Regularien für die Bewilligung eines Kredits an den Bordellbetreiber sollen nicht eingehalten worden sein. Eine E-Mail deutet auf eine dubiose Zahlung an den Volksbank-Vorstand hin.
Kölner Bordell-AffäreStaatsanwaltschaft ermittelt gegen Volksbank-Vorstand

Eingang des Pascha mit dem Namensschriftzug
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Das Schreiben an den suspendierten Vorstand der Volksbank Köln Bonn, Jürgen N. , kam direkt zur Sache. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf teilte ihm nach Informationen dieser Zeitung mit, dass man ein Ermittlungsverfahren wegen Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr sowie wegen Untreue eingeleitet habe. Bei den Vorwürfen geht es um Millionenkredite zum Kauf des Kölner Bordells „Pascha“.
Kredit über fünf Millionen Euro wurde gewährt
Inzwischen ist das Verfahren an die Kölner Strafverfolger weitergeleitet worden. Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer bestätigte den Vorgang, den man nun prüfen werde. Der WDR hatte zuerst darüber berichtet. Im Kern dreht sich das Strafverfahren um einen Kredit in Höhe von fünf Millionen Euro, den der mutmaßliche Chef der sogenannten Luxusschleuserbande Claus B. zum Erwerb des größten Rotlichtetablissements Europas eingefädelt haben soll.
2021 wollte eine Investorin aus China das Bordell von dem Eigentümer in Nürnberg übernehmen. Der Kaufpreis betrug elf Millionen Euro. Aufgrund von Finanztransferproblemen fehlten allerdings fünf Millionen. Hier soll sich Claus B. eingeschaltet haben. Der damalige Kölner Anwalt unterhielt gute Kontakte zum Volksbank-Vorstand N.. Bei einem Meeting soll dieser die höchst lukrativen Geldautomaten im Pascha gelobt haben, die durch die Volksbank seinerzeit gestellt wurden. Auch angesichts dieser Geschäftsbeziehungen schien die Darlehensvergabe vordergründig kein Problem gewesen zu sein. Zumal die Bank sich entsprechende Sicherheiten per Grundschuld hatte eintragen lassen.
Keine finanziellen Nachteile für die Volksbank
Als die Staatsanwaltschaft Düsseldorf im Zusammenhang mit dem Schleuserverfahren das Bordell beschlagnahmen ließ, forderten die Banker die fünf Millionen Euro zurück. Der Betrag nebst Zinsen soll dann auch beglichen worden sein. Insofern stellt sich die Frage, worin die Untreue eigentlich besteht, die dem beurlaubten Vorstand Jürgen N. jetzt von den Ermittlungsbehörden vorgeworfen wird. An finanziellen Nachteilen für die Volksbank soll es jedenfalls nicht gelegen haben.
Aus Kreisen, die damals mit dem Deal vertraut waren, ist zu hören, dass die Volksbank sogar noch einen Profit mit dem Bordell-Kredit erwirtschaftet habe. Vermutlich geht es darum, dass die Regularien für die Bewilligung des Darlehens nicht eingehalten wurden. Denn der Deal wurde eingestielt, während der Risiko-Vorstand der Bank in Urlaub war. Dieser hatte das Geschäft abgelehnt und musste wenig später sein Büro räumen. Auch im Aufsichtsrat kam es später zu Turbulenzen, vier Vertreter verzichteten im Sommer 2023 auf eine weitere Kandidatur.
75.000 Euro Provision könnten geflossen sein
Schwerer als die möglichen aufsichtsrechtlichen Verstöße wiegt unter den Strafvorwürfen eine Mail des mutmaßlichen Schleuserchefs Claus B. an sich selbst. Aus dieser Mail geht hervor, dass er seinen Komplizen vorschlägt, dem beschuldigten Volksbank-Vorstand Jürgen N. 75.000 Euro Provision zukommen zu lassen. Bisher ist unklar, ob das Geld tatsächlich geflossen ist.
Der Anwalt des mutmaßlichen Schleuserbosses beantwortet diese Frage bisher nicht. Frank Langen, Verteidiger des beschuldigten Chefbankers, teilte auf Anfrage mit, dass man sich zunächst nicht zu den Verdachtsmomenten äußern werde. „Erst nachdem uns die Ermittlungsakte zur Einsichtnahme übersandt worden ist, werden wir zu den unberechtigten Vorwürfen gegen Herrn N. Stellung nehmen.“
Reputationsschaden für die Volksbank
Das Verfahren ist Teil eines Mammutkomplexes rund um die Bande des Juristen Claus B. Er soll gewerbsmäßig Aufenthaltstitel für meist reiche Chinesen mit Hilfe falscher Papiere erschlichen haben. Der genossenschaftlichen Finanzgruppe kommt der Kölner Fall ungelegen. Sie leidet schon länger unter den Imageschäden, durch eine Schieflage in einigen Mitgliedsinstituten. Die Nachrichten aus Köln verstärken den Reputationsschaden. Das „Pascha“ im Kölner Stadtteil Bilderstöckchen gilt als größtes Bordell Europas und bietet auf elf Etagen rund 120 Zimmer für Sexarbeiterinnen an.
