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Milliarden-ZukaufDeutz AG wird durch Übernahme zum Panzerbauer

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Ein Mitarbeiter der Deutz AG schraubt in Köln an einem Motor.

Motoren baut Deutz seit mehr als 160 Jahren. Nun kommen Panzer hinzu.

Das Kölner Traditionsunternehmen setzt voll auf Rüstung. Ein 1,6 Milliarden-Euro-Kauf verändert das Unternehmen im Kern.

Deutz wird endgültig zum Rüstungskonzern. Am Donnerstag verkündete das Unternehmen einen großen Schritt in diese Richtung: die komplette Übernahme der FFG Flensburger Fahrzeugbau GmbH. Der Zukauf ist die größte Investition in der gut 160-jährigen Geschichte des Motorenbauers und nach den Worten von Deutz-Chef Sebastian Schulte „ein Gamechanger für Deutz“.

Ausgabe neuer Aktien

1,6 Milliarden Euro lassen die Kölner sich ihren jüngsten Zukauf kosten. Die Transaktion wird teilweise in bar, teilweise über die Ausgabe neuer Aktien finanziert. Dadurch werden die bisherigen Eigentümerfamilien der FFG zu den größten Aktionären der Kölner.

Deutz spricht davon, die FFG-Eigner sollten zu „langfristig orientierten Ankeraktionären“ werden. Sie sollen künftig 29,9 Prozent der Anteile am zusammengeführten MDax-Unternehmen halten.

FFG baut militärisches Spezialgerät

Während Deutz in der Rüstungsindustrie bislang in erster Linie als Zulieferer von Motoren, Generatoren und zuletzt auch von elektrischen Antrieben aktiv war, entwickelt und baut FFG hochspezialisierte Militärfahrzeuge. Auf der Fahrgestellbasis des Leopard 2 unterhält FFG die eigene Plattform Wisent. Nach eigenen Angaben ist dies die „weltweit modernste multifunktionale Fahrzeugplattform“. Mit verschiedenen Aufbauten können die Panzer dieses Typs zum Minenräumgerät, zum Pionierpanzer mit Knickarmbagger und Fähigkeiten im Brückenlegen oder zum Bergepanzer mit einem 30 Tonnen schweren Kranarm ausgerüstet werden. FFG stellt außerdem Anpassungen und Modernisierungen für eine Reihe unterschiedlicher Unterstützungsfahrzeuge zur Verfügung, darunter den Schützenpanzer Boxer.

Vom Motorenbauer zum Systemhaus

Deutz wird durch die Übernahme vom Motorenhersteller zum Panzerbauer und darüber hinaus zum sogenannten Systemhaus, also zum vollwertigen Industriepartner, der gegenüber der Bundeswehr und anderen Streitkräften als Lieferant von Komplettlösungen auftritt.

Auch innerhalb des Konzerns verschiebt sich die Statik. Die Verteidigungssparte, offiziell erst seit Jahresbeginn als eigenständige Unternehmenseinheit aktiv, wird zum eigentlichen Kern des Unternehmens. „Defense wird künftig zum größten Ergebnislieferanten für Deutz werden“, erklärte Schulte gegenüber Journalisten.

Bislang erwirtschaftete FFG rund 760 Millionen Euro im Jahr. Der Auftragsbestand, der knapp unter zwei Milliarden Euro liegt, deutet aber bereits an, dass die Marke in naher Zukunft deutlich überschritten werden könnte. FFG investiert derzeit in eine dritte Panzerfertigung am Standort Flensburg. Deutz-CEO Schulte verwies darüber hinaus auf eine „große Pipeline“ an Geschäft, das noch vor der Beauftragung steht.

Profitables Wartungsgeschäft

FFG gilt auch jenseits von Aufrüstungszyklen als äußerst robust, weil die Norddeutschen einen großen Teil ihrer Umsätze mit der margenstarken Wartung, Reparatur und Erneuerung von Fahrzeugen erzielen. Schulte sprach von Panzern mit einer Lebensdauer von 50 Jahren und mehr, die in mehrere Modernisierungsphasen immer wieder mit neuen Motoren und Antrieben bestückt werden müssen.

Natürlich sollen diese Motoren künftig verstärkt aus Köln stammen. „Wir wollen Deutz-Motoren stärker in die Plattformen von FFG integrieren“, erläutert Schulte. Am Ende entscheide zwar der Kunde über die Ausstattung. Deutz verfüge aber über die Fähigkeiten, die besten Motoren für die Anforderungen von FFG-Fahrzeugen zu bauen.

„Exzellente Kundenbeziehungen“

Ungeachtet dessen sei FFG aber weit mehr als ein „Vertriebskanal für Deutz Motoren“.  Viel wichtiger seien die exzellenten Kundenbeziehungen in die Nato-Streitkräfte, führte Schulte aus. FFG beliefert neben der Bundeswehr beispielsweise die Armeen Kanadas, Dänemarks, der Niederlande und der Ukraine. Der Zusammenschluss der Unternehmen könnte neue Chancen für den Vertrieb von weiteren Produkten aus dem Deutz-Portfolio eröffnen, etwa für Stromaggregate oder elektrische Lösungen auf Basis von Wechselbatterien. Deutz spricht dabei von „Umsatzsynergien“.

Deutz mit Stärken in der industriellen Skalierung

Deutz wiederum bringe in das vereinte Unternehmen seine Fähigkeiten in der Skalierung der Produktion ein. „Unsere Produktion an eine wechselnde Nachfrage anzupassen, das beherrscht Deutz seit Jahrzehnten“, so Schulte. Auch das globale Service-Netzwerk von Deutz gilt als Stärke, von der FFG profitieren kann. „Eins plus eins muss bei einem Zusammenschluss immer mehr ergeben als zwei“, sagte Schulte mit Blick auf den Zugewinn an Effizienz, Fertigungsstärke und Vermarktungsmöglichkeiten.

Außerordentliche Hauptversammlung

Für die geplante Ausgabe neuer Aktien benötigt das Management noch die Zustimmung der bisherigen Anteilseigner. Um die einzuholen, hat Deutz eine außerordentliche Hauptversammlung für den 24. August anberaumt. Der endgültige Abschluss der Übernahme soll idealerweise bis zum Jahresende, spätestens aber im ersten Quartal 2027 erfolgen.

Danach, so viel darf vorausgesagt werden, ist das Unternehmen Deutz ein anderes. Rund 1100 neue Beschäftigte werden zur bisherigen rund 6000-köpfigen Belegschaft hinzustoßen.

Wachstumsziele übertroffen

Die ohnehin schon ambitionierten Wachstumsziele der Firma, die ihren Umsatz bis zum Jahr 2030 verdoppeln wollte, werden durch den Deal übertroffen, kündigte Deutz an. Auch das in Aussicht gestellte Margenziel von zehn Prozent vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) will das Unternehmen vor dem Hintergrund der Rekordübernahme nun früher erreichen als geplant. Die zwischenzeitlich erhöhte Verschuldung werde Deutz dank der Profitabilität von FFG schnell wieder zurückführen, so Schulte.

Der Slogan vom „New Deutz“, den die Kölner seit einigen Monaten bemühen, um ihre fundamentale Transformation zu beschreiben, füllt sich nun mit Inhalt.