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Bundeswettbewerb der SchülerfirmenFünf Minuten, eine Idee, eine Chance

6 min
Eine Gruppe von Menschen von oben fotografiert.

14 Schülerfirmen aus zwölf Bundesländern beim Bundeswettbewerb von IW Junior in Köln. Die Sieger und Siegerinnen fahren im nächsten Schritt nach Riga.

Beim Bundeswettbewerb von IW Junior in Köln pitchen Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland ihre Firmengründungen und kämpfen um einen Platz beim Europawettbewerb in Riga.

Der Raum im Haus des Instituts der deutschen Wirtschaft am Konrad-Adenauer-Ufer füllt sich schnell. Blaue Stühle, fast alle besetzt, vorn ein Banner: „IW Junior“. Das Publikum ist jung, manche Gruppen tragen T-Shirts in denselben Farben. „Jung hilft Alt“ steht auf einem, „Drink Guard“ auf einem anderen, „Beste Schülerfirma Hessen 2026“ auf einem dritten. Während ihre Schüler vorn auf der Bühne präsentieren, rutschen die begleitenden Lehrkräfte unruhig auf ihren Stühlen hin und her und klatschen noch einmal extra laut, wenn ihr Team den Slogan der eigenen Firma im Chor gesagt hat.

Beim Bundeswettbewerb von IW Junior haben sich in diesem Jahr 14 Schülerfirmen aus zwölf Bundesländern versammelt, um ihre Geschäftsideen zu pitchen. 500 Schülerfirmen haben mitgemacht. Jetzt steht die Entscheidung an, wer für Deutschland nach Riga zum europäischen Wettbewerb fahren darf.

Blick auf einen Raum mit vielen Menschen.

Die Jury des Bundeswettbewerbs verfolgt die Vorträge in erster Reihe.

Nachhaltiger Schmuck, wiederverwendbare Armbänder, die dabei helfen sollen, K.O.-Tropfen zu erkennen. Die Bandbreite der Ideen ist groß, das Alter der Gründerinnen und Gründer ebenso: Von der achten Klasse bis zum Abitur stehen sie vorn. IW Junior, eine Tochter des Instituts der deutschen Wirtschaft, verfolgt das Ziel, Schülerinnen und Schüler frühzeitig für wirtschaftliche Zusammenhänge zu begeistern: Sie gründen echte Firmen, vertreiben echte Produkte, und verdienen damit echtes Geld.

Die Pitches folgen einem ähnlichen Rhythmus, haben aber alle ihren eigenen Charakter. Manche Teams steigen mit einem kurzen Theaterstück ein. Eine Hamburger Schülerfirma stellt die Frage, die ihr Produkt erklärt, bevor sie es beim Namen nennt: „Was passiert mit dem Holz, das niemand will?“ Dann folgen Zahlen, Marktanalysen, die vier Ps des Marketings (Produkt, Preis, Platzierung und Promotion) und immer wieder der Blick nach vorn: „Was wir gelernt haben, und wohin wir gehen.“ Die achtköpfige Jury sitzt in der ersten Reihe. Mit ernstem Blick machen die Wettbewerbsrichter sich Notizen auf ihren Klemmbrettern.

Erst die Kunden, dann der Wettbewerb

Etwas ruhiger als die anderen können Friedrich, Amy, Freya, Jonathan und Linus inzwischen dem Treiben im Saal zuschauen. Die fünf Schülerinnen und Schüler vom Evangelischen Stiftischen Gymnasium in Gütersloh waren an diesem Dienstag als erstes Team dran. Ihr Pitch liegt bereits hinter ihnen. Ihre Firma heißt „Aero One“, und ihre Idee klingt zunächst einfacher, als sie ist: Drohnenaufnahmen für Immobilien, Bauprojekte und Events, fertig geliefert in unter 48 Stunden.

Die Idee kam von Linus, 16 Jahre alt, der schon länger Drohnen fliegt: „Ich wollte gerne mein Hobby in die Firma bringen.“ Jonathan half ihm, aus der losen Idee ein Konzept zu machen mit klarer Zielgruppe, klarem Markt. Entstanden ist Aero One im Rahmen des Schulfachs WMK, Wirtschaft, Medien und Kultur, das Schülerinnen und Schüler ab der neunten Klasse bei ihnen an der Schule wählen können. Erst Fotografie, Bildkomposition, Videodreh, dann, im zweiten Jahr, die eigene Firmengründung.

Fünf Jugendliche (drei Jungen, zwei Mädchen) lächeln in die Kamera. Einer hält eine Drohne in der Hand.

Das Team von „Aero One“: Friedrich Grüninger (v.l.), Linus Held, Jonathan Kreutzheide, Amy Thomalla und Freya Knight.

Den ersten Kunden holte Freya, und das innerhalb weniger Tage, nachdem sie zum Team gestoßen war. „Wir haben denen am Anfang immer erwähnt, dass wir noch zur Schule gehen“, sagt sie. „Und es war schön zu sehen, dass wir ernst genommen worden sind.“ Dass Erwachsene, Immobilienmakler und Bauentwickler, fünf Teenager mit einer Drohne und einem Konzept als Geschäftspartner akzeptieren, das sei für das Team der eigentliche erste Sieg gewesen, noch vor jedem Wettbewerb, sagen sie.

Dass sie heute beim Bundeswettbewerb stehen, ist für die Jugendlichen noch immer nicht ganz selbstverständlich. „Manchmal vergessen wir, dass wir erst 15 und 16 sind“, sagt Amy. Und wer der Gruppe zuhört, vergisst auch schnell, dass die fünf noch zur Schule gehen. Sie spielen sich die Gesprächsbälle zu wie die Profis in den echten Unternehmen. Untereinander herrscht ein freundliches und sehr wertschätzendes Verhältnis. Für die Schüler aus Gütersloh bedeute es viel, in einer Gemeinschaft eingebettet zu sein, die ähnliche Ziele verfolge und ebenfalls Spaß am Unternehmertum habe.

Wer hier gewinnt, vertritt Deutschland

Miriam Reitz, Geschäftsführerin von IW Junior, sieht genau darin den eigentlichen Kern des Projekts. „Natürlich wirken die Wettbewerbe nach einem Jahr immer wie ein feierlicher Schlusspunkt“, sagt sie. Aber eigentlich gehe es ums Mitmachen. Nicht alle Schülerfirmen würden am Ende erfolgreich sein, manche Ideen trügen sich nicht, manche Teams fänden nicht zueinander. Aber auch das gehöre dazu.

Was die Jugendlichen in jedem Fall mitnähmen, sei mehr als Wirtschaftswissen: Teamgeist, Kreativität, die Fähigkeit zur Reflexion. Was aus den Teilnehmenden wird, sei offen, und das sei so gewollt, sagt Reitz. Nicht alle werden Gründerinnen und Gründer. Viele finden ihren Weg in Fach- und Führungskarrieren, andere in die Selbstständigkeit.

Eine Frau mit Brille und Bob lächelt in die Kamera.

Miriam Reitz ist seit 2025 Geschäftsführerin von IW Junior und begleitet als diese den Bundeswettbewerb.

Bewertet werden die Schülerfirmen nach festen Kriterien. Auf Landes- und Bundesebene gelten dabei dieselben Spielregeln. Die Jury bekommt das Pitch-Deck vorab. Dann folgt der fünfminütige Pitch auf der Bühne, und anschließend das Juryinterview, in dem die Schülerinnen und Schüler zeigen müssen, ob sie ihre Geschäftsidee wirklich durchdrungen haben.

Die Jury hat keinen festen Fragenkatalog, sondern geht das Pitch-Deck gemeinsam mit den Teams durch: Marketing, Finanzen, Produktionsprozess. Im Erdgeschoss  des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln haben die vierzehn Teams ihre Stände aufgebaut. Die Jurymitglieder gehen in kleinen Gruppen herum und fühlen den einzelnen Teams und ihren Ideen noch einmal auf den Zahn.

Dorothea Schmidt, Vorständin der Deloitte Stiftung, ist eine von ihnen. Zum zweiten Mal sitzt sie in der Jury beim Bundeswettbewerb. Sie lege dabei Wert darauf, dass die Idee innovativ und in einer Form auch skalierbar sei. „Und wir achten darauf, wie die Leute im Team präsentieren.“ In fünf Minuten müssen die Teams nicht nur die Idee, sondern auch die Wirtschaftlichkeit ihres Unternehmens darlegen. Sie bewundert den Mut und die Ideenkraft der Schüler und Schülerinnen, setzt aber auch hohe Ansprüche. Wer hier gewinne, präsentiere schließlich auch Deutschland auf europäischer Ebene. „Das ist eine tolle Aufgabe, aber auch eine große Verantwortung.“

Zum Ende des Tages wird es in dem großen Raum noch einmal etwas unruhig. Jetzt rutschen nicht mehr nur die Lehrkräfte, sondern auch die Schüler auf ihren Plätzen von links nach rechts. Die Jury hat entschieden, wer den Wettbewerb auf Bundesebene gewonnen hat: Freuen darf sich das Team von Aero One aus Gütersloh. Teammitglied Jonathan erhält noch eine besondere Auszeichnung: den „Leadership Award“ für sein besonderes Engagement im Team. Mit 14 hat er sein erstes Unternehmen gegründet, der Rest seiner Teammitglieder ist noch neu im Gründer-Business. Jetzt geht es für sie von Gütersloh, über Köln nach Riga. Mit Flugtickets und einem Stipendium im Gepäck, und zwei sichtbar stolzen Lehrkräften im Anhang.