Ende der MittelklasseDie Insolvenz von Peek & Cloppenburg überrascht kaum

Ein Kommentar von
Lesezeit 2 Minuten
Der Schriftzug „Peek & Cloppenburg“ über dem Eingang zu einem Geschäft des deutschen Textilkaufhauses in der Tauentzienstraße in Berlin. (Archivbild)

Die deutsche Bekleidungskette Peek & Cloppenburg beantragt ein Schutzschirmverfahren. (Archivbild)

Die deutsche Bekleidungskette Peek & Cloppenburg mit Sitz in Düsseldorf beantragt ein Schutzschirmverfahren. Das kommt nicht überraschend, meint unser Autor. Und: Es ist Mittelklasse, und daher besteht die Gefahr, dass es als Mittelmäßigkeit wahrgenommen wird.

Die Nachricht vom baldigen Schutzschirmverfahren von Peek & Cloppenburg (P&C) schlug am Anfang März zwar wie eine Bombe ein, überraschend war sie indes nicht. Die Düsseldorfer Textilhandelskette setzt auf Niederlassungen, die an Kaufhäuser erinnern, und genau die haben es bei den Kunden seit Jahren schwer.

Die Pandemie beschleunigt das Aus der Kaufhäuser in Innenstädten – im Internet bestellen ist bequemer

Galeria Karstadt Kaufhof war in zwei Jahren schon zwei Mal pleite, und der Vorgänger Karstadt war es auch schon mal. Andere Kaufhausmarken sind längst aus Deutschlands Innenstädten verschwunden. Die Pandemie hat einen Prozess beschleunigt, den es schon vorher gab. Das Bestellen im Internet ist nicht nur bequemer, es macht sogar Spaß.

Selbst Firmenspross John Cloppenburg sagte vor einigen Jahren im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, dass in seinem Freundeskreis das „Outboxing“, also das Auspacken eines bestellten Pakets im eigenen Wohnzimmer, ein angesagtes Einkaufserlebnis wäre. P&C hatte den Trend erkannt. Doch die Kosten des Trendwechsels waren erdrückend, insbesondere im Zusammenhang mit Corona und Inflation.

Mittelmäßigkeit ist ein weiteres Problem von Peek & Cloppenburg

Und P&C hat noch ein Problem: Es ist Mittelklasse, und daher besteht die Gefahr, dass es als Mittelmäßigkeit wahrgenommen wird. Billigheimer wie Primark brummen, und purer Luxus wie Gucci oder Prada auch. Aber P&C ist irgendwo in der Mitte.

In der Insolvenz in Eigenregie muss es der traditionsreichen Firma gelingen, da rauszukommen, ohne die eigene Marke zu verlieren.

KStA abonnieren