Kommentar zum Bayer-KonzernEine krachende Pleite reiht sich an die nächste

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Bayerkreuz Leverkusen. Foto: Ralf Krieger

Das Bayer-Kreuz im Leverkusener Nebel

Bayer ist zuletzt große Risiken eingegangen, um an alte Erfolge anzuknüpfen. Doch der Konzern ist nur noch ein Schatten seiner selbst.

Bayer ist ein Schatten seiner selbst. Pharma-Riese, wertvollstes Unternehmen Deutschlands, Aushängeschild einer innovativen Wirtschaft. Das alles war mal – heute reiht sich eine krachende Pleite an die nächste.

Der finanzielle Schaden hätte sich minimieren lassen

Bayer ist zuletzt große Risiken eingegangen, um an alte Erfolge anzuknüpfen. Im Fall des Monsanto-Kaufs könnten menschliche Strategiefehler mitursächlich für die Pleite sein: Der ehemalige Chef Werner Baumann drückte die Entscheidung für Monsanto und, ungewollt, damit auch für die ganzen Glyphosat-Querelen – gegen Widerstände 2018 durch. Bewusst oder unbewusst: Risiken wurden unterschätzt. Der Unkrautvernichter vergiftete das öffentliche Bild und den Aktienwert und hängt heute wie ein Klotz am Bein des Konzerns.

Hendrik  Geisler

Hendrik Geisler

Hendrik Geisler ist Leiter und Head of Digital der Redaktion NRW/Story....

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Im Fall der gescheiterten Zulassungsstudie des mit einem Fünf-Milliarden-Euro-Umsatzpotenzial versehenen Wirkstoffs Asundexian ist die Sache weniger eindeutig. Jede klinische Pharma-Studie beinhaltet das Risiko, dass die erwartete Wirkung nicht eintritt. Das Aus für die Behandlung von Vorhofflimmern mit Asundexian ist im Grundsatz eine Pleite, aber eine, die sich kaum hätte vermeiden lassen.

Finanzieller Schaden hätte sich jedoch minimieren lassen. Bayer war so überzeugt von seinem Wirkstoff, dass dafür andere Medikamenten-Kandidaten nicht weiter verfolgt wurden. Die Leverkusener verzichteten zudem darauf, sich Partner an die Seite zu holen. Dann hätten nicht nur die Entwicklungskosten geteilt werden können, sondern auch die Einnahmen geteilt werden müssen.

Bayer-Chef Anderson wird bald die neue Bayer-Strategie verkünden. Er täte gut daran, Risiken zu minimieren, die Pharma-Pipeline künftig auf ein breites Fundament zu stellen, damit sie nicht implodiert, wenn ein Wirkstoff nicht wie erhofft funktioniert – und sich von dem ein oder anderen Klotz am Bein zu trennen.

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