem Kölner Getränkevertrieb. Während Johannes Becker den Anteil von 25,1 auf 50 Prozent erhöhen wollte, favorisierte der ältere Bruder Heinrich – im Ehrenamt damals Vorsitzender des Kölner Brauereiverbands – die komplette Übernahme, zusammen mit anderen Brauereien.

Damit war der Zoff geboren, der mit gerichtlichen Auseinandersetzungen, Abberufungen und vor allem zwischen den Jahren 2007 und 2013 sehr viel medialer Begleitung ausgetragen wurde. Auf den Geschäftsbetrieb hatte das bisweilen wenige Auswirkungen, weil der Familienzweig des Johannes Becker lediglich 38 Prozent an der Privatbrauerei hielt, und damit regelmäßig überstimmt werden konnte und wurde.

„Gesellschafter einigen sich“

Nun scheint es eine Art Aussöhnung gegeben zu haben. Darauf deutet auch die Überschrift der Pressemitteilung von Gaffel hin. „Gesellschafter der Privatbrauerei Gaffel einigen sich“, was für Insider an sich schon eine Nachricht wäre. Wie teuer diese Versöhnung war, ist nicht öffentlich. Insider schätzen, dass der Verkauf der Anteil „einen hohen einstelligen Millionenbetrag“ gekostet hat. „Über die Einzelheiten der Vereinbarung haben die Beteiligten Vertraulichkeit vereinbart“, heißt von Gaffel auf Anfrage. Nicht öffentlich ist auch, wieviel von dem Kaufpreis fremdfinanziert ist.

Was wird sich nun ändern im Hause Gaffel? Branchenkenner sagen: „Gar nichts“, und Vieles spricht dafür, dass sie Recht haben. Heinrich Philipp Becker bleibt operativer Chef, und das ist der 49-Jährige seit rund 20 Jahren. Gaffel soll aber aktuell gegen den Trend seinen Ausstoß im laufenden Jahr um sieben Prozent gesteigert haben, heißt es aus dem Belegschaftsumfeld.

Heinrich Philipp Becker reagierte in den vergangenen Jahren auf den insgesamt rückläufigen Biermarkt. Er führte 2010 die alkoholfreie Fassbrause ein. Gaffel Wiess als trübe Alternative zum Kölsch wurde im Jahr 2020 von ihm auf den Markt gebracht. In seine Amtszeit fällt auch der Neubau einer modernen Braustätte in Porz, die Kooperation mit der Mühlen-Kölsch-Brauerei, die Verlängerung der Verträge mit dem 1. FC Köln und das Engagement beim Tagesfestival „Jeck im Sunnesching“.

Gaffel beschäftigt heute 250 Mitarbeiter und gehört zu den drei Großen am Kölschmarkt. Heinrich Philipp Becker ist Mitglied im Vorstand des Kölner Brauerei-Verbandes.