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H-KennzeichenDiese Youngtimer kommen 2026 dazu

8 min
Ist ein Fahrzeug mindestens 30 Jahre alt, können Halter auch ein H-Kennzeichen beantragen - H für historisch.

Offizieller Oldie: Ist ein Fahrzeug mindestens 30 Jahre alt, können Halter auch ein H-Kennzeichen beantragen - H für historisch. 

In diesem Jahr kommen die Fahrzeuge des Baujahrs 1996 in den Genuss eines H-Kennzeichens mit Steuerrabatt, ein Überblick über Spießer, Boliden und Knutschkugeln

Vor 30 Jahren waren diese Fahrzeuge, je nach Modell, automobile Träume (oder später Albträume) und für viele unerschwinglich. Heute sieht das anders aus. Fahrzeuge des Baujahrganges 1996 können ab diesem Monat das begehrte H-Kennzeichen erhalten.

Die Älteren erinnern sich: In dem Jahr wurde das Schaf Dolly als erstes Säugetier geklont, Deutschland wurde Fußball-Europameister durch ein „Golden Goal“, außerdem ließen sich Prinz Charles (heute der King) und Lady Di scheiden. Und im Radio liefen die „Spice Girls“, oder doch eher in den damals total populären Musiksenden M-TV und dem Kölner Pendant Viva – das männliche Gegenstück der Band „Take that“ trennte sich. Außerdem versenkten in dem Jahr Millionen Deutsche ihr Erspartes mit der T-Aktie der Telekom.

Trotz Konjunktursorgen rechnete der Verband der Importeure 1996 mit einem Wachstum des deutschen Automarktes um vier Prozent, wobei 3,45 Millionen Fahrzeuge verkauft wurden – ein Traum für Autobauer und 21 Prozent mehr als im abgelaufenen Jahr 2025. E-Autos waren allenfalls funktionsuntüchtige Prototypen für Messen. 1996 war auf dem Automarkt ein Jahr des Wandels. Im Trend waren nach Jahrzehnten der Abstinenz zweisitzige deutsche Roadster wie der Mercedes-Benz SLK oder der BMW Z3. Und Vans waren schwer im Kommen, wie der minderschöne Renault Mégane Scénic. Vans sind heute out, und dieses Design auch.

Wer einen mindestens 30 Jahre alten, originalen Oldtimer hat, der kann von der Kennzeichenregel für H-Kennzeichenprofitieren. Das spezielle Nummernschild zeichnet Oldtimer als erhaltungswürdiges Kulturgut aus. Darüber hinaus spart der Besitzer laufend Steuern: Es müssen pro Jahr pauschal 191 Euro Kfz-Steuer entrichtet werden, unabhängig von Hubraum, Verbrauch und Leistung des Klassikers. Ein Überblick über die „neuen Alten“.

VW Passat – der Spießer

Ein Auto wie eine Burg: So etwas Ähnliches mag sich das VW-Marketing gedacht haben, als es dieses PR-Foto vom Passat inszenierte.

Ein Auto wie eine Burg: So etwas Ähnliches mag sich das VW-Marketing gedacht haben, als es dieses PR-Foto vom Passat inszenierte.

VW Passat – für die Einen der Ingebriff der Spießigkeit, für die Anderen der ultimative Familienwagen, passend zu mehreren Kindern, Doppelhaushälfte und unbefristetem Anstellungsvertrag. Eines steht fest: Der Passat ist eine deutsche Erfolgsgeschichte und eine Ikone ohne Pathos. Der Passat läutete noch vor dem Golf die Abkehr vom Käfer bei Volkswagen ein. In den USA hieß er Dasher, in anderen Märkten wie Mexico oder China auch Santana oder Magotan – auf eine Art ein Weltauto. Passat heißt viel Platz und Komfort, aber preiswerter als Premium-Marken wie BMW, Audi oder Mercedes.

Von den Konkurrenten Opel Omega oder Ford Mondeo grenzt er sich dennoch ab, er will was besseres sein. 1996 kam der Passat B5 auf den Markt, zunächst nur als Stufenhecklimousine. Der Kombi folgte erst 1997. Seine Platzverhältnisse auf der Rückbank galten als legendär. Mit dem B5 wollte Volkswagen neue Qualitätsstandards für zukünftige VW-Fahrzeuge setzen: Die Karosserie wurde aus elektrolytisch verzinkten Blechen gefertigt und VW gab eine elfjährige Garantie gegen Durchrostung. Ein Modell gab es später sogar als 8-Zylinder, der legendäre W8, der kommt aber erst 2031 ins H-Kennzeichen-Rentner-Alter.

Ferrari 550 – der Angeber

Auch an erste Exemplare vom Ferrari 550 Maranello darf man bereits ein H-Kennzeichen anbringen.

Auch an erste Exemplare vom Ferrari 550 Maranello darf man bereits ein H-Kennzeichen anbringen.

Bisschen unfairer Vergleich, Ferrari 550 Maranello zwischen VW Passat und Ford Ka, aber auch er bekommt jetzt die H-Kennzeichen Steuerbegrenzung, was die meisten Besitzer wenig interessieren dürfte. Wer einen, oder gar diesen Ferrari fährt, dem sollte egal sein, wieviel KFZ-Steuer der Hobel verschlingt.

150.000 Euro kostet ein 1996er Maranello in halbwegs gutem Zustand. Um zum direkten Vergleich zum nächsten Klassiker zu kommen: Selbst in sehr gutem Zustand bekommt man 70 bis 80 Ford Ka aus dem gleichen Jahrgang, also ebenfalls mit H-Kennzeichen. Grade einmal 3600 Stück des seltenen Boliden aus Maranello (daher der Name) wurden produziert, vom Ford Ka mit überraschenderweise vergleichbarem Sitzraumangebot dagegen gut 1,9 Millionen. Beide Modell gab es später auch als zweisitzige Cabrios, wie es eben in der Mitte der 1990er Trend war (siehe Mercedes SLK).

4,5 Sekunden auf Hundert schafft der Maranello, der Ka schafft das auch, aber nur wenn er (rein theoretisch) aus einem Flugzeug abgeworfen würde. Kurios: Im Geburtsjahr gehörte Ferrari zu Fiat, ab 2008 wurde der K zusammen mit dem Fiat 500 bei Fiat in Polen gebaut. Streng genommen sind der Ka und der Maranello also Brüder, wenn auch sehr ungleiche.

Ford Ka – die Knutschkugel

In Spanien, Polen und Indien wurde der Ka gebaut - niemals aber im Kölner Ford-Werk

In Spanien, Polen und Indien wurde der Ka gebaut - niemals aber im Kölner Ford-Werk

Wer den Kölner Fiesta für den Kleinwagen von Ford hält, der hat den Ford Ka vergessen. Fords Antwort auf ... nichts. Der Ka begründete die Klasse der Kleinstwagen. Technisch teilte er sich viel mit seinem „größeren“ Bruder Fiesta. Mit Preisen wurde der Ka überhäuft. Als „Favourite Car of the year 1996“ wurde er von der Zeitung Sunday Telegraph ausgezeichnet. Die Bild am Sonntag verlieh ihm das „Goldene Lenkrad“. Die italienische Autozeitung „Automobilia“ wählte den Ka 1996 zum „Schönsten Auto der Welt“ (schaffte der Ferrarid Maranello nie).

Um im Land zu bleiben: Der Ka erhielt den Designerpreis des Landes Nordrhein-Westfalen 1997: „Ehrenpreis für Produktdesign“. So viel Ruhm kann man heute preiswert erwerben. 1000 bis 2000 Euro für 1996er Ka's sind Schnitt, für 500 Euro gibt es auch welche. Ob die aber noch nen Schönheitspreis kriegen? Fraglich.

SLK – der Faltbare

Cabrios mit klappbarem Stahldach waren in den 90er in Mode, wie hier beim SLK

Cabrios mit klappbarem Stahldach waren in den 90er in Mode, wie hier beim SLK

Cabriobesitzer der 1990er Jahre kennen mehrere Probleme. Standard war damals das Stoffverdeck. Im günstigsten Fall gammelt es unter Regen und Schnee und wird moos-grün, im schlimmeren Fall aber schneiden unliebsame Passanten das Verdeck mit dem Taschenmesser auf und klauen Navi, Handtasche oder gleich das ganze Auto. Die Antwort von Mercedes-Benz: Ein faltbares Stahl-Klapp-Verdeck. Kein Aufschlitzen möglich, dank komplizierter und präziser Technik.

Diverse Modelle anderer Hersteller folgten dem Prinzip, teils viel billiger (Opel Tigra, Peugeot 206 CC etc.). Aber der SLK war stilvoller. In den späten 1990er als „Frauenauto“ verschrien, heute ein verschwundenes Wort, um einen automobilen Makel auszudrücken.

Mehr als 311.000 Mal wurde der SLK gebaut und verkauft. Damit ist der Wagen noch vor dem (neu) viel preiswerteren Mazda MX-5 der meistverkaufte Roadster auf deutschen Straßen. Und erstaunlich günstig sind 30 Jahre alte SLKs zu kaufen. Im Internet finden sich Fahrzeuge zwischen 5000 und 8000 Euro.

Jaguar XK8 – der Kater

Als besonders elegantes, britisches Coupé und Cabrio verkaufte Jaguar ab 1996 den XK8.

Als besonders elegantes, britisches Coupé und Cabrio verkaufte Jaguar ab 1996 den XK8.

Als der Jaguar XK8 1996 auf den Markt kam, hatte der Modellautohersteller Bburago einen Boom. Sein bestverkauftes Modell: Der Jaguar E-Type im Maßstab 1:18. Genau von dem Fahrzeug (im Original versteht sich) waren die Designer des XK8 inspiriert.

Vor dem Untergang oder Verkauf der ganzen britischen Autoklassiker wie Austin, Rover, MG, Jaguar, Bentley oder Rolls Royce der letzte echte Brite unter den Autos. Der XK8 passte perfekt in die 1990er Jahre mit einer ganzen Reihe an Autos im Retro-Gewand, die dem Käufer Klassik-Design mit (damals) moderner Technik anboten. Puristen kritisierten das Modell, wegen der verbauten Ford-Großserien-Knöpfe im Innenraum (Jaguar gehörte damals zu Ford).

Aktueller Wert laut der Oldtimer-Datenbank Classic Data in mittlerem Zustand: ab 13.000 Euro. Wer aber über den Kauf des britischen Katzen-Klassiker nachdenkt, muss Nerven haben. Elektronikprobleme und Abnutzung verursachen laut diverser Autozeitungen erhebliche Folgekosten. Andererseits: Zum Preis eines neuen Dacia Sandero bekommt man als Autofan einen eleganten Hingucker – einen wahren Gentleman.

Hyundai Coupé – der Schräge

Hübsch oder hässlich? Das Hyundai Coupé

Hübsch oder hässlich? Das Hyundai Coupé

Hyundai Coupé? Nie gehört? Ist ein Coupé, wie der Name ja schon sagt. Hässlich? Na na na. Liegt im Auge des Betrachters. Eigenwillig? Ohne Frage. Aber ab Januar 2026 mit H-Kennzeichen zu fahren. Ein (echtes) Coupé zum Preis eines gleichaltrigen Ford Ka, das kriegen Sie so schnell nirgends.

Ab 2000 Euro plus ein Bisschen kriegen Sie die koreanische Karosse, die auf Retro macht, ohne irgendein Vorbild. Im Jahr 2009 endete die Produktion der zweiten Generation. (Der Verkauf war so erfolgreich, dass noch zweieinhalb Jahre nach Produktionsstop „Neuwagen“ aus dem Lager verkauft wurden). Als Klassiker ist das Hyundai Coupé so eine Sache. Die Kehrseite des niedrigen Preises sind häufig schwerwiegende Rostprobleme.

Allerdings ist das Fahrzeug auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt heute eine echte Rarität. Laut dem Autoportal Mobile.de gibt es aktuell grade 35 Fahrzeuge im Angebot. Wer unbedingt ein Coupé fahren möchte, für den ist dieses Auto eine unfassbar billige Alternative. Wer Old- oder Youngtimer als eine Art Geldanlage kauft, der sollte vielleicht erstmal weitersuchen, sagen Kenner.

Lotus Elise – die Leichte

Die Lotus Elise wiegt nur 735 Kilogramm. Auf dem Foto ist ein etwas jüngeres Modell als das von 1996, die Ähnlichkeit ist aber sehr groß.

Die Lotus Elise wiegt nur 735 Kilogramm. Auf dem Foto ist ein etwas jüngeres Modell als das von 1996, die Ähnlichkeit ist aber sehr groß.

Endlich mal ein Mädchenname für ein Auto. Elise. Namensgeberin war Elisa, die Tochter des damaligen Eigentümers von Lotus, Romano Artioli. Das Auto ist allerdings ein sehr leichtes Mädchen. Nur 65 Kilogramm wiegt das Fahrgestell. Die Karosserie ist aufgeklebt oder genietet. Gesamtgewicht: 735 Kilogramm.

Damit war der Lotus nicht nur halb so scher wie ein Porsche 911, sondern auch nur halb so teuer (70.000 Mark). Wohl kaum ein Hersteller wechselte so oft den Besitzer wie Lotus, neben dem Gründer Colin Chapman und Artioli: General Motors (damals Opel), der malaysische Autobauer Proton, nach dessen Übernahme die ebenfalls malaysische DRB-Hicom und später der chinesische Konzern Geely.

Lotus nutzte für die Ausstattung zahlreiche Standardbauteile anderer Autobauer. Lenkstockschalter, Fensterkurbeln und Türgriffe von Opel, die Schalter für die Heizungsknöpfe von Peugeot. Laut dem Oldtimer-Portal Classic Data gibt’s heute Elisen in mittlerem Zustand ab 18.000 Euro. Trotz Lotus' größtem Erfolg (35.000 Autos)ein Exot.

A pros pos Mädchen und Autos, da war doch was. Genau: Ein großer schwäbischer Autobauer ist nach einem benannt. Der Name stammt von Mercédès Jellinek, der Tochter des erfolgreichen Geschäftsmannes und Daimler-Händlers Emil Jellinek, der die leistungsstarken Daimler-Fahrzeuge bei Autorennen unter dem Pseudonym „Monsieur Mercedes“ fuhr und so den Namen populär machte. 1902 wurde „Mercédès“ als Warenzeichen für die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) angemeldet, und nach dem Zusammenschluss von Daimler und Benz 1926 wurde daraus die Marke Mercedes-Benz. Die komplizierten Striche auf den E-s ließen die sparsamen Schwaben einfach weg.