Zahlen mit Bargeld ist immer weiter auf dem Rückzug. Neben dem Zuwachs bei der Kartenzahlung gibt es vor allem immer mehr Vorgänge per Handy.
Kölner StudieSmartphone löst in Deutschland das Portemonnaie ab – neue Apps

Vor allem mobiles Bezahlen - Mobile Payment - via Handy nimmt immer mehr zu.
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Mobile Payment ist das kontaktlose Bezahlen mit Smartphones oder Smartwatches an der Kasse sowie online. Es basiert meist auf NFC-Technologie (Near Field Communication), bei der das Gerät an ein Terminal oder auf QR-Codes gehalten wird. Der Dienst gilt laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik als sicher, da verschlüsselte Token statt echter Kartendaten übertragen werden.
Dieses Mobile Payment ist in Deutschland auf dem Vormarsch. Kundinnen und Kunden greifen für das Bezahlen im Einzelhandel immer häufiger zum Smartphone. Das zeigt die neue Studie des EHI Retail Institute mit Sitz in Köln, „Zahlungssysteme im Einzelhandel 2026“, die am Dienstag auf dem EHI-Payment-Kongress in Bonn vorgestellt wurde.
„Das mobile Bezahlen mit Smartphone oder Smartwatch liegt im Trend und wird immer häufiger im Handel genutzt. Etwa jede fünfte unbare Zahlung an den Kassen des Einzelhandels tätigt die Kundschaft mittlerweile mobil“, sagt EHI-Zahlungsverkehrsexperte und Studienautor Horst Rüter.
Jede fünfte Zahlung bereits mit dem Smartphone
19,3 Prozent der unbaren Zahlungen wurde laut Studie im vergangenen Jahr an der Ladentheke mobil getätigt (2024: 12,8 Prozent). Das entspricht 9,3 Prozent der insgesamt 20 Milliarden jährlichen Zahlungsvorgänge. Fast neun von zehn Kartenzahlungen werden inzwischen durch Vorhalten von Karte oder Handy kontaktlos durchgeführt.
Während die Sparkassenorganisationen bereits seit einigen Jahren sowohl Kreditkarten als auch die Girocard in der iPhone-Wallet anbietet, sind im vergangenen Jahr über eigene Apps laut Rüter auch die Genossenschaftsbanken und der Online-Marktführer Paypal gefolgt.
Dieser weitere Schub für das mobile Bezahlen würde durch die Teilöffnung der zuvor geschützten Kontaktlos-Schnittstelle des iPhones von Marktführer Apple ermöglicht, heißt es vom EHI. Hier seien nach Intervention der EU-Kommission nun auch Zahlungsvorgänge mit Apps von Drittanbietern möglich.
Meiste unbare Zahlungen mit der Girokarte
Der Trend zum bargeldlosen Bezahlen hat unverändert starke Auswirkungen auf den Umsatzanteil der Barzahlung. Dieser verringert sich laut EHI auf 32,3 Prozent (2024: 33,8 Prozent). Der Umsatzanteil der Karte hingegen wächst auf 65,1 Prozent (2024: 63,5 Prozent). Mit 40,5 Prozent entfällt der größte Teil davon auf die Girocard, wenngleich sie um einen Prozentpunkt leicht verliert.
Internationale Debitkarten von Visa und Mastercard verzeichnen ein starkes Wachstum um 2,5 Prozentpunkte auf 9,4 Prozent. Auf die Kreditkarte entfallen 8,2 Prozent, die Sepa-Lastschrift kommt auf 6,4 Prozent. Insgesamt beläuft sich der Kartenumsatz auf 328,6 Milliarden Euro, was einem Plus von 14,5 Milliarden Euro entspricht. Beim Blick auf die Transaktionsanteile (Einkäufe) liegt Bargeld mit 50,5 Prozent noch leicht vorne gegenüber der Karte mit 48,1 Prozent, der Abstand schrumpft allerdings immer weiter. Je größer die Summe, desto wahrscheinlicher ist die unbare Zahlung.
Wir haben im vergangenen Jahr viel mit Falschgeld zu tun gehabt
Die boomenden Debitkarten haben auch Auswirkungen auf das Online-Bezahlen. So verzeichnen die Kredit- bzw. internationalen Debitkarten das größte Wachstum mit 1,4 Prozentpunkten und belegen im Ranking der Bezahlverfahren nach Umsatzanteilen Platz vier mit 13,7 Prozent.
An erster Stelle behauptet Paypal mit 28,7 Prozent (2024: 28,5 Prozent) seine Spitzenposition im E-Commerce. Der Kauf auf Rechnung folgt dahinter mit 26,1 Prozent (2024: 25,8 Prozent). Lastschrift verliert fast drei Prozentpunkte und kommt an dritter Stelle mit 14,4 Prozent. Erstmals explizit im Ranking ausgewiesen ist Apple Pay (1,3 Prozent).
Immer mehr Institutionen - auch in Köln - verzichten bereits komplett auf Bargeld-Zahlung. Der Tanzbrunnen schafft mit Beginn der neuen Saison das Bargeld ab. Wenn am 9. Mai Cat Ballou zur Eröffnung aufspielen, ist an den Getränkeständen nur noch eine Zahlung per Karte vorgesehen. Die Begründung: schnellere Abläufe, mehr Komfort und auch „ein kleiner Beitrag“ zu mehr Nachhaltigkeit. Die Umstellung des Bezahlsystems hat aber noch einen anderen Hintergrund: „Wir haben im vergangenen Jahr viel mit Falschgeld zu tun gehabt“, sagt Kölncongress-Chef Ralf Nüsser, die Gesellschaft betreibt unter anderem den Tanzbrunnen.
