Nach fast einem Jahr Bauzeit ist die Bahnstrecke Hamburg-Berlin wieder frei. Für Reisende gibt es einige Änderungen.
Wichtige Bahnstrecke freiSanierung Hamburg-Berlin beendet, Strecke bei Köln folgt

Zwischen Hamburg und Schwerin ist der Verkehr schon freigegeben. (Archivbild.)
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Fast ein Jahr lang wurde gebaut, nun ist eine zentrale Bahnverbindung in Deutschland wieder in Betrieb. Ab Sonntag verkehren die Züge erneut, allerdings mit einigen Anpassungen.
Köln – Eine Periode von knapp elf Monaten mit Schienenersatzverkehr und Umleitungen ist beendet: Am Sonntag, dem 15. Juni 2026, wird die bedeutende Zugverbindung zwischen Hamburg und Berlin vollständig für den Bahnverkehr wiedereröffnet. Der erste Fernzug soll um 5.34 Uhr vom Hauptbahnhof in Hamburg in die Bundeshauptstadt abfahren und sein Ziel wie vorgesehen in unter zwei Stunden erreichen. Nach Angaben der Deutschen Bahn (DB) nehmen Regionalverbindungen ihren Betrieb schon davor auf.
Auf der annähernd 280 Kilometer langen Trasse sind Züge des Fern-, Regional- und Güterverkehrs zwischen den beiden einwohnerstärksten Metropolen der Bundesrepublik unterwegs. Vor der grundlegenden Instandsetzung wurde die Route, die als bedeutendste Direktverbindung zwischen zwei deutschen Großstädten angesehen wird, täglich von etwa 30.000 Passagieren im Fernverkehr genutzt.
Neuerungen für Reisende ab Sonntag
Ab Sonntag verkehren die Fernverkehrszüge wieder im üblichen 30-Minuten-Rhythmus, und die Regionalbahnen bedienen erneut ihre regulären Strecken. Der Schienenersatzverkehr mittels Bussen entfällt. Jedoch werden die Fernzüge bis zum Monatsende auf Teilstücken mit reduzierter Geschwindigkeit fahren, weil noch technische Überprüfungen anstehen. Die Deutsche Bahn geht davon aus, dass jede Modernisierung das gesamte Schienennetz stabiler macht, was sich vorteilhaft auf die generelle Pünktlichkeit auswirken dürfte.
Die vorgesehene Reisedauer für ICE-Züge erhöht sich nach Beendigung der Bauarbeiten um zwei Minuten auf insgesamt 107 Minuten. Diese Anpassung betrifft vorerst ausschließlich den aktuellen Jahresfahrplan. Eine Sprecherin des Unternehmens erläuterte, die Züge könnten theoretisch zügiger unterwegs sein. Die verlängerte Fahrzeit resultiere jedoch aus der gestiegenen Zahl an Zügen auf der Trasse, was mit einer stark befahrenen Straße vergleichbar sei, auf der das Tempo ebenfalls sinkt.
Gründe für die umfassende Modernisierung
Laut Auskunft der Deutschen Bahn war die Verbindung extrem stark frequentiert und wies deshalb einen erheblichen Verschleiß auf. Vor der Modernisierung passierten im Durchschnitt täglich etwa 470 Züge diesen Abschnitt. Den Zustand der Trasse vor dem Start der Maßnahmen hatte die DB mit der Schulnote 3,7 eingestuft; nach der Instandsetzung wurde eine Aufwertung auf die Note 2,3 erwartet.
Im Rahmen der Baumaßnahmen tauschte die Bahn unter anderem Schienen, Weichen und Signaltechnik aus und modernisierte 28 Bahnhöfe. An diesen Stationen wurden Sanitäranlagen und Wartehäuschen saniert sowie neue Abstellmöglichkeiten für Fahrräder geschaffen. Darüber hinaus erfolgte an mehreren Haltepunkten eine Verlängerung der Bahnsteige, damit dort künftig auch längere Zuggarnituren halten können.
Bauverzug, Kosten und ausstehende Technologie
Der Beginn der umfassenden Instandsetzung war der 1. August 2025, mit einem geplanten Abschluss zum 30. April 2026. Die etwa anderthalbmonatige Verspätung erklärte die Bahn mit den frostigen Temperaturen zu Beginn des Jahres, welche die Arbeiten an Kabelführungen und der Oberleitung behinderten. Ein erster Teilabschnitt zwischen der Hansestadt und Schwerin konnte schon Mitte Mai wieder in Betrieb genommen werden.
Die Aufwendungen für das Vorhaben wurden anfänglich auf 2,2 Milliarden Euro geschätzt. Der staatliche Konzern teilte auf Nachfrage keine aktualisierte Zahl mit, weil die endgültige Abrechnung erst nach Abschluss sämtlicher Bauaktivitäten vorgenommen wird.
Abweichend von der ursprünglichen Konzeption ist das digitale Zugsicherungssystem ETCS noch nicht eingebaut worden. Die Deutsche Bahn traf allerdings Vorkehrungen für eine spätere Implementierung, die nach Unternehmensangaben „in den frühen 2030er-Jahren erfolgen“ soll. Mit ETCS können Züge in kürzeren Abständen hintereinander fahren. Der Entschluss, auf die sofortige Installation der Technologie zu verzichten, rief Kritik hervor.
Folgen für Reisende und die Wirtschaft
Im Zeitraum der Bauphase wurden Fernverkehrszüge über Stendal und Uelzen geführt, was die Reisedauer um circa 45 Minuten erhöhte und das Angebot verringerte. Die Konsequenzen für den Regionalverkehr waren noch gravierender, da Verbindungen entfielen oder nur Teilabschnitte bedienten. Ein Schienenersatzverkehr mit mehr als 200 Bussen wurde organisiert, wobei es zwischenzeitlich zu Konflikten mit dem Busunternehmen Ecovista kam, weil die eingesetzten Fahrzeuge älter als vertraglich zugesichert waren und es zu Pannen kam.
Der Verband Güterbahnen bemängelte zudem negative Folgen für die Wirtschaft. Eine Sprecherin des Verbandes betonte, dass Umleitungsstrecken bei einer Sperrung funktionsfähig sein müssten. Dies sei hier nicht der Fall gewesen, da die Ausweichrouten teilweise unzureichend ausgebaut waren und zusätzliche Baustellen auf den Alternativstrecken zu signifikanten Umwegen führten.
Sanierung einer Strecke nach Köln steht ebenfalls an
Die grundlegende Instandsetzung ist ein Bestandteil des 2022 präsentierten Infrastrukturprogramms „Korridorsanierung Hochleistungsnetz“. Im Rahmen dieses Vorhabens sollen bis zur Mitte der 2030er-Jahre über 40 Verbindungen modernisiert werden. Der Startschuss für die Arbeiten fiel 2024 mit der „Riedbahn“ zwischen Frankfurt und Mannheim, worauf die Strecke von Emmerich nach Oberhausen folgte.
Im laufenden Jahr ist der planmäßige Abschluss von vier weiteren umfassenden Sanierungen vorgesehen. Dies betrifft auch Verbindungen in der Region, nämlich Hagen-Wuppertal-Köln sowie Troisdorf-Wiesbaden. Bei den anderen Vorhaben handelt es sich um die Strecken Nürnberg-Regensburg und Obertraubling-Passau. (dpa/red)
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