Der Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes (RSGV) über die Auswirkungen des Nah-Ost-Krieges, den Umgang mit den extrem preiswerten Neobrokern und die Lage der öffentlichen Banken im Rheinland.
RSGV-PräsidentSparkassen wollen Neobrokern Konkurrenz machen

Mit „S-Neo“ bieten auch die Sparkassen ein digitales Wertpapierdepot für preisbewusste Kunden an.
Copyright: Thomas Sievert RSGV
Herr Breuer, die Welt ist in Unruhe. Welche Auswirkungen hat der anhaltende Krieg im Nahen Osten auf die rheinischen Sparkassen?
Der Krieg im Nahen Osten hat schon jetzt spürbare Auswirkungen auch auf unsere Region. Die steigende Energiekosten und stockenden Lieferketten sind ernste Warnzeichen, dass die zaghaften Vorboten einer wirtschaftlichen Trendwende schon wieder nachhaltig in Gefahr sind. Gleichzeitig springt die Konjunktur noch nicht an und wichtige politische Weichenstellungen stehen noch aus.
Für Sparkassen als wichtigstem Finanzierungspartner des heimischen Mittelstandes bringt diese Situation große Herausforderungen mit sich. Den Sparkassen geht es nur dann wirklich gut, wenn es ihrer Kundschaft gut geht. Dies ist auch im vergangenen Jahr bei vielen Kundinnen und Kunden nicht der Fall gewesen.
Hat das auch Auswirkungen auf die Ertragslage? Gibt es, wie manche befürchten, eine Kreditklemme?
Die Handlungsfähigkeit der rheinischen Sparkassen fußt auf einem stabilen Geschäftsergebnis, das sie nach den beiden Ausnahme-Jahren 2023 und 2024 in einem herausfordernden konjunkturellen Umfeld 2025 erneut erzielt haben. Ein Ergebnis, das besser ist als noch zum Jahresbeginn 2025 erwartet.
Sowohl der Kreditbestand - über 144 Milliarden Euro – wie auch die Kundeneinlagen sind kräftig gewachsen, letztere um fast fünf Milliarden Euro. Am Ende bleibt 2025 ein Bilanzgewinn von fast 400 Millionen Euro, fast 50 Millionen mehr als im Vorjahr.
Das gewerbliche Kreditneugeschäft hat 2025 um mehr als 15 Prozent zugelegt, und da ist auch noch Luft nach oben. Bei uns gibt es keine Kreditklemme oder unangemessene Zurückhaltung bei der Kreditvergabe. Es ist aber an der Politik, zügig attraktive Rahmenbedingungen und ein positives Investitionsklima zu schaffen. Wir treten kraftvoll aufs Gas, wenn die Politik es schafft, den Motor anzulassen.
Michael Breuer ist seit dem Jahr 2008 Präsident des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes mit Sitz in Düsseldorf. Der gebürtige Brühler (Jahrgang 1965) ist Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und war von 1995 bis 2007 Mitglieds des NRW-Landtages für die CDU. Von Juni 2005 bis Oktober 2007 war er zudem NRW-Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten.
Der Rheinische Sparkassen- und Giroverband ist der Dachverband aller Sparkassen im Rheinland. Er wurde 1881 als Verband der Sparkassen in Rheinland und Westfalen gegründet. Der RSGV ist als Körperschaft des öffentlichen Rechts organisiert. Die angeschlossenen Sparkassen beschäftigen mehr als 28.000 Mitarbeiter und repräsentieren ein Geschäftsvolumen von rund 158 Milliarden Euro.
Wie verhält sich das Geschäft mit Baufinanzierungen, das ja massiv eingebrochen war?
Beim Wohnungsbau hat das Neugeschäft weiter angezogen, die Werte von vor dem Frühjahr 2022 sind aber noch fern. Zudem wird vor allem in einem großen Maße in Bestandsimmobilien und nicht in den Neubau investiert. Wir bauen zu wenige neue Wohnungen. Es stimmt, dass sowohl der Bund wie auch das Land im Zusammenspiel mit der NRW-Bank verschiedenste Maßnahmen auf den Weg gebracht haben, um den Wohnungsbau anzukurbeln. Trotzdem brauchen wir dringend wirksame und umfassende Förder-Instrumente, die den Eigenkapitalaufbau wirklich unterstützen. Das gleiche gilt für steuerliche Entlastungen für Bauherren.
Bei den Bilanzen der Sparkassen, die schon veröffentlicht haben, zeigen sich deutlich gestiegene Personalkosten. Warum ist das so?
Weil wir entschlossen und kräftig in die Zukunft investieren. Zum einen bei unseren Mitarbeitenden. Wir wollen Neue gewinnen und an uns binden und allen Mitarbeitenden eine moderne, zukunftsfähige Arbeitswelt bieten. Nicht ohne Grund ist die Zahl der Auszubildenden bei den rheinischen Sparkassen von 1717 auf fast 1848 junge Menschen gestiegen. Insgesamt sind mehr als 25.000 kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Sparkassen im Einsatz.
Wie begegnen Sie im Wertpapiergeschäft den preislich sehr attraktiven Neobanken wie Trade Republic und Co.?
Der Wertpapierumsatz bei den rheinischen Sparkassen ist 2025 auf fast 33 Milliarden Euro gestiegen. Kurzum: Das Wertpapiersparen erfreut sich kontinuierlich einer wachsenden Beliebtheit. Folglich wird in diesem Jahr das digitale Angebot im Wertpapiergeschäft der Sparkassen erweitert. „S-Neo“ ist das zukünftige Depotangebot in der App Sparkasse und richtet sich an die Kundinnen und Kunden, die ihre Wertpapiergeschäfte eigenständig mit einem standardisierten Angebot abwickeln möchten.
Der digitale Euro ist ein Streitpunkt. Wie schätzt der RSGV Risiken und Potenziale ein?
Es ist richtig, dass Europa seine Souveränität stärken muss – auch bei Payments. Deshalb plant die EZB den „Digitalen Euro“. Aber so wie er aktuell konzipiert ist, passt das nicht. Die Kosten wären zu hoch, es würden Parallelstrukturen im Zahlungsverkehr aufbaut und ein klarer Mehrwert ist nicht zu erkennen. Denn viele der Vorteile, die der Digitale Euro angeblich verspricht – etwa schnelle, grenzüberschreitende Zahlungen und geringe Gebühren – können existierende europäische Standards bereits heute abbilden.
Im Zahlungsverkehr hat das amerikanische Unternehmen Paypal den deutschen Banken den Rang abgelaufen. Wie wollen Sie Paypal im Zahlungsverkehr entgegentreten?
Für den einfachen, sekundenschnellen Geldtransfer zwischen Privatkonten, für Zahlungen bei immer mehr regionalen und lokalen Händlern, Kommunen und wichtigen Internetshops verfügt Europa mit Wero seit 2024 über eine innovative Zahlungslösung, die schrittweise erweitert wird. Schon heute nutzen fast 7 Millionen Menschen in Deutschland Wero, über 50 Millionen sind es bereits in Europa.

