Vor allem Unternehmen der Bau- und Chemiebranche sind besorgt. Familieunternehmer sorgen sich vor zu viel Bürokratie.
Energiekrise, Bürokratie, InflationUnternehmen blicken pessimistisch ins neue Jahr

Blick auf den Leverkusener Chemiepark mit dem leuchtenden Bayer-Kreuz.
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Die Mehrheit der deutschen Unternehmen blickt pessimistisch aufs neue Jahr. Laut einer Umfrage des Kölner Kreditversicherers Atradius rechnen 48 Prozent der Befragten mit einer wirtschaftlichen Stagnation, 44 Prozent erwarten sogar eine Rezession.
Je nach Branche ist das Stimmungsbild dabei unterschiedlich. Besonders pessimistisch sind Unternehmen aus den Bereichen Bau, Chemie, Landwirtschaft, Metall und Papier.
Experte rechnet mit Stagflation im neuen Jahr
„Die derzeitige Wirtschaftslage dürfte zu einer weltweiten Stagflation im Jahr 2023 führen“, sagt Frank Liebold, Deutschlandchef bei Atradius. Der Begriff Stagflation bezeichnet eine Situation, in der Inflation und wirtschaftliche Stagnation zusammenkommen. Diese Kombination ist gefährlich, weil steigende Preise auf eine angeschlagene Wirtschaft treffen.
Als größte unternehmerische Risiken betrachten die Unternehmen derzeit die Inflation und gestiegene Energiekosten. „Gegenüber 2022 wird die Inflation in Deutschland um etwa 5,1 Prozent wachsen“, so Liebold. Damit nehme die Inflation vorerst zwar weiter zu, die Kurve werde jedoch gegenüber dem Vorjahr abflachen. „Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: die Lebenshaltungskosten und die Preise für Materialien und Rohstoffe bleiben vorläufig hoch.“
Solange der Krieg anhält, bleiben die Märkte instabil
46 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einer Stagnation der Rohstoff-Preise, fast ein Drittel erwartet eine weitere Verteuerung. Sorge bereitet ihnen auch die geopolitische Unsicherheit. „Solange der Krieg in der Ukraine andauert, bleiben die Märkte volatil“, sagt Liebold. Das gelte auch für die Energiemärkte. „Allerdings: Aufgrund von Basiseffekten dürften die Energie- und Lebensmittelpreise im kommenden Jahr insgesamt fallen – ob das Vorkrisenniveau wieder erreicht wird, ist jedoch mehr als fraglich.“ Probleme bereitet den Unternehmen darüber hinaus der Fachkräftemangel. Atradius zufolge plant etwa die Hälfte der Firmen, 2023 neue Mitarbeitende einzustellen. 65 Prozent erwarten jedoch, ihren Bedarf aufgrund des Mangels nur teilweise oder gar nicht abdecken zu können. Vor allem im Handwerk fehlt es an Personal.
Auch deutsche Familienunternehmer zeigen sich mit Blick aufs neue Jahr wenig optimistisch: Nur noch 40 Prozent erwarten für kommendes Jahr ein Wachstum ihres operativen Geschäfts – das sind sogar weniger als Ende 2020, als die Pandemiesituation noch deutlich angespannter war (46 Prozent). Das zeigt eine Umfrage unter 1100 Mitgliedern der Verbände „Die Familienunternehmer“ und „die jungen Unternehmer“. 2021 hatten noch 56 Prozent mit wachsenden Geschäften gerechnet.
Familienunternehmer sorgen sich vor Bürokratie
Am meisten sorgen sich die Befragten hier laut Umfrage vor „Bürokratie durch Betriebspflichten“ (79 Prozent). Auch die „weitere Verkrustung des Arbeitsrechts“ (75 Prozent) landet weit oben auf der Liste. „Die Stimmung im Mittelstand ist gedrückt. Diese Eintrübungen aber sind nicht allein den Krisen infolge Putins Kriegstreiberschaft geschuldet“, sagt Reinhold von Eben-Worlée, Präsident des Verbands „Die Familieunternehmer“.
Der „Sorgenkatalog“ verweise darauf, dass Politik und Verwaltung „auf allen Ebenen die Krisen nicht gut genug managen“: „Wenn Unternehmen als Topsorgen – noch vor Inflation und Energiepreisanstieg – die Verkrustung des Arbeitsrechts und die enorme Bürokratie durch Berichtspflichten auf der Seele brennen, offenbart dies: Deutschland hat sich in Bürokratie und starren Strukturen verheddert und selbst gefesselt.“