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„Renaissance“ im FernverkehrSo sehen die Nachtzüge der Zukunft aus

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Modell des Alisa-Zugs von Außen

Im Forschungsprojekt Alisa haben DLR und Unternehmen der Bahnbranche ein leichtes, flexibles und innovatives Schlafwagenkonzept entwickelt.

Mit Entwürfen futuristischer Schlafwagen reagiert das Kölner DLR auf die wachsende Nachfrage nach Nachtfahrten – ein Berliner Start-up geht bereits im März auf die Strecke.

Auf der internationalen Fachmesse für Verkehrstechnik Innotrans in Berlin hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit weiteren Projektbeteiligten ein neues Konzept für den europäischen Nachtzugverkehr vorgestellt. „Alisa“ lautet der Arbeitstitel der futuristischen Doppelstockwagen – der Name steht für ein „angebotsdifferenziertes, leichtes und innovatives Schlafwagenkonzept“, Prinzip Baukasten. 

Das Institut für Fahrzeugkonzepte reagiert damit auf die „Renaissance“ von Nachtzügen im Fernverkehr, wie das in Köln ansässige DLR mitteilte. Die Deutsche Bahn etwa hatte ihre City-Night-Line 2016 eingestellt. Der Betrieb sei ein Verlustgeschäft gewesen, hieß es damals. Billigflieger und Hochgeschwindigkeitstrassen setzten der Idee, gemütlich im Schlafwagen zu reisen, zu. Nachtzüge galten lange als veraltet, langsam, schmuddelig und unbequem.

Auf der Mobilitätsmesse Innotrans ist ein Abteil von einem Nachtzug vom Berliner Start-up "Nox" ausgestellt.

Nachtzug-Suite der Gegenwart: Das Start-up Nox hat ehemalige Intercity-Züge zu Schlafwagen umgebaut. Ab März 2027 sollen sie auf die Schiene gehen.

Doch mittlerweile steige die Nachfrage wieder, „aus Gründen des Klima- und Umweltschutzes. Aber auch, weil die Zeit im Zug bequemer verbracht und produktiver genutzt werden kann“, heißt es vom DLR. So sind Nachtfahrten nicht nur im Nightjet der österreichischen ÖBB zu buchen – die als eine der einzigen europäischen Mitstreiter an das Konzept glaubte und den Betrieb am Leben hielt – sondern auch bei privaten Anbietern: European Sleeper deckt beispielsweise Routen von Berlin nach Paris oder Mailand ab. Mit dem schwedischen Eisenbahnunternehmen Snälltåget geht es über Hamburg nach Malmö und Kopenhagen.

Das Berliner Start-up Nox plant außerdem eine innerdeutsche Verbindung zwischen Hamburg und München. Bei der Innotrans stellte das Unternehmen erstmals seine umgebauten Intercity-Wagen vor, mit eigenen Suiten samt zwei Meter langen Liegeflächen für jeden Gast. Die Preise liegen dabei auf dem Niveau von Kurzstreckenflügen, bei 65 Euro, buchbar ab März 2027. Der erste Nachtzug sei nur der Anfang. Bis 2035 will Nox 100 europäische Städte miteinander verbinden. 

Zwei übereinanderliegende Schlafkabinen im Modell des DLR

Die Nachfrage nach Nachtzügen steigt – ebenso die Anforderungen an Komfort. So sieht die Lösung des DLR aus.

Doch während das Start-up und andere Anbieter aufgrund des steigenden Interesses auf den Markt drängen, steigen auch die Anforderungen an die Züge. Fahrgästen geht es um die Gestaltung des Wageninneren. Sie wünschen sich laut DLR viel Platz und Privatsphäre. Die Betreiber müssen aber noch einer weiteren Herausforderung gerecht werden: Damit der Betrieb trotz Komfort dieses Mal wirtschaftlich ist, müssen die Fahrzeuge der Zukunft gleichzeitig möglichst viele Reisende aufnehmen und häufig eingesetzt werden können.

Komfort und Privatsphäre versus Wirtschaftlichkeit

Bisher seien klassische Schlafwagen allerdings vor allem für den Einsatz in der Nacht konzipiert worden, während sie tagsüber meist stillstanden. Stattdessen will das DLR einen Zug konzipieren, der Tag und Nacht fahren kann. Schlafkabinen sollen dafür in Sitzbereiche umfunktioniert werden können. Vorgesehen sind klassische Sitz- und Schlafsessel, private Einzel- und Doppelkabinen sowie größere Abteile für Familien sowie für Reisende mit eingeschränkter Mobilität.

„Mit Leichtbau und digitalen Entwicklungsmethoden haben wir die Fahrzeugstruktur entsprechend ausgelegt und optimiert“, fasst Nicolai Schmauder zusammen, der das Projekt auf Seiten des DLR geleitet hat. 

Sessel in einem Zugabteil im Alisa-Modell des DLR

Die Nachtzüge nach den Visionen des DLR sollen sowohl nachts, als auch tagsüber sinnvoll einsetzbar sein.

Das Herzstück bildet demnach eine „leichtbauoptimierte Einheit aus drei fest gekuppelten Doppelstockwagen mit einer Gesamtlänge von rund 46 Metern“. Beide Ebenen sollen vollständig begehbar sein. Möglich macht diesen Raumgewinn im Modell das am DLR entwickelte und erprobte mechatronische Einzelrad-Bahnfahrwerk. Im Gegensatz zu üblichen Drehgestellen spart es nicht nur Platz, sondern soll weniger Lärm und Verschleiß verursachen. Kabelkanäle und Teile der Innenausstattung sollen außerdem in die tragenden Strukturen integriert werden, um die Größe des Innenraums zu maximieren. „So können wir die Fahrgastkapazität bei gleichbleibender Achslast um 40 Prozent steigern, ohne dass die Reisenden auf Komfort oder Privatsphäre verzichten müssen“, sagt DLR-Forscher Schmauder. 

Ob Alisa jemals auf die Schiene kommt, ist trotz allem unklar – noch handelt es sich um ein Modell, das neben vielen anderen Ideen auf der Innotrans vorgestellt wird. Dort geht es um weit mehr als Nachtzüge: „Die Schiene ist eines der wichtigsten Zukunftsprojekte unserer modernen Mobilität“, erklärte Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) zur Eröffnung. Kein anderes System bewege so viele Menschen und so viele Güter so energieeffizient und klimafreundlich. „Die Innotrans zeigt uns, wie moderne Mobilität von morgen aussieht.“ 

Mehr als 3000 Aussteller stellen neue Fahrzeuge und Technologien vor. Im Mittelpunkt stehen in diesem Jahr vor allem alternative Antriebe, fahrerlose Fahrzeuge und KI im Bahnsektor.