Im Deutschlandgeschäft verliert der Logistikkonzern DHL zunehmend an Schwung. Der Umsatz mit Brief- und Paketzustellung blieb im dritten Quartal weitgehend stabil und stieg um 0,3 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis (Ebit) sank jedoch um knapp ein Drittel, und zwar um 29,8 Prozent auf 150 Millionen Euro, wie das Unternehmen in Bonn mitteilte. Im ersten Halbjahr hatte das Umsatzplus noch 1,7 Prozent betragen, im dritten Quartal 2025 sogar 4,7 Prozent.
Die übrigen, global ausgerichteten Konzernbereiche entwickelten sich im Sommerquartal 2026 deutlich besser. Die Erlöse aus Lieferkettendienstleistungen, Frachtgeschäften und zeitkritischen Express-Sendungen legten um neun bis 17,5 Prozent zu; auch das operative Ergebnis wuchs kräftig. Konzernweit kletterte der Umsatz um 12,6 Prozent auf 22,7 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis um 16,2 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro.
Deutschlandgeschäft bremst DHL – Melanie Kreis nennt Gründe
Als Ursache für die Entwicklung im Heimatmarkt nannte Finanzvorständin Melanie Kreis den Wegfall der Zollfreiheit für kleine Pakete mit günstigem Inhalt. Seit Juli fällt auch für diese Sendungen Zoll an, weshalb weniger Pakete aus Asien eintreffen.
Laut Kreis kommen zudem sinkende Briefmengen hinzu. „Wir hatten im dritten Quartal pro Arbeitstag im Schnitt 30 Millionen Briefe, die wir zugestellt haben“, sagte die Managerin. Vor zehn Jahren, im dritten Quartal 2016, seien es mit 60 Millionen noch doppelt so viele gewesen. Parallel dazu seien die Entgelte der Beschäftigten sowie die Kosten für Energie und Material gestiegen. „Wir haben gestiegene Kosten, wir haben weniger Briefe, und dadurch gehen die Stückkosten signifikant nach oben.“
Melanie Kreis sieht im Portoplan der Bundesnetzagentur eine gute Grundlage
Kreis sagte, die Post brauche eine angemessene Porto-Erhöhung. Die Bundesnetzagentur will der Post zum Jahreswechsel eine Anhebung des Briefportos um gut 20 Prozent erlauben. Es wäre die bislang deutlichste Preiserhöhung dieser Art. Ein Inlandsbrief würde dann statt 95 Cent 1,15 Euro kosten.
Kreis begrüßte, dass die „dramatische Entwicklung auf der Volumenseite“ und die Kosteninflation berücksichtigt worden seien. Zugleich stehe das Unternehmen vor einem Dilemma: „Wenn wir jetzt die Preise erhöhen, dann wissen wir natürlich auch, dass das tendenziell auch den Rückgang bei den Volumina noch weiter beschleunigt“, sagte Kreis. Einen optimalen Punkt, der in jeder Hinsicht passe, gebe es daher leider nicht. Insgesamt sei der Plan der Netzagentur jedoch eine gute Grundlage.
Monopolkommission hält geplantes Porto für zu hoch
Die Monopolkommission hatte das Vorhaben der Behörde vor Kurzem kritisiert und das geplante Porto als zu hoch bewertet. Aus ihrer Sicht hätten bestimmte Kostenblöcke gar nicht oder nur schwächer berücksichtigt werden dürfen; dann fiele die Erhöhung geringer aus.
Dazu erklärte Kreis, im Unterschied zu Wettbewerbern sei die Post verpflichtet, eine postalische Infrastruktur bundesweit vorzuhalten. Gemeint seien Postfilialen, Briefkästen und andere Anlagen, die für die Erfüllung staatlicher Pflichten nötig sind. Aus wirtschaftlichen Gründen würde man dies nicht flächendeckend tun. „Deswegen ist das, glaube ich, verständlich und angemessen, dass das dann auch eben entsprechend von der Bundesnetzagentur berücksichtigt wird.“ (dpa/red)

