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Messe Jagd & Hund 2026Hightech, Hunde und Holzhütten

5 min
Petra Gerlach ist die Vorsitzende des Vereins für Deutsche Wachtelhund. Der mittlere ist ihr eigeener und heißt „Gauner vom Hopfenhof im Goldenen Grund“. Fotos: Thorsten Breitkopf

Petra Gerlach ist die Vorsitzende des Vereins für Deutsche Wachtelhund. Der mittlere ist ihr eigeener und heißt „Gauner vom Hopfenhof im Goldenen Grund“. 

Mit der Messe Jagd & Hund verwandelt sich Dortmund bis Sonntag zur Hauptstadt der deutschen Jäger – Was es dort zu entdecken gibt

Mit knapp 468.000 gibt es so viele staatlich geprüfte Jägerinnen und Jäger in Deutschland wie noch nie. Nach Angaben des Deutschen Jagdverbands (DJV) ist damit die Jägerschaft binnen 30 Jahren um rund 42 Prozent gewachsen. Einmal im Jahr wird Dortmund zur Hauptstadt dieser wachsenden deutschen Jägerschaft.

Die Messe Jagd & Hund, die noch bis Sonntag geöffnet hat, gilt als größte ihrer Art in ganz Europa. Bis zu 80.000 Besucher zieht die Messe jedes Jahr Ende Januar an. Geöffnet ist die Ausstellung für Jedermann, und wer sie besucht, wird schnell feststellen, dass hier ein besonderer Dresscode herrscht. Viele Besucher sind in Loden oder Grünzeug oder oranger Warnkleidung gekleidet ist und augenscheinlich einen Jagdschein besitzt.

Der technologische Fortschritt verändert die Jagd in Deutschland in den vergangenen Jahren rasant. Das liegt nicht nur an der Digitalisierung, sondern vor allem an vielen rechtlichen Veränderungen in Deutschland. Über Jahrzehnte waren viele Gerätschaften für die Jagd schlicht verboten. Doch in den vergangenen Jahren hat der Gesetzgeber sehr viel liberalisiert. Seither sind Nachtsichtgeräte, Wärmebildkameras oder Schalldämpfer keine verbotenen Gegenstände mehr. Entsprechend entwickelten sich rasant neue Märkte in Deutschland.

Ein Überblick über die Trends der Messe Jagd & Hund:

Optik und Nachtsicht

In Deutschland haben sich insbesondere bei der Jagd auf Wildschweine Nachtsicht-und Wärmebild-Geräte durchgesetzt. Und der Markt boomt, weil sich die Zahl der Wildschweine in den vergangenen Jahrzehnten rasant entwickelt hat. Wildschweine profitieren, ähnlich wie das Rehwild, von der Borkenkäferplage der vergangenen Jahre und der Wiederbewaldung nach Waldschäden. Und anders als Rehe dürfen die sehr scheuen Wildschweine auch bei Dunkelheit gejagt werden.

Eugene Matusevich zeigt ein neues digitales Wärmebildgerät für Tag und Nacht.

Eugene Matusevich zeigt ein neues digitales Wärmebildgerät für Tag und Nacht.

Eine Messeneuheit in diesem Bereich ist das Pulsar Symbion LRF DXT50. Es sieht fast aus wie ein herkömmliches Fernglas mit zwei Rohren. „Es ist aber eine Wärmebildkamera mit integriertem Digital-Tages- und Nachtsichtsystem“, sagt Eugene Matusevich am Stand des Jagdausrüsters Bresser. Das 5400 Euro teure Gerät soll die Jagd, oder besser, das Ausfindigmachen des Wildes bei Tag und Nacht erleichtern.

Auf der Messe werden etliche solcher Neuheiten aus dem Bereich Optik und Nachtsicht vorgestellt. Der Technikbereich nimmt neben Bekleidung und Hundewesen einen großen Teil der Messe ein. Am Stand der Firma Kowa gibt es Halterungen, mit denen man handelsübliche Smartphones auf einem Spektiv oder sonstigen Fernglas befestigen kann. So werden Videos von Tieren in weiter Entfernung zum Kinderspiel. Laut Gerrit Burdag von der Firma Kowa passt der gut 200 Euro teure Adapter an jedes Smartphone.

Bekleidung

Auch bei der Outdoor-Kleidung der Jägerinnen und Jäger hält die Technik Einzug. Die Jagd in Deutschland findet weit überwiegend in der kalten Jahreszeit statt. Entsprechend ist die Kälte der größte Feind des Jägers. Denn der muss auch bei Minustemperaturen viele Stunden auf dem Hochsitz aushalten, wenn er Beute machen will. Früher half gegen den Frost vor allem dicke Kleidung in mehreren Schichten.

Seit einigen Jahren aber ist beheizbare Kleidung bei Deutschlands Waidleuten auf dem Vormarsch. Einer der Bestseller ist dabei die „Deerhunter Heizweste Heat Padded“. Die Weste des dänischen Herstellers Engel hat mehrere Heizelemente an Brust und Rücken, die in drei Stufen mithilfe einer Powerbank, also einem starken Akku, betrieben wird und mehrere Stunden warm hält. Ohne Powerbank kostet die Weste 110 Euro. Aber längst gibt es auch akku-betriebe Heizsohlen und inzwischen sogar beheizbare Handschuhe für Outdoor-Aktive.

Unterkünfte

Früher war die Jagdhütte das universelle Heim des Jägers bei der Ausübung seines Hobbys. Doch im Außenbereich zu bauen ist heute fast ein Ding der Unmöglichkeit. Eine Lösung, die so gar nichts mit Hightech zu tun hat, sind die „Tannenhäuschen“ der Firma Trend-Bau. Das Tannenhäuschen ist eine mobile Jagdhütte, praktisch ein Wohnwagen komplett aus Zirbenholz.

Das „Tannenhäuschen“ ist eine mobile Jagdhütte aus Holz. Preis: ab 100.000 Euro.

Das „Tannenhäuschen“ ist eine mobile Jagdhütte aus Holz. Preis: ab 100.000 Euro.

„Unsere Häuschen haben eine Straßenzulassung, wiegen zwischen 2200 und 2500 Kilogramm und können von vielen Fahrzeugen gezogen werden“, sagt Aussteller Peter Herrmann. Auf Wunsch haben die Tannenhäuschen Toilette, Holzofen und sogar eine Dusche. Längen gibt es von 3,5 bis 8,5 Meter. Ganz billig sind die gemütlichen Holz-Caravans aber nicht. Laut Herrmann beginnt der Preis bei 100.000 Euro.

Hunde

„Jagen ohne Hund ist Schund“, lautet eine alte Jägerweisheit. Und in der Tat nimmt das Hundewesen – wie der Name vermuten lässt – einen beträchtlichen Teil der Messe in Dortmund ein. In Halle 3 präsentieren sich die Verbände aller erdenklichen Jagdhundrassen. An jedem Stand befinden sich lebendige Hunde, die selbstverständlich auch angefasst und gestreichelt werden können. Dieser Teil der Messe ist auch für nichtjagende Tierfreunde einen Besuch wert. Nicht falsch verstehen, man kann dort keine Hunde kaufen. Die Aussteller machen lediglich Werbung für die Rasse des eigenen Hundes. Auch Kinder dürfen auf Tuchfühlung mit den Vierbeinern gehen.

Züchter Alexander Siefert mit Alva, einer Hündin der Rasse Epagneul Picard

Züchter Alexander Siefert mit Alva, einer Hündin der Rasse Epagneul Picard

Wie friedlich die Jagdhunde untereinander und mit Menschen sind, kann man gut beim Stand des Vereins für Deutsche Wachtelhunde erleben. Verbandsvorsitzende Petra Gerlach sitzt dort mit einem Dutzend entspannter, sich aneinanderkuschelnder Wachtelhunde – kein Bellen, kein Kämpfen. „Die Hunde haben sich heute um 10 Uhr das erste Mal im Leben gesehen“, sagt Gerlach, nicht ohne Stolz über die Friedliebigkeit der Wachtelhunde. Diese mögen zwar an Münsterländer erinnern, sind aber nicht wie diese Vorstehhunde für die Jagd auf Ente oder Hase, sondern Stöberhunde. Für Nicht-Jäger gesprochen: Ein Stöberhund ist ein spezialisierter Jagdhund, der selbstständig und weiträumig dichtes Unterholz, Schilf oder Waldgebiete durchsucht, um verstecktes Wild aufzuspüren.

Und der Wachtel ist kein Modehund. „Grundsätzlich werden Wachtelhunde nur an Jäger verkauft“, sagt Petra Gerlach. Auch ein Grund, warum der Wachtelhund außerhalb von Jägerkreisen wenig bekannt ist. Ein Exot ist er aber dennoch nicht, sondern ein Universalwerkzeug, das Schweizer Taschenmesser unter den Jaghunden.

Exotisch gibts aber auch. Etwa Alva von Züchter Alexander Siefert, sie ist ein Epagneul Picard. „Wenn sie grade nicht jagt, ist sie 365 Tage im Jahr ein Familienhund für zuhause, Büro und absolut kindgerecht, sagt Siefert.