Die Pharmaindustrie kritisiert die Sparpläne der Regierung scharf. Der Standort Deutschland sei dadurch in Gefahr.
Pharmaindustrie schlägt AlarmVerband warnt vor Jobverlusten und Investitionsstopp

Der Präsident des Pharmaverbands VFA kritisiert das Sparpaket von Gesundheitsministerin Nina Warken. (Archivbild)
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Die pharmazeutische Industrie in Deutschland äußert Bedenken über gravierende Auswirkungen auf den Arzneimittelstandort, die aus den Sparplänen der Bundesregierung resultieren. Laut Kritik des Verbands forschender Pharma-Unternehmen (VFA) konterkarieren die geplanten Auflagen das erklärte Ziel, die Pharmaindustrie als eine Schlüsselbranche zu fördern. „Das Spargesetz wird den bisherigen Aufwärtstrend der pharmazeutischen Branche in Deutschland beenden“, äußerte VFA-Präsident Han Steutel. Er prognostiziert, dass zukünftig Investitionen und Arbeitsplätze außerhalb Deutschlands geschaffen würden.
Für das laufende Jahr prognostiziert der VFA eine Reduzierung des Umsatzes um 1,0 Prozent, während die Fertigung um 0,7 Prozent zurückgehen soll. Die Zahl der Beschäftigten wird voraussichtlich hingegen leicht auf über 130.000 Personen anwachsen. Eine frühere Voraussage, die die Sparmaßnahmen noch nicht einbezog, hatte für 2027 noch deutliche Steigerungen in Aussicht gestellt. „Nun sind diese Perspektiven allerdings nicht gegeben“, teilt der Verband mit.
Politik macht Sparvorgaben für die Branche
Mittels des GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes beabsichtigt Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU), die Krankenkassen im Folgejahr um 16,3 Milliarden Euro zu entlasten, um einen Anstieg der Zusatzbeiträge abzuwenden. Das Bundeskabinett hat diesen Plänen bereits zugestimmt. Ein wesentlicher Aspekt sind verschärfte Sparauflagen für den Pharmasektor.
Demnach sollen die Herstellerabschläge, welche Arzneimittelhersteller den Krankenkassen einräumen müssen, erheblich anwachsen. Eine VFA-Prognose geht davon aus, dass diese von derzeit 7 Prozent des Listenpreises bis zum Jahr 2030 auf etwa 20 Prozent steigen könnten. „Vor allem der dynamische Herstellerrabatt nimmt den Unternehmen jegliche Planungssicherheit“, monierte Steutel.

Die Pharmabranche erwartet schlechtere Geschäfte. (Symbolbild)
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Verband befürchtet Milliardeneinbußen im Export
Der Verband rechnet ebenfalls mit negativen Konsequenzen für die deutschen Ausfuhren. Da die Arzneimittelpreise aus Deutschland in vielen Staaten als Referenzwert dienen, würden die Exporte an Wert einbüßen. Betroffen wären davon auch die USA, da unter dem US-Präsidenten Donald Trump Vorhaben bestanden, die dortigen Medikamentenpreise an die Richtwerte anderer Industrienationen anzubinden.
Claus Michelsen, Chefvolkswirt des VFA, kalkuliert, dass dem Pharmasektor allein im Ausfuhrgeschäft mit den Vereinigten Staaten bis 2030 etwa zwölf Milliarden Euro entgehen könnten. Den geringeren Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen stünden folglich Verluste in Milliardenhöhe bei Steuern und Abgaben gegenüber.
Sorge um den Forschungs- und Produktionsstandort
Steutel befürchtet eine enorme Schwächung der Pharmafirmen durch die Gesetzesvorhaben. „Bis in das Jahr 2030 dürften deutlich mehr als vier Milliarden Euro für Hightech-Produktion und Forschung verloren gehen.“
Noch 2025 hatte sich die deutsche Pharmaindustrie noch der schwachen Konjunktur widersetzt und erlebte, begünstigt durch Vorzieheffekte im damaligen Zollkonflikt mit den USA, eine Sonderkonjunktur. Die Fertigung wuchs laut VFA-Angaben um 4,6 Prozent und der Umsatz um 5,6 Prozent. Das Geschäftsumfeld verschlechtert sich jedoch zusehends. So erhöht beispielsweise der Krieg im Nahen Osten die Kosten, etwa bei der Luftfracht, und bewirkt sinkende Gewinnspannen. (dpa/red)
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