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Immer mehr AnlagenAuf dem Kölner Padel-Markt herrscht Goldgräberstimmung – wie lange noch?

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Geschäftsführer der Kölner Padelhalle „The Cube“ auf dem Gelände des Carlswerks: Alexander Kautz, Simon Schmitz und Philippe Krükel (v.l.)

Geschäftsführer der Kölner Padelhalle „The Cube“ auf dem Gelände des Carlswerks: Alexander Kautz, Simon Schmitz und Philippe Krükel (v.l.)

Der Trendsport erobert Köln: Nach „The Cube Padel“ und Courts in Ehrenfeld öffnet bald die nächste Anlage. Dahinter stehen große Invests. Was prominente Kapitalgeber am Geschäft reizt.

Wenn sich die beiden Ex-Nationalspieler Patrick Helmes und Marcel Jansen, der einstige Torwart Holger Gehrke sowie TV-Moderator Matthias Opdenhövel dieser Tage treffen, dann geht es trotz Weltmeisterschaft nicht zwangsläufig um Fußball. An einem Junimorgen steht für sie auf dem Gelände des Kölner Carlswerks eine andere Disziplin im Zentrum: Padel, ein boomender Rückschlagsport, eine Mischung aus Tennis und Squash.  

Zu viert zocken sie eine Runde auf dem Court von „The Cube Padel“. Zwei gegen zwei, statt elf gegen elf; Schläger statt Stollen; davor ein Plausch auf den Loungemöbeln samt Kaffee von der Barista-Bar – alternativ auch ein Kaltgetränk nach dem Spiel, je nach Uhrzeit. 

Prominente Runde: Patrick Helmes und Marcel Jansen spielen gegen das Duo Holger Gehrke und Matthias Opdenhövel.

Prominente Runde: Patrick Helmes und Marcel Jansen spielen gegen das Duo Holger Gehrke und Matthias Opdenhövel.

„Es ist völlig klar, dass man sich danach noch zusammensetzt, verweilt, das Match Revue passieren lässt“, sagt Simon Schmitz. Neben Philippe Krükel und Alexander Kautz ist er einer von drei Geschäftsführern, die im November 2025 die Anlage eröffnet haben. In zwei alten Industriehallen haben sie auf 4000 Quadratmetern elf Indoor-Courts untergebracht, daneben zwei Außenplätze. „Padel funktioniert so gut, weil alles auf den Community-Gedanken ausgerichtet ist. Man spielt im Doppel, wechselt auch mal die Paarungen, und nach einer Stunde gehen vier Freunde vom Platz“, so Krükel. Das Narrativ vom Gegenentwurf einer zunehmend digitalen Welt, in der sich die Leute nach echten Begegnungen sehnen, scheint zu passen.

Außerdem, das liest man immer wieder, sei Padel ein Sport für Jedermann – für ehemalige Profi-Athleten, die sich außerhalb des Fußballplatzes auspowern wollen, genauso wie für Hobbysportler. Es funktioniert selbst als Businessmeeting unter Geschäftspartnern – wie Golf, körperlich etwas anstrengender, aber physisch nicht maximal belastend. Wer will, kann sogar sein Handicap in einer App dokumentieren. Es ist kein Muss. 

Spaßfaktor und Teamgedanke entscheidend

Gespielt wird auf von Glas- und Gitterwänden umgebenen Feldern, daher wählten die Unternehmer für die Halle in Mülheim den Namen „The Cube“, was so viel wie Würfel heißt. Der Ball darf nach dem Aufprall über die Wände weitergespielt werden, lange und schnelle Ballwechsel sind die Folge.

„Man nimmt den Schläger in die Hand und kann gemeinsam loslegen, weil der Schlechtere sich schnell weiterentwickelt und sich der Bessere gut anpassen kann“, sagt Alexander Kautz. Er leitet auch das gleichnamige Sportcenter Kautz in Sülz und hat den direkten Vergleich zu Rückschlagsportarten. „Beim Padel“, sagt er, „haben die Leute am meisten Spaß.“

Der Sport sei außerdem viel medienwirksamer. Nicht umsonst gibt es bei The Cube einen pinkfarbenen Platz – damit die Insta-Posts auch schick aussehen. Anders als etwa beim Squash lassen sich daher auch Sponsoren nicht lange bitten. Das belegen Logos von Auto- oder Getränkeherstellern und einer Kölner Fluggesellschaft, die die Anlage prägen.

Investment von 1,5 Millionen Euro

Ein weiterer Bestandteil des Erfolgs: „In Deutschland ist man beim Padel an keinen Verein oder eine teure Mitgliedschaft gebunden“, sagt Krükel. Das Geschäftsmodell lautet meist „Pay per Play“: Die Plätze werden reserviert, wie eine Bowlingbahn. 36 Euro kostet die Stunde bei The Cube am Vormittag, 44 Euro in den Nachmittags- und Abendstunden. Zwischen 16 und 22 Uhr sind meist alle Courts belegt, wie ein Blick auf die Buchungsplattform zeigt. „Wir hatten im letzten Monat eine Auslastung von 70 Prozent“, so Kautz. Das macht an die 600 Kunden pro Tag und samt Gastroeinnahmen und Trainerstunden einen monatlichen Umsatz im niedrigen sechsstelligen Bereich. 

1,5 Millionen Euro haben die drei zuvor investiert. Der Mietvertrag sei auf 20 Jahre ausgelegt. Die Beos AG als Eigentümer des historischen Industrieareals, das inzwischen Gewerbeflächen, Gastronomie, Kultur- und Freizeitangebote vereint, habe explizit nach einem Padelanbieter gesucht. Unter mehreren Bewerbern habe sich Beos schließlich für das Konzept des Kölner Trios entschieden, berichten Kautz, Schmitz und Krükel.

Sitzecken und ein gastronomisches Angebot gehören zur Ausstattung von vielen Padelhallen dazu.

Sitzecken und ein gastronomisches Angebot gehören zur Ausstattung von vielen Padelhallen dazu.

Sie sind nicht die einzigen, die in Köln aufs Padel-Geschäft setzen. Viele Anbieter schielen auf den hiesigen Markt, die Stadt gilt als Hochburg. Als Pioniere der Szene, auch über die Stadtgrenzen hinaus, gelten Patrick Pihan und Richard Ströhl, die schon früh das Potenzial gesehen haben. Inzwischen betreiben sie sieben „Padelboxen“ in der Region, unter anderem in Weiden, Frechen und Lövenich. 

Doch die Konkurrenz wird immer größer. Neben den Plätzen im Carlswerk öffnete erst kürzlich ein Klub des Berliner Betreibers „The Padel Company“ seine Pforten in Ehrenfeld. „In Deutschland ist die Zahl der Padel-Courts 2024 auf 2025 um rund 63 Prozent gewachsen“, sagt Hanno Lippitsch. Als CEO der Sportbuchungsplattform Eversports beobachtet er den Markt schon länger und sieht einen starken Aufwärtstrend. Schätzungen zufolge spielen 350.000 Menschen aktiv oder gelegentlich Padel. 

Deutscher Padel-Markt im internationalen Vergleich noch Entwicklungsland

„Im europäischen Vergleich stehen wir allerdings erst am Anfang.“ Spanien, Vorreiter des Sports, hat über 17.000 Padel-Courts, Italien mehr als 10.000. Zum Vergleich: Deutschland kommt auf 1700, so Lippitsch. Seine Angaben decken sich mit anderen Quellen. „Aktuell ist die Nachfrage spürbar größer als das Angebot“, sagt er.

Dieses Loch stopft das Münchener Unternehmen Padel City deutschlandweit gewinnbringend und im großen Stil. Es verfolgt einen anderen Ansatz als die Betreiber von The Cube. Geschäftsführer Jonathan Sierck und seine Kollegen sind auf Expansion aus. Sie haben einen Kettenbetrieb aufgebaut, bislang überwiegend in Deutschland.

Jonathan Sierck ist neben Hansi Flick einer von vier Gründern des Unternehmens Padel City.

Jonathan Sierck ist neben Hansi Flick einer von vier Gründern des Unternehmens Padel City.

Ende des Jahres werden sie mit rund 300 Plätzen, verteilt auf 40 Anlagen, wohl größter Padelsport-Betreiber der Welt sein, so die Prognose. 250 Angestellte arbeiten an dieser Marke, Tendenz steigend. Das meiste Geld verdienen sie mit der Vermietung ihrer Plätze. Erlöse – Sierck spricht von einem monatlichen siebenstelligen Umsatz – erzielt Padel City auch durch Sponsoring und Verkauf von Equipment. Sie sind Franchisegeber und mischen bei der Übertragung von TV-Events mit, bei der 2025 erstmalig ausgetragenen „Promi Padel WM“ von ProSieben zum Beispiel. Mit dem Schwesterunternehmen Padel City Entertainment richten sie auch eine internationale Turniertour aus, mit Stopp in Dortmund am 11. Juli. Im Finale winken dem Siegerteam 100.000 Euro.  

Hansi Flick ist Co-Gründer, Mats Hummels und weitere Sportstars als Business Angels investiert

Einer der vier Gründer ist Hansi Flick, ehemaliger Fußball-Bundestrainer und Barcelona-Chefcoach. Hinzu kommen prominente Business-Angels. Naheliegenderweise stammen sie ebenfalls aus der Sportbubble, da hilft das Netzwerk. In mehreren Finanzierungsrunden mit Kapitalgebern wie Mats Hummels und Ex-Tennis-Profi Tommy Haas hat das 2022 gegründete Unternehmen eigenen Angaben zufolge mehr als 15 Millionen Euro eingesammelt. So löblich die Unterstützung von Bewegungsangeboten auch klingen mag – natürlich geht es dabei um Profit. Mittlerweile werde das Unternehmen von Investoren mit mehr als 60 Millionen Euro bewertet, schreibt Padel City. 

Teil der Wachstumsstrategie ist auch der Standort Köln. Voraussichtlich im September eröffnet das Start-up hier eine neue Anlage, in Kalk, nahe der Köln Arcaden. Sierck schwärmt von der Halle in einem denkmalgeschützten Gebäude, den so wichtigen hohen Decken, 14 Plätzen samt Center Court und – wie könnte es anders sein – vom gastronomischen Angebot. 

Neue Padelhalle in Köln-Kalk

Genauso wie die Männer von The Cube berichtet er: „Wir waren nicht die einzigen, die an der Location dran waren.“ Bei einer aktuelleren Ausschreibung hätten sogar 32 Bewerber um eine Immobilie gebuhlt. Viele wittern die Chance auf ein florierendes Geschäft – teils naiv, wie sowohl Sierck als auch Krükel, Schmitz und Kautz durchklingen lassen. 

„Manche denken, so eine Padel-Anlage sei eine Gelddruckmaschine“, sagt Sierck. In der Franchise-Abteilung häufen sich die Anfragen. „Einige wollen auch nur unser Know-how abgreifen.“ Mehr als zehn mehr oder weniger seriöse Unternehmer bekunden pro Woche ihr Interesse. „Wir kommen kaum noch hinterher“, sagt Sierck. Ähnlich gehe es den Platzbauern.

Wenn die Übersättigung eintritt, wird es Leidtragende geben
Jonathan Sierck, Gründer von Padel City

„Ich muss wirklich schmunzeln, wenn Leute davon ausgehen, sie stellen zwei Courts in einer Scheune zur Verfügung und werden dann Millionär“, sagt Kautz. „Ganz so einfach ist das nicht. Da steckt viel Arbeit drin.“ Der Markt werde anspruchsvoller und der aktuelle Boom nicht ewig halten, wie ein Blick in andere Länder zeigt. 

Schweden etwa feierte während der Corona-Pandemie sein Padelhoch. Die Plätze schossen nur so aus dem Boden. Häufig wurden sie mit einem Minimum an Personal betrieben, der Eingang erfolgte per Zahlencode, die Ausleihe der Geräte über Automaten. „Seelenlos. Reine Vermietungsmaschinen“, sagt Kautz. Und strategisch nicht zu Ende gedacht, so scheint es. In Skandinavien mussten viele wieder schließen. Diese Art von Anlagen dürfte es mittelfristig auch in Deutschland schwer haben. 

„Wenn die Übersättigung eintritt, wird es Leidtragende geben“, sagt Sierck. Dann komme es auf den Preis, vor allem aber auf Qualität und Lage an. Sowohl Padel City als auch The Cube sehen sich mit ihren Konzepten da in einer guten Position. Sie sind gekommen, um länger zu bleiben – wenn ihnen nicht der nächste Trend des dynamischen Sport- und Fitnessmarktes den Rang abläuft: noch hipper, noch mehr Community, noch mehr Kapital. Und noch mehr Barista-Kaffee.