Das Handwerk im Großraum Köln steht zwar nach Jahren des Booms überwiegend gut da, hat aber große Sorge vor der nahen Zukunft. Energiekosten, Inflation und Materialmangel lassen die Stimmung eintrüben, sagt Kammerchef Garrelt Duin.
Herbst-UmfrageKölner Handwerk schaut besorgt in die Zukunft

Auch die Baubranche erwartet nach Jahren des Booms einen Abschwung.
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Das Geschäftsklima im Gebiet der Handwerkskammer Köln ist zwiegespalten, nicht nur Branchen, sondern auch nach der heutigen und der zukünftigen Verfassung. „Die aktuelle Stimmung im regionalen Handwerk ist in Anbetracht vielseitiger Belastungen von großer Unsicherheit geprägt“, sagte Hauptgeschäftsführer Garrelt Duin am Freitag.
Die drängendsten Probleme: hohe Energiekosten, steigende Verbraucherpreise und anhaltende Materialknappheit. Wie sehr diese Faktoren das Geschäftsklima der Handwerksunternehmen vor Ort belasten, zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammer, die sie unter rund 800 Mitgliedsbetrieben durchführte. Handwerksbetriebe an der Deutzer Freiheit in Köln bewerten Verkehrsversuch in einer Sonderumfrage als gescheitert.
„Die Zukunft könnte schwierig werden“
„Die Lage ist gut, die Zukunft könnte schwierig werden“, sagte Duin bei der Präsentation der aktuellen Auswertung. Ihre Lage bewertete mit 49,3 Prozent noch knapp die Hälfte des Unternehmens als gut, vor einem Jahr waren es 60 Prozent. Nur gut jedes achte Handwerksunternehmen berichtet aktuell von einer schlechten Lage.
Beim Blick in die nahe Zukunft sieht das schon komplett anders aus. Nur 15 Prozent der Handwerker sind der Überzeugung, dass sich die Lage verbessern wird. Beachtliche 38 Prozent dagegen gehen von einer schlechten aus. Vor zwölf Monaten glaubten das nur wenig mehr als acht Prozent aller Handwerksbetriebe im Kammerbezirk. Der Index der Geschäftserwartungen, ein Saldo aus positiver und negativer Einschätzung der wirtschaftlichen Zukunft ist erstmals seit zehn Jahren mit minus 23 in den negativen Bereich gerutscht. Lediglich während der Lockdowns im ersten Corona-Winter war es ebenfalls negativ, allerdings nur auf minus 1.
75 Prozent wollen Preise erhöhen
Eine baldige Besserung ist nicht in Sicht, im Gegenteil. „75 Prozent der Kölner Handwerksbetriebe planen, die gestiegenen Personal- und Materialkosten sowie Energiekosten über höhere Preise an die Kunden weiterzugeben“, sagt Hauptgeschäftsführer Garrelt Duin.
Ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Lage in naher Zukunft ist der sogenannte Auftragsbestand, oder anders gesagt, die Zeit, die Kunden im Durchschnitt auf ihre Handwerker warten müssen. Und diese Wartezeit fällt nach Gewerk sehr unterschiedlich aus, ein Indikator dafür, wie gut oder schlecht es der jeweiligen Branche geht. Auf einen Handwerker im Bauhauptgewerbe muss man aktuell im Schnitt 13,5 Wochen warten, nach 14,5 im Herbst 2021. Auch im Ausbaugewerbe ist die Wartezeit mit 8,4 Wochen noch überdurchschnittlich, wenn auch um 1,2 niedriger als im Vorjahr. Anhand dieser Kennzahl wird deutlich, wie schlecht es dem Kfz-Gewerbe angesichts der wachsenden Zahl wartungsarmer Elektroautos geht. Hier liegt der Auftragsbestand aktuell nur bei eineinhalb Wochen. Schlusslicht ist das Lebensmittelgewerbe (Bäcker, Metzger) mit weniger als 0,3 Wochen an Aufträgen. 38 Prozent der Betriebe aus diesen Bereichen melden bereits heute eine schlechte Konjunktur.
Sorgen bereiten Handwerkschef Duin aktuell die drastisch gestiegenen Bauzinsen. „Die Nachfrage nach Baudarlehen bricht ein“, sagt der frühere NRW-Wirtschaftsminister. Das kann auch eine schrumpfende Baukonjunktur nach sich ziehen. Außerdem würden sich ja nicht nur die Kredite, sondern zusätzlich noch die Materialkosten deutlich erhöhen. „Spätestens im Frühjahr und Sommer wird die Suppe in der Baubranche dünner“, so Duin. Anders sieht das bei Sanierungen aus. Durch die anhaltend hohen Energiepreise ist es weiter attraktiv, bzw. attraktiver als je zuvor, Häuser energetisch zu sanieren. Auch Solaranlagen, Solarthermieanlagen und elektrische Wärmepumpen würden trotz steigender Kreditkosten weiter intensiv nachgefragt.
Handwerker gegen autofreie Zone in Deutz
Neben dem Konjunkturbericht stellt die Handwerkskammer außerdem die Ergebnisse einer Sonderumfrage von Handwerksbetrieben an der Deutzer Freiheit vor, die die HWK von Mitte bis Ende Oktober 2022 durchgeführt hat. Neun von zehn befragten Betrieben bewerten den Verkehrsversuch dabei als negativ, ein Betrieb stellt die Maßnahme lediglich als positiv auf. Acht von zehn Betrieben berichten von einem Rückgang der Kundenanzahl und damit einhergehend von einem rückläufigen Umsatz.
Sieben von zehn Unternehmen wünschen sich eine Rückkehr zum ursprünglichen Zustand, inklusive der Wiederherstellung der Parkplätze. „Damit ist der Versuch in unseren Augen gescheitert. Wir sprechen uns gegen einen allgemeinen Parkplatzabbau und undurchdachte Konzepte autofreier Zonen aus, wirken aber gerne bei der Erarbeitung einer Lösung mit, sterben die nutzerspezifischen Belange des Handwerks berücksichtigt“, appelliert Kammerchef Garrelt Duin und kritisiert deutlich die Kommunikation der Stadt Köln.