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Ergobag, Affenzahn, PinqponqKölner Schulranzen-Hersteller Fond of stellt eine seiner Marken ein

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Oliver Burger, Geschäftsführer der Fond-of-Gruppe, bei der Vorstellung der neuen Kollektion. Bei Schulranzen für Grundschüler sind weiterhin Einhörner und Drachen angesagt.

Oliver Burger, Geschäftsführer der Fond-of-Gruppe, bei der Vorstellung der neuen Kollektion. Bei Schulranzen für Grundschüler sind weiterhin Einhörner und Drachen angesagt.

Fond of, das Ehrenfelder Unternehmen hinter der Erfolgsmarke Ergobag, steht vor einer Transformation – verbunden mit erheblichen Einschnitten.

Noch prangen die Logos von sechs Marken aus dem Hause des Kölner Vorzeigeunternehmens „Fond of“ neben der Eingangstür des modernen Bürogebäudes in Ehrenfeld. Bald werden es nur noch fünf sein. Denn die Erfinder des Ergobags, des Schulranzens, der vor einigen Jahren Scout als Marktführer ablöste, räumen innerhalb der eigenen vier Wände auf. „Transformation“ nennt Fond-of-Geschäftsführer Oliver Burger die Sortimentsbereinigung samt strategischer Neuaufstellung.

Zum Opfer fällt ihr Pinqponq: die Lifestyle-Brand mit Taschen für „designaffine Menschen mit Anspruch“, so steht es auf der Website. „Aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen haben wir uns dazu entschieden, die Marke einzustellen“, sagt Burger im Gespräch mit dieser Zeitung. 

Fond of will sich stattdessen auf Artikel für junge Familien fokussieren. Pinqponq als Hersteller von hochpreisigen Rucksäcken und Accessoires für Erwachsene aus dem Großstadtmilieu passe nicht mehr ins Portfolio, auch, weil Konsumzurückhaltung und politische Unsicherheiten die Branche zuletzt stärker belasteten, als das Geschäft mit Kinderprodukten.

Fond of stellt die Marke Pinqponq Ende November ein

Eine letzte Kollektion sei noch im Handel erhältlich. Wenn sich kein Käufer finde, werde es die Ware mit dem doppelpunktförmigen Logo ab Ende des Jahres nicht mehr geben, so Burger.

Das hat auch personelle Konsequenzen. Etwa zehn Prozent der Stellen fallen beim Mutterunternehmen weg. Die Betroffenen seien größtenteils bereits freigestellt. Eine konkrete Zahl nennt der Geschäftsführer nicht. Bekannt ist lediglich, dass die Gruppe zum Stichtag 31. Juli 330 Mitarbeitende beschäftigt. Der Einschnitt sei „eine der schwersten Entscheidungen gewesen, die wir in dem Rahmen treffen mussten. Natürlich sind Menschen betroffen, die die Marke hier mitaufgebaut und in mehr als zehn Jahren groß gemacht haben.“

Doch zumindest unter dem Dach von Fond of sehe man keine Zukunft für diese Art von Rucksäcken aus recycelten PET‑Flaschen: „Pinqponq ist eine starke Marke, davon sind wir immer noch überzeugt. Aber sie verdient Eigentümer, die voll mit ihren Ressourcen und ihrem Fokus dahinterstehen.“ Das können und wollen sie bei Fond of nicht mehr leisten.

Eine Frau zeigt einem Mann einen Rucksack der Marke Aevor. Der Mann hält eine blaue Crossbag der Marke in der Hand.

Anders als Pinqponq darf die Marke Aevor bleiben. Zielgruppe sind Teenager und junge Erwachsene.

Die hinter Pinqponq stehende Baesiq GmbH stellt daher zum 31. Juli ihren Betrieb ein. Die Fond-of-Tochter, zu der mit Aevor noch eine zweite Taschenmarke für (junge) Erwachsene gehört, schrieb zuletzt rote Zahlen. 2024 und 2023 wies die Gesellschaft in ihrem Jahresabschluss einen Fehlbetrag von rund einer Million Euro aus. Die Konsequenzen, die das Mutterunternehmen jetzt zieht, kommen also nicht von ungefähr.

Während die Tage von Pinqponq gezählt sind, rettet sich Aevor, unter anderem bekannt für hippes Outdoor-Gepäck für Fahrradfahrer, unter das Fond-of-Dach. Im Grunde genommen hat die Marke das Glück, jünger daherzukommen als Pinqponq. Sie lässt sich besser in Strategie integrieren, die in Zukunft wieder vorrangig wirken soll, nämlich Kinder und Familien als Zielgruppe zu erreichen. „Wir wollen sie in den prägenden Momenten des Aufwachsens begleiten, von den ersten Wochen bis zu den ersten Entscheidungen mit 15 Jahren und darüber hinaus“, sagt Burger.

Fokus auf Kinder und Familien

Eines dieser Happenings beim Großwerden sei der Schulranzenkauf. Damit hatten die Gründer einst auch den Grundstein für ihre Erfolgsstory gelegt. 2010 brachten sie mit Ergobag ergonomische Tornister für Grundschüler auf den Markt, samt Nachhaltigkeitsversprechen. Von den Schulhöfen sind ihre grafischen Designs, die Drachen- und Einhornmotive kaum noch wegzudenken, trotz vergleichsweise üppiger Preise ab 280 Euro. 

Doch die Fond of Gruppe ist weit mehr als das. Unter dem Namen Satch vertreiben die Kölner Rucksäcke für Kinder ab der 5. Klasse. Und mit Affenzahn sind sie auch auf dem Kindergartenmarkt aktiv. Die Produkte reichen von Tier-Rucksäcken über Brotdosen bis zu bunten Schuhen. 

Die drei etablierten Marken machen Unternehmensangaben zufolge jeweils 30 Prozent des prognostizierten Gesamtumsatzes von 135 Millionen Euro aus. Abweichend endet das Geschäftsjahr in diesem Jahr am 31. Juli. Im Vergleich zum Vorjahr rechnet Fond of mit einem Wachstum von sieben Prozent.

Umsatz von 135 Millionen Euro in drei Kategorien: Rucksäcke, Schuhe, Baby

Die restlichen zehn Prozent des Umsatzes verteilen sich auf Aevor – Zielgruppe Teenager und junge Erwachsene – und die jüngste Brand im Sortiment Alvi – Equipment fürs Baby. Im Oktober vergangenen Jahres retteten Burger und seine beiden Co-Geschäftsführer Mathias Lievenbrück und Susanne Kindler den Hersteller von Schlafsäcken und Stramplern für Säuglinge vor der Insolvenz. 

So decken sie mit ihren fünf Kernmarken nun drei Bereiche ab. Den kleinsten Teil (2 Prozent des Umsatzes) macht die Kategorie Baby aus. Der Verkauf von Rucksäcken bringt den Angaben zufolge mit 65 Prozent des Umsatzes am meisten Geld ein. Und etwa jeder dritte Euro wird inzwischen mit Schuhen verdient. Kein Wunder: Saison- und verschleißbedingt benötigen Kinder öfter im Jahr Sandalen, Gummistiefel oder Sneaker, als neue Taschen. 

Zwei Frauen unterhalten sich in einem Laden über Fond-of-Produkte, die in ihren Händen und in den Regalen zu sehen sind.

Unter der Brand Affenzahn verkauft Fond of Rucksäcke, Brotdosen und Trinkflaschen für Kindergartenkinder. Bedeutend ist auch das Geschäft mit Schuhen.

Auch die Expansion auf weitere Kategorien und Übernahmen könne man sich bei Fond of vorstellen – aber eben nur, wenn es zum neuen, stark konzentrierten Markenkern passe und „wir mit der Akquisition schneller eine kritische Größe erreichen können“, so Burger. Von Ausflügen ins Geschäft mit Damenhandtaschen (Klatta, eingestellt 2018), T-Shirts (Funktion Schnitt, eingestellt 2022) oder hochwertigen Business-Taschen (Salzen, eingestellt 2022) dürften die Verantwortlichen in Zukunft absehen. 

Stattdessen arbeiten sie daran, ihr Fundament zu stärken. Anders als noch ein paar Jahre zuvor nehme das B2C Geschäft, also der Direktverkauf an Kunden, an Bedeutung zu. „Es ist unser wichtigstes Schaufenster“, so Burger. Digitale Sichtbarkeit sei entscheidend für den Absatz.

Kooperation mit Nintendo

Viele Ressourcen wandern daher in die Onlineshops, wo heutzutage häufig der erste Kontakt mit den Marken oder Wiederkäufe stattfinden. „Wir glauben aber auch weiterhin an eine starke Partnerschaft mit dem Handel. Unsere Produkte haben einen hohen emotionalen Wert. Da geht man mit den Eltern, der Oma oder dem Onkel zum ersten Anprobieren immer noch ins Fachgeschäft – und natürlich für das eindrucksvollste Kauferlebnis.“

Die große Herausforderung sei es, sagt Burger, den Spagat zu schaffen. Es gehe um das Vertrauen und die Kaufbereitschaft der Eltern auf der einen Seite. Die kann man vielleicht mit der neuen Kreislauf-Strategie überzeugen. Statt wie bislang recycelte PET-Flaschen für das Obermaterial von Ranzen zu verwenden, setzen sie den Informationen zufolge nun auch auf Alttextilien, die sonst in der Müllverbrennung gelandet wären. Textile-to-Textile nennt sich dieser Prozess.

Doch Nutzer sind schließlich die Kinder – denen müssen Ranzen, Rucksäcke und Schuhe gefallen. Da kann das Material noch so nachhaltig und die Funktionalität noch so innovativ sein - es geht auch ums Design. 

Was das angeht, hat Fond of für die kommende Saison ein kleines Ass im Ärmel. Für die Marke Satch ist dem Unternehmen eine Kooperation mit Nintendo gelungen. Eingestickt auf dem neuen Ranzen könnte Supermario die Kinder bald in die Schule begleiten. Im Handel erhältlich ist das Modell ab Februar. Pinqponq ist dann längst Geschichte.