Trotz Milliardenzukauf und rasantem Wachstum mit Rüstung und Stromaggregaten sollen weitere Stellen in Köln wegfallen. Verschiedene Baureihen für kleinere Motoren laufen aus.
MotorenbauerDeutz AG baut wohl weiter Personal in Köln ab

Motorenfertigung im Kölner Stammwerk von Deutz
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Verbesserte Werksauslastung, Umsatzwachstum, bereits realisierte Kosteneinsparungen. Obwohl Deutz im ersten Halbjahr positive Kennzahlen bekannt gab und das Ergebnis deutlich steigern konnte, sollen nun erneut Arbeitsplätze in Köln wegfallen. Entsprechende Medienberichte kommentiert das Unternehmen bislang nicht. Klar ist aber, dass der Aufschwung des Motorenbauers zuletzt von den Sparten Rüstung und Energiesysteme getragen wurde. Die klassischen Deutz-Motoren für Land- und Baumaschinen verkaufen sich dagegen weiter schleppend.
Motorengeschäft ist typischerweise zyklisch
Nicht ungewöhnlich, heißt es bei Deutz regelmäßig dazu. Das Geschäft sei eben zyklisch. Auf Jahre mit einem Absatz von mehr als 180.000 Stück wie zuletzt 2022 folgten eben auch Schwächephasen, in denen gut ein Drittel weniger Motoren ausgeliefert werden. 2026 dürften es nicht wesentlich mehr als 140.000 werden. Deutz hält das für gewöhnlich aus. Fachkräfte werden über Durststrecken hinweg im Unternehmen gehalten und bei anspringender Nachfrage auch wieder gebraucht.
Bei einzelnen Motoren, insbesondere kleineren, hat sich der Preiskampf mit dem Wettbewerb zuletzt aber verschärft. Die kompakten Diesel sind weniger komplex als die leistungsstärkeren Modelle. Auch Konkurrenten mit vergleichsweise geringem Know-how gelingt der Nachbau gleichwertiger Motoren, teilweise zu günstigeren Preisen. Folglich erzielt Deutz in diesem umkämpfen Marktsegment schwache Margen, verzeichnet dennoch Umsatzrückgänge und lässt in der Konsequenz einzelne Baureihen über die nächsten Jahre auslaufen.
Letztes Abbauprogramm gerade abgeschlossen
In diesem Zusammenhang gab es seit 2024 bereits einen freiwilligen Stellenabbau bei Deutz, eingebettet in das konzernweite Kostensenkungsprogramm „Future Fit“. Im Rahmen dessen schieden nach Unternehmensangaben rund einhundert Beschäftigte am Standort Köln aus dem MDax-Konzern aus. Am Stammsitzen arbeiten derzeit noch etwa 2700 Angestellte. Der nun kolportierte neuerliche Abbau von bis zu 400 Arbeitsplätzen, immerhin 15 Prozent der Kölner Belegschaft, erscheint angesichts der jüngsten Wasserstandsmeldungen aus dem Unternehmen aber als übertrieben.
Schließlich meldete Deutz erst im August „leichte Markterholungstendenzen insbesondere im Baumaschinensektor“. Finanzvorstand Oliver Neu sprach gar von einer „Trendwende im Engines-Geschäft“. Der Auftragseingang für die wichtige Sparte hatte im ersten Halbjahr immerhin um 14,3 Prozent zugelegt – ungeachtet der negativen konjunkturellen Sondereinflüsse von Irankrieg und Ölpreisanstieg.
Zukäufe ermöglichen Umsatzsprung
Auch insgesamt hat Deutz seinen ohnehin ambitionierten Wachstumskurs zuletzt deutlich beschleunigt. Die Umsatzverdoppelung, eigentlich erst bis 2030 geplant, könnte durch Zukäufe bereits „deutlich früher“ erreicht werden, so Deutz-CEO Sebastian Schulte zuletzt. Womöglich gelingt das Erreichen der 2030er-Ziele sogar schon im kommenden Jahr. Treiber für das Wachstum ist die Übernahme des Flensburger Rüstungsunternehmens FFG. Der Hersteller von hochspezialisierten Militärfahrzeugen bringt ein volles Auftragsbuch von an die zwei Milliarden Euro mit.
Das wird zwar nicht in Köln abgearbeitet werden, mittelfristig sollte das Konzernwachstum aber auch die Beschäftigung in der Zentrale stabilisieren, beispielsweise mit Aufträgen zur Abnahme, Wartung und Reparatur von FFG-Gerät. Das reicht vom Minenräum- über den Pionierpanzer mit Knickarmbagger und Fähigkeiten im Brückenlegen bis hin zum Bergepanzer mit einem 30 Tonnen schweren Kranarm und ist derzeit in mehr als einem halben Dutzend Nato-Streitkräften gefragt.
Kein Hinweis auf Nachfrageeinbruch
Entsprechend gelassen reagierte auch die Börse auf die jüngsten Medienberichte über Stellenkürzungen bei Deutz. Die Aktie der Kölner startete mit Kursgewinnen in den gestrigen Mittwoch und bewegte sich anschließen marktkonform um dem Vortagesschlusskurs. Anleger deuten einen möglichen Jobabbau bei Deutz demnach nicht als Hinweis auf einen Nachfrageeinbruch im klassischen Motorengeschäft. Sie haben vielmehr bereits damit gerechnet, dass mit dem Auslaufen von „Future Fit“ ein weiteres Freiwilligenprogramm die Transformation des Motorenbauers begleiten würde.
Die Nachrichtenagentur dpa meldete zudem mit Berufung auf „informierte Kreise“ deutlich niedrigere Abbauziele. Die Deutz-Belegschaft werde bis Ende 2028 wohl eher um 130 bis 200 Stellen abschmelzen, hieß es von dort. Die Wachstumsfelder von Deutz, etwa in der Ausstattung von KI-Rechenzentren mit Notfalllösungen für die Stromversorgung oder mehrere Kooperationen mit Rüstungs-Start-ups wie dem Münchner Bodendrohnenbauer Arx-Robotics oder dem Rammdrohnen-Hersteller Tytan haben das Potenzial, diesen Stellenabbau auszugleichen.
