„Badesofa“ und „Udo“Das steckt hinter den Kölner „Höhle der Löwen“-Start-Ups

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DHDL Udo

Carina Frings und Dennis Krey von„Udo“ bei ihrem DHDL-Auftritt.

Köln – Wer erinnert sich noch an Pocketsy, einen BH mit kleinen Fächern, der eine Handtasche auf Partys überflüssig machen sollte? Oder an Evrgreen, die einen Online-Shop für Zimmerpflanzen aufziehen wollten? Schon einige Kölner Start-Ups haben versucht, durch die Vox-Sendung „Die Höhle der Löwen“ mit ihren Geschäftsideen den großen Durchbruch zu schaffen. Doch die meisten gingen ohne Deal und durchschlagenden Erfolg aus der Sendung. Andere Start-Ups wie Ankerkraut oder Artnight hingegen konnten sich langfristig am Markt etablieren. In diese Erfolgslinie wollten sich in der „Die Höhle der Löwen“-Episode vom 10. Mai auch wieder zwei Kölner Start-Ups einreihen: „Badesofa“ und „Udo“.

Mütter entwickeln „das erste Loungekissen für unter Wasser“

Aus dem Gros der Start-Up-Gründerinnen und Gründer in ihren 20ern und 30ern fallen Annika Götz und Natalie Steger heraus. Die zwei berufstätigen Mütter Anfang 40 gründeten 2019 ihr Unternehmen „Badesofa“. Dahinter verbergen sich wasserdurchlässige Badekissen, die den Komfort in der Badewanne erhöhen sollen. „Zum Ende der Elternzeit gab es eine berufliche Neuorientierung. Man fragt sich: Was will ich eigentlich machen?“, sagte Natalie Steger im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Beim Hausbau stellte sie fest, dass die schicke Badewanne im neuen Badezimmer für sie „nicht nutzbar“ war.

DHDL Badesofa

Die Gründerinnen präsentieren den Investoren das Badesofa.

„Nach der ersten großen Freude über die Wanne habe ich gemerkt, dass sie viel zu groß für mich war – und dadurch total unbequem.“ In Gesprächen mit Freunden zeigte sich, dass das Problem nicht nur sie zu plagen schien. Steger, die zuvor in der qualitativen Marktforschung tätig war, entwickelte gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin Annika Götz „das erste Loungekissen für unter Wasser“.

Produkt nicht nur für Luxusbadewannen

Das Badesofa ist in verschiedenen Größen erhältlich, der Bestseller in Größe S kostet 149,99 Euro. Die Gründerinnen betonen aber, dass es sich beim „Badesofa“ keineswegs nur um ein Produkt für das Luxusproblem einer zu großen Badewanne handelt – sondern für die rund dreiviertel der deutschen Haushalte gedacht ist, die über eine Badewanne verfügen: „Das Badesofa ist nicht nur ein Problemlöser für Designbadewannen“, erklärt Götz, die aus der Textilbranche kommt. „Es geht aber überall bequemer – auch in einer Standardbadewanne.“

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Annika Götz und Natalie Steger haben mit Anfang 40 gegründet.

Laut eigenen Angaben haben die Gründerinnen bislang eine fünfstellige Zahl an Badesofas verkauft. Hauptsächlich über ihren eigenen Online-Shop: „Wir verkaufen die Badesofas auch über einige hochwertige Sanitär- oder Badaccessoires-Geschäfte. Unser Fokus liegt aber definitiv im Online-Bereich und auf Social Media. Dort können wir mit Fotos und Videos den Kundinnen und Kunden das Produkt besser erklären“, so Natalie Steger.

Ralf Dümmel investiert in Kölner Start-Ups

Darauf, dass ihr Start-Up als eines der wenigen rein weiblich geführt ist, sind Steger und Götz stolz. „Männer sind bei uns aber trotzdem herzlich willkommen“, sagt Annika Götz. Dazu kann sich nun Investor Ralf Dümmel zählen: Der geschäftsführende Gesellschafter der DS Produkte stieg im Rahmen von „Die Höhle der Löwen“ mit einem Investment von 150.000 Euro für 33 Prozent Firmenanteile bei „Badesofa“ ein. Seit der Aufzeichnung vor einem Jahr konnte das Jungunternehmen sich deutlich professioneller aufstellen und an der Bekanntheit seiner Marke arbeiten und dem Verkauf ins europäische Ausland.

Mit einem Investment in ähnlichem Umfang (100.000 Euro für 33 Prozent) sicherte sich Ralf Dümmel auch Anteile am zweiten Kölner Start-Up der Sendung, „Udo“. Dahinter verbirgt sich ein wiederverwendbarer Universaldeckel für Tassen. Damit soll beinahe jedes Gefäß zu einem „To Go“-Becher umfunktioniert werden können und die Masse an Müll durch Einwegdeckel reduziert werden. 2017 entwickelte die Kölnerin Carina Frings den Deckel im Rahmen ihres Studiums an der Ecosign Akademie für Gestaltung. Die Aufgabenstellung war ursprünglich, einen nachhaltigen Mehrwegbecher zu gestalten.

Gründer war zuvor selbst Teil von „Die Höhle der Löwen“

„Die Ausschreibung ergab für mich keinen Sinn. Warum sollte man noch einen neuen Becher entwickeln, wo wir doch alle die Schränke voll mit Tassen haben?“, sagt Carina Frings heute. Sie wich mit „Udo“ von der eigentlichen Aufgabe ab – und gewann prompt den Nachwuchspreis Mehrwert des Landes NRW. 2018 wurde Dennis Krey auf Frings Erfindung aufmerksam – und stieg als Unternehmenspartner bei „Udo“ mit ein. 

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Dennis Krey und Carina Frings mit ihrem Universaldeckel.

Krey arbeitete zuvor drei Staffeln lang als Aufnahmeleiter bei „Die Höhle der Löwen“. „Schon damals hatte ich Lust, irgendwann mit einem eigenen Unternehmen und einem Produkt dort zu stehen“, erzählt er. „Als wir Udo dann auf den Markt brachten, stand eine Teilnahme bei „Die Höhle der Löwen“ schnell im Raum, wir wollten nur den richtigen Zeitpunkt abwarten.“ Der war für Frings und Krey im letzten Jahr gekommen.

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Die eigene Tasse zum To-Go-Becher machen

Mit dem Investment von Ralf Dümmel konnte das Gründerteam, das zuvor bereits das Gründerstipendium des Landes NRW bekommen hatte, nun größere Sprünge machen. „Wir haben unser Produkt weiterentwickelt, den Vertrieb sowie das Marketing ausgebaut und Udo sowohl online, als auch deutschlandweit im Handel platziert“, so Carina Frings. Der Deckel ist im Handel für 9,99 Euro pro Stück in verschiedenen Farben erhältlich. Pünktlich zur Ausstrahlung der Sendung liegen mehr als 125.000 Deckel zum Verkauf bereit.

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„Udo“ ist in verschiedenen Farben erhältlich.

„Wir wollen mit unserer Idee rund um Udo einen Denkanstoß geben und zum Umdenken der Gesellschaft beitragen“, sagt Carina Frings. „Durch die Veränderung vieler kleiner Dinge, wie den Verzicht auf Einwegbecher, können wir gemeinsam Großes im Bereich der Nachhaltigkeit erreichen. Wir würden uns natürlich freuen, wenn es Udo bald in jedem Haushalt geben würde.“

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