Nach TurbulenzenNeue Chefin für Twitter bekannt – Yaccarino löst Musk ab

Lesezeit 4 Minuten
Das Logo des sozialen Netzwerks Twitter ist an einem Gebäude der Firmenzentrale zu sehen. (Symbolbild)

Musk hatte nach der Übernahme eine brachiale Umstrukturierung auf den Weg gebracht, die zeitweise die Funktionsfähigkeit von Twitter in Gefahr brachte.

Wechsel an der Spitze: Linda Yaccarino wird die neue Chefin von Twitter und entlastet Musk – Tesla-Aktie schießt in die Höhe.

Sie solls jetzt richten bei Twitter: Linda Yaccarino wird US-Medienberichten zufolge die neue Chefin der Internetplattform, um Elon Musk gewissermaßen zu entlasten. Er hatte im Herbst vorigen Jahres Twitter für 44 Milliarden Dollar gekauft.

Musk hatte nach der Übernahme das komplette Management gefeuert, die Hälfte der Belegschaft entlassen und sich selbst zum „Chief Twit“ ernannt. Am Donnerstag kündigte er in einem Tweet an, dass er jemanden gefunden habe, der in sechs Wochen den Vorstandsvorsitz übernehme. Den Namen nannte er allerdings nicht. Kurz darauf meldeten mehrere Medien, dass es sich um Yaccarino handele.

Neue Twitter-Chefin Yaccarino blickt auf langjährige Erfahrungen zurück

Die 51-Jährige genießt unter Branchenkennern hohes Ansehen. Sie arbeitete fast zwei Jahrzehnte für Turner Broadcasting, wechselte dann zum Medienkonzern NBC-Universal, ist dort für die Bereiche Werbung und Partnerschaften zuständig.

Sie war maßgeblich an der Einführung des Streamingdienstes Peacock beteiligt und betreute für NBC enorm wichtige Live-Events wie die Übertragung der Olympischen Spiele und des Superbowls, des Endspiel um die American-Football-Meisterschaft. Sie ist für wichtige Kooperationen von NBC unter anderem mit Youtube und eben auch Twitter zuständig.

Musk für Yacccarino „Freund und Kumpel“

Musk und Yaccarino kennen sich und schätzen sich offenbar. Bei einem gemeinsamen Auftritt auf einer Konferenz bezeichnete sie den Multimilliardär als „Freund“ und „Kumpel“. Lou Paskalis von der renommierten Medienanalyse-Organisation Ad Fontes, twitterte: „Ich kann sagen, sie wäre meine erste und einzige Wahl, um die Plattform aus den Händen ihres Besitzers zu retten.“

Libertäre Ansichten: Musk als Twitter-Chef vielfach kritisiert

Musk hatte nach der Übernahme eine brachiale Umstrukturierung auf den Weg gebracht, die zeitweise die Funktionsfähigkeit von Twitter in Gefahr brachte, da es unter anderem an Experten in zahlreichen Abteilungen mangelte.

Aber auch Musk selbst brachte mit seiner fragwürdigen Haltung zur Meinungsfreiheit Twitter in Misskredit. So sperrte er die Konten mehrerer Journalisten, die kritisch über ihn berichtet hatten – angeblich, weil sie den Standort seines Privatjets öffentlich gemacht hätten.

Musk hat versprochen, Restriktionen auf Twitter zu beseitigen, was Beobachter als eine Einladung für die Verbreitung von Hasspostings und Desinformation bewerten. Er wird zudem kritisiert, weil es ihm vor allem darum gehe, Twitter als Werkzeug zu nutzen, um seine eigenen, häufig libertären Ansichten ungestört verbreiten zu können.

Bereiche Produkt und Software: Musk könnte künftig als „Oberboss“ agieren

Ganz zurückziehen will er sich trotz der neuen Chefin denn auch nicht. Er hat sich die Position des Technologie-Chefs ausgesucht, außerdem will er über den Verwaltungsrat unter anderem die Bereiche Produkt und Software überwachen – gut möglich, dass Musk künftig als eine Art Oberboss agiert. Paskalis betont denn auch, er könnte nicht verstehen, warum sich Yaccarino nun freiwillig Musk unterwerfe.

Die Managerin hatte den Twitter-Eigner auf besagter Konferenz unter anderen für seinen Fleiß und seine Arbeitsmoral gelobt. Musk hat behauptet, dass er nach der Übernahme von Twitter so viel geschuftet hat, dass er in einem Büro im Hauptquartier des Unternehmens in San Francisco zeitweise übernachten musste.

Das war auch zu der Zeit, als er sich über „zu viel Arbeit“ beschwerte – er ist „nebenbei“ noch unter anderem der Chef des E-Autobauers Tesla und der Raumfahrtfirma SpaceX.

Keine Ablenkung mehr durch Twitter – Tesla-Aktie schießt in die Höhe

Seinerzeit ließ er die Twitter-Nutzer darüber abstimmen, ob er vom Posten des Vorstandschefs des Unternehmens zurücktreten soll. Weit mehr als 50 Prozent votierten mit Ja. Daraufhin kündigte er seinen Abgang an, sobald er „jemanden gefunden hat, der dumm genug ist, den Job zu übernehmen“.

Es gab am Freitag Applaus für die Personalie. So betonte der Analyst Craig Irwin: Endlich sei es Musk gelungen, die Fessel Twitter loszuwerden. Jetzt könne er sich wieder mehr um die Wertschöpfung bei Tesla kümmern.

Ende vorigen Jahres war unter Börsianern die Befürchtung gewachsen, dass er wegen Twitter seine Aufgaben beim Autobauer vernachlässigt. Nach dem Bekanntwerden der Nominierung von Yaccarino schoss die Tesla-Aktie innerhalb von vier Minuten um zwei Prozent in die Höhe, wodurch der Wert des Unternehmens um fast zehn Milliarden Dollar stieg.

Nachtmodus
KStA abonnieren