Mit mehr als zwölf Millionen Mitgliedern stellt die Fitnessbranche einen neuen Rekord auf. Das sind die Trends
Fibo in KölnKetten, Smart Gyms und KI – die Fitnessbranche boomt, doch Senioren fehlen

150.000 Besucherinnen und Besucher erwarten die Veranstalter bei der Fibo 2026 in Köln.
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Longevity, übersetzt Langlebigkeit: Es ist eines dieser Schlagworte, das bei der diesjährigen Fibo auf dem Deutzer Messegelände floriert. 150.000 Besucherinnen und Besucher werden bis einschließlich Sonntag bei der weltweit führenden Fitnessmesse in Köln erwartet. Rund 1000 Aussteller präsentieren dort ihre Produkte und Dienstleistungen.
Mittendrin ist Fitness-Ikone Ralf Möller. Auch der 67-jährige ehemalige „Mr. Universum“ kommt an Longevity nicht vorbei: „Du willst dich auch noch mit 70 bücken und den Schuh zumachen können, ohne dabei Rückenschmerzen zu bekommen.“ Angesichts der steigenden Lebenserwartung sei es enorm wichtig, sich fit zu halten, lautet sein Appell.

Als Werbebotschafter der Fibo appellierte der Hollywood-Schauspieler und frühere Bodybuilder Ralf Möller an die ältere Bevölkerung, mehr für ihre Fitness zu tun.
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Man könnte meinen, die Botschaft wäre politisch und gesellschaftlich längst angekommen. Die Zahlen zeichnen allerdings ein anderes Bild, wie Thomas Wessinghage, Chef des Arbeitgeberverbands deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen (DSSV), erklärt. Obwohl mehr als ein Viertel der Bevölkerung über 60 Jahre alt ist, sei der Anteil der Sporttreibenden dieser Altersklasse vergleichsweise gering.
Fitnessstudios sehen sich in einer zentralen Rolle, um die Langlebigkeit der Bevölkerung zu fördern. In einer alternden Gesellschaft steigt der Bedarf von Senioren an Gesundheitsberatung und geeigneten Übungen – auch, um die Kosten des Gesundheitssystems zu reduzieren. „Viele haben noch nicht verstanden, dass die Stunde bereits geschlagen hat“, sagt er. Von der Politik fordert er eine Stärkung von Prävention und Bewegungsförderung. Auch in seiner eigenen Branche sieht er Aufholbedarf, was die Ansprache der älteren Zielgruppe anbelangt. „Viele haben wir offenbar noch nicht erreicht.“ Das zeigt auch ein Gang über die Fibo, die hauptsächlich junge Generationen und Midager anzuziehen scheint.
Fitnessbranche knackt 12-Millionen-Mitglieder-Marke
Ansonsten hat Wessinghage wenig zu beklagen. Das Geschäft mit Sport und Gesundheit boomt. Etwa jede sechste Person ab 15 Jahren trainiert in einer Fitnessanlage. Im vergangenen Jahr knackte die Branche die 12-Millionen-Mitglieder-Marke, wie eine gemeinsame Erhebung von DSSV, Deloitte und der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement zeigt.
Demnach erreichte die Nachfrage mit einem Wachstum von 5,6 Prozent gegenüber 2024 ein neues Rekordniveau. Bereits im Vorjahr hatte die Branche die Pandemie-Delle wettgemacht und ist weiter auf Wachstumskurs – nicht nur was die Mitgliederzahlen betrifft. Auch der Nettoumsatz stieg der Studie zufolge um 7,4 Prozent auf einen Höchstwert von 6,25 Milliarden Euro an, ebenso die Anzahl der kommerziell betriebenen Anlagen: 9647 Studios listet der DSSV – und damit rund 520 mehr als im Vorjahr.

Der Trainingsalltag vieler Hobby-Sportlerinnen und -Sportler basiert immer mehr auf KI, Diagnostik und Datenaufbereitung.
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„Die aktuellen Zahlen zeigen, dass Fitness- und Gesundheitstraining für viele Menschen zu einem unverzichtbaren Bestandteil ihres Alltags geworden ist“, sagt Ralf Capelan, Mitglied des DSSV-Vorstands. Dafür zahlen die Kunden einen durchschnittlichen Monatsbeitrag von 48,55 Euro, ein Anstieg von 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, was unter anderem auf höhere Personal- und Energiekosten zurückzuführen sei.
Die positive Mitgliederentwicklung trotz steigender Preise spreche für eine „bemerkenswerte wirtschaftliche Stabilität“, sagt Karsten Hollasch, Partner der Unternehmensberatung Deloitte, der die Studie als Co-Autor betreute. „Trotz gesamtwirtschaftlicher Unsicherheiten bleibt die Bereitschaft der Menschen hoch, in ihre Gesundheit zu investieren“, lautet sein Fazit.
Kettenstudios und Smart Gyms verdrängen Einzelbetriebe – auch Kölner Just Fit Gruppe verkauft
Bei aller augenscheinlichen wirtschaftlichen Stabilität befindet sich die Fitnessbranche dennoch in einem strukturellen Wandel. Die Konsolidierung zugunsten des Kettensegments setzt sich weiter fort. Das zeigt aktuell auch ein Beispiel aus der Region. In diesem Monat hat die Life Fit Group mit ihrer Marke Fitness First alle 21 Just-Fit-Studios – und damit rund 40.000 Mitglieder – des Frechener Unternehmers Frank Böhme übernommen. Nach und nach werden die Clubs von ihrem orangefarbenen Erscheinungsbild befreit und in den Look des neuen Betreibers überführt.
Die Anzahl der Anlagen der Life Fit Group steigt damit deutschlandweit auf über 230, 16 davon finden sich allein in der Kölner Innenstadt. „Ein bedeutender Meilenstein auf dem Weg zum Ziel von 250 Standorten bis 2028“, schreibt das Frankfurter Unternehmen. Inhabergeführte Betriebe werden vergleichsweise seltener. Die Anzahl an Smart Gyms – Fitnessstudios ohne festes Personal – nimmt hingegen zu, was den Wettbewerbsdruck für die Betreiber, insbesondere von Einzelanlagen, zusätzlich verschärft. Um zu bestehen, müssen sie sich gegenüber der Konkurrenz mit differenzierten Angeboten positionieren.

Das Unternehmen Egym stellt digital vernetzte Fitnessgeräte her.
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Viele setzen dabei auf das Thema Gesundheit. Die Studienmacher rechnen deshalb nicht nur mit Investitionen in den Umbau von Studios oder den Kauf von Kraft- und Cardiogeräten, sondern auch mit der Ausweitung von Diagnostikangeboten oder etwa Ernährungsberatung. Das Investitionsvolumen könnte demnach in diesem Jahr erstmals die Eine-Milliarde-Euro-Marke knacken. 2025 waren es 798 Millionen Euro.
Digitalisierung und KI im Trainingsalltag
Daran hat auch der Einzug von Digitalisierung samt Datenauswertung und KI in den Trainingsalltag seinen Anteil, der über den Einsatz bei administrativen Aufgaben und im Mitgliedersupport hinausgeht. Ein Beispiel unter vielen ist das deutsche Unternehmen Egym. Die Münchener haben sich auf digital vernetzte Fitnessgeräte spezialisiert. Laut Vertriebschef Jan Scherzer statten sie inzwischen jedes vierte Fitnessstudio in Deutschland mit ihren Produkten aus. „Gerade Junggebliebene und Sport-Einsteiger nutzen die Maschinen, aber auch Reha-Patienten“, sagt er.
Zuerst wird das Fitnesslevel über eine automatisierte Körperanalyse und 3-D-Kamera ermittelt und in die zugehörige App übertragen. Auf Basis dessen erstellt eine KI einen Trainingsplan. Von dem wissen die „smarten“ Kraftgeräte und passen Sitz- und Hebeleinstellungen sowie Widerstand ans Trainingsprofil an. Etwa 14.000 Euro kostet so eine Maschine. Viele Studios leasen die Geräte, berichtet Scherzer. Auf die Frage, ob Fitness nicht besser in einer analogen Welt ohne Bildschirme funktioniere, hat er eine klare Antwort: „Beim Sport will man sich auf sich selbst konzentrieren. Die Digitalisierung eliminiert die Komplexität.“ Andere Anbieter, wie etwa Kieser-Training, betrachten die KI als Assistenz des Trainers, „ohne dabei jemals die essenzielle persönliche Begleitung durch unsere Instruktorinnen und Instruktoren zu ersetzen“, sagt Firmenchef Michael Antonopoulos.

Padel ist das erste Mal bei der Fibo vertreten.
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Der zunehmenden Digitalisierung gegenüber steht der Trend von Sportarten wie Padel oder Hyrox. Die boomende Rückschlagsportart, die erstmals auf der Fibo vertreten ist, und Hyrox, ein Fitnesswettkampf, der über vier Tage in Halle 10.1 ausgetragen wird, setzen auf Gemeinschaft und Team-Erlebnis – ganz ohne KI.
Aggregatoren wie Urban Sports Club verändern die Fitnesslandschaft
Ein weiteres Thema, das die Branche bewegt und die Fitnesslandschaft maßgeblich verändert, sind sogenannte Aggregatoren: Plattformbetreiber wie Urban Sports Club und Hansefit, die immer mehr an Bedeutung gewinnen. Diese Firmen haben keine eigenen Studios, sondern sind gewissermaßen Untermieter der Betreiber. Sie vermitteln ihren Kunden Zugang zu Fitnessclubs, Schwimmbädern oder Pilates-Studios. Das kann hilfreich sein, wenn man beruflich viel unterwegs ist. Außerdem kommt es denen zugute, die flexibel unterschiedlichen Sport machen wollen.
Klassische Studiobetreiber sehen die Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Einerseits lernen dadurch auch mal Menschen ihre Anlagen kennen, die sonst nicht gekommen wären. Andererseits drohen feste Studiomitglieder zu kündigen, um mit Aggregatoren flexibler aktiv zu sein.
Ob es gefällt oder nicht – das Konzept hat Erfolg. 1,47 Millionen zusätzliche Menschen haben die Aggregatoren 2025 in den Fitnessmarkt gebracht. Werden diese Verträge berücksichtigt, stieg die Gesamtzahl der Mitglieder der Erhebung zufolge im vergangenen Jahr sogar auf 13,83 Millionen – wobei auch viele Karteileichen unter ihnen sein dürften.
Wie man Inaktive wieder in Bewegung bringt, Aktive bei der Stange hält und noch mehr Mitglieder generiert, auch darüber diskutieren Aussteller und Gäste beim Branchentreff noch bis Sonntag. Ab Samstag ist die Messe für Privatbesucher geöffnet und wirbt mit Mitmachangeboten und Gruppenkursen. Zudem nehmen allein 3500 Sportlerinnen und Sportler im Rahmen der Fibo am Fitness-Wettkampf Hyrox teil.
