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Volksbank Köln-BonnDie Geschichte hinter dem Millionenkredit für die Pascha-Investorin

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22.09.2021, Köln: Blick auf das "Pascha" an der Hornstraße in Köln. Foto: Thilo Schmülgen

Das Bordell Pascha an der Hornstraße in Köln-Neuehrenfeld.

Die Volksbank Köln-Bonn steht im Fokus. Eine interne Prüfung soll klären, ob ein Vorstand sich persönliche Vorteile beim Kauf des Bordells Pascha verschafft hat.

Die Volksbank Köln-Bonn steht gewaltig unter Druck: Die Affäre der sogenannten Luxusschleuser-Bande rund um zwei Kölner Anwälte hat inzwischen auch das Geldinstitut erreicht. Ein Mitglied des Vorstands wurde am Mittwoch beurlaubt. Eine externe Sonderprüfung durch eine unabhängige Kanzlei soll den Verdacht klären, ob sich der Chefbanker durch einen Millionenkredit zum Kauf des Kölner Großbordells Pascha durch eine chinesische Investorin persönliche Vorteile verschafft hat.

Zwei Geldautomaten im Foyer

Bei der Schleuser-Affäre geht es im Kern um den Verdacht krimineller Machenschaften rund um illegal verschaffte Aufenthaltstitel für wohlhabende Chinesen. Der mutmaßliche Schleuserboss Claus B. hatte bereits kurz nach seiner Verhaftung im Zuge einer Razzia am 17. April 2024 bei seiner Vernehmung angegeben, wer geholfen haben soll, das Darlehen in Höhe von fünf Millionen Euro bei der Volksbank durchzubekommen.

Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ damals berichtete, soll sich das Vorstandsmitglied der Bank bei den Verhandlungen im Jahr 2021 sehr angetan von der Idee gezeigt haben. Süffisant soll er laut den Aussagen des Claus B. bemerkt haben, dass die Volksbank im Foyer des Pascha zwei Geldautomaten unterhält. Diese seien bundesweit die lukrativsten Auszahlmaschinen. Die Volksbank habe großes Interesse bekundet, diese Geldautomaten weiter zu betreiben, so der mutmaßliche Schleuserchef. Seinen Angaben zufolge soll das Millioneninvestment denn auch durch die Bankgremien abgesegnet worden sein.

Ein Insider, der an den Kreditverhandlungen beteiligt war, berichtete dieser Zeitung, dass die Bank sich wohl entsprechende Sicherheiten im Grundbuch habe eintragen lassen. Auch war das Überbrückungsdarlehen auf ein Jahr befristet. Das Risiko schien also überschaubar.

Wäre da nicht eine E-Mail des hauptbeschuldigten Schleuserbosses von September 2021. Darin schrieb Anwalt B. einem Kollegen laut dem Recherchenetzwerk WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung: „Ich liebe diese Bank.“ Und weiter heißt es in einer „Übersicht“, die sich Claus B. am 8. November 2021 selbst per Mail schickte: Der Volksbanker „will noch 1% Pascha + 1% Alexander Hotel. Also insgesamt 1% auf 7.5 Mio = 75.000“.

Zum Verständnis: In jener Zeit wähnte man sich auf der Zielgeraden, nichts sollte noch schiefgehen. Der mutmaßliche Schleuserboss B. machte laut eigener Mail den Vorschlag: Man möge doch für den Banker „bis Ende November 75.000 bar“ beschaffen. Bisher ist unklar, ob dieses Geld geflossen ist. Auf Anfrage wollte sich die Staatsanwaltschaft Düsseldorf nicht zu dem Vorgang äußern. Der Volksbanker bestreitet jegliche Vorteilsnahme gegenüber dem Recherchenetzwerk: Er habe von Claus B. oder anderen „keinerlei persönliche Zahlungen – weder in bar noch auf anderem Weg – erhalten“. Auch habe er „keine Geldzahlungen (‚Kickbacks‘)“ an Claus B. oder andere geleistet, teilte er vergangene Woche mit.

05.10.2021, Köln: Volksbank Köln Bonn, Hauptverwaltung. Foto: Max Grönert

Die Volksbank Köln-Bonn lässt das Verhalten ihres Vorstandsmitglieds anwaltlich prüfen.

Fakt ist, dass der Fall Pascha nun nochmals ins Rampenlicht geraten ist, gerade auch die Rolle der Banken. Denn nach Informationen dieser Zeitung unterhielt die Luxusschlepper-Organisation allein bei der Volksbank 40 Anderkonten und bei der Kreissparkasse Köln knapp 230.  Anderkonten sind Treuhandkonten, die etwa Notare oder Rechtsanwälte auf eigenen Namen führen, aber für fremde Gelder bestimmt sind. Den Finanzermittlungen zufolge sollen meist reiche chinesische Kunden als Halter aufgetreten sein und bis zu sechsstellige Summen eingezahlt haben. Die Mittel sollten dazu dienen, sich hierzulande Aufenthaltstitel zu erschleichen. Eine Anfrage unserer Redaktion zu den Konten ließ die Kreissparkasse unbeantwortet; die Volksbank wollte sich nicht äußern.

Die tatsächliche Verfügungsgewalt soll aber bei den Hauptakteuren der Schleuserbande gelegen haben. Diese sollen horrende Beträge hin- und hergeschoben haben, um sie dann schließlich als Honorar für ihre Dienste einzustreichen. Insgesamt sollen zwischen Januar 2016 bis November 2023 knapp 19 Millionen Euro umgesetzt worden sein.

Wie passt nun aber die Geschichte um den Erwerb des größten Rotlichtetablissements Europas ins Bild? Eine Pekinger Investorin aus der Glücksspiel-Branche, ein verschachteltes Firmengeflecht, eingefrorene Millionen in Hongkong – die Geschichte des Pascha-Verkaufs ist ebenso kompliziert wie erstaunlich.

Bereits im Sommer 2024 hatte die Staatsanwaltschaft das Bordell konfiszieren lassen. Laut dem Beschluss soll ein Teil der Kauf- und Sanierungsgelder für das Pascha, genau gesagt 1.269.008 Euro, aus dem Topf stammen, den die asiatischen Migranten für die Vermittlung einer Aufenthaltserlaubnis bezahlt hätten, heißt es dort. Und deshalb müsse der Deal selbstverständlich auch im Kontext mit den Schleusungen gesehen werden.

Das Bordell im Stadtteil Neuehrenfeld existiert seit 1972. Gebaut wurde das Hochhaus mit pinker Fassade, das früher schlichtweg „Eros-Center“ hieß, sogar „auf Wunsch und Anregung“ der Stadt Köln. Die wollte den Straßenstrich in der Innenstadt loswerden. In der Kleinen Brinkgasse arbeiteten früher etwa 100 Prostituierte, die in Fenstern standen oder sich im Freien präsentierten. Bis heute bieten in dem Gebäude in der Hornstraße mit mehr als 120 Zimmern je 13 Quadratmeter Prostituierte ihre Dienste an.

Bis zum Corona-Lockdown 2020 florierte das Geschäft. Im Oktober des Jahres 2020 musste das Pascha nach fünf Monaten Zwangsschließung die Insolvenz anmelden. Der damalige Besitzer, ein Immobilienunternehmer aus Nürnberg, wollte verkaufen. Das habe er über einen Mittelsmann erfahren, so der verdächtige Schleuserboss Claus B. Ob das denn nicht ein Investment für die Chinesen sein könnte, sei er gefragt worden. In einem Exposé mit den wichtigsten Daten zu dem Objekt wurde ein Kaufpreis von elf Millionen Euro aufgerufen. Bald präsentierten Komplizen aus der Schleuser-Gruppe die Familie H. aus China, die in Macao bereits im Glücksspielbereich „und anderen Etablissements“ tätig sein soll.

Ein kompliziertes Firmengeflecht

Der Kölner Anwalt B. jedenfalls fand sofort Gefallen an dem Deal. Frau H., laut Passkopie wohnhaft in Peking, bevollmächtigte ihn, den Kauf rechtlich abzuwickeln. Eine Million des Kaufpreises wurde als „Reservierungsgebühr“ für den Deal überwiesen. Die übrigen zehn Millionen sollten nach dem Notartermin fließen. Dann aber gab es ein Problem: Nachdem die ersten fünf Millionen angekommen waren, passierte nichts mehr. Das restliche Geld sei damals in Hongkong eingefroren worden, berichtete der Jurist Claus B. im Polizeiverhör. Warum dies geschehen sei, wisse er nicht.

In der Not hatte der mutmaßliche Schleuserchef eine rettende Idee. Er nutzte die guten Kontakte zur Volksbank Köln-Bonn. Umgehend will er sich an einen Vorstand des Kreditinstitutes gewandt haben. Innerhalb von drei Wochen habe die Volksbank den Kredit in Höhe von fünf Millionen Euro genehmigt, so Claus B. Das Geldinstitut äußerte sich nicht zu dem Geschäft. Man sei an das Bankgeheimnis gebunden, hieß es seinerzeit auf Anfrage dieser Zeitung.

Mit dem Geld der Kölner Bank jedenfalls konnte das Geschäft abgeschlossen werden. Womöglich um die Geldflüsse oder Eigentümerverhältnisse zu verschleiern, wurde für das Bordell ein kompliziertes Firmengeflecht installiert. Die Gebäude und die Freifläche an der Hornstraße waren laut Grundbuch im Januar 2021 in das Eigentum der Firma „HS Grund und Boden GmbH“ übergegangen. Als Zweites gab es dann noch die „HS Rechte und Verwertung GmbH“, die die Namensrechte am Pascha besaß und dafür eine monatliche Gebühr kassierte. Beide Gesellschaften gehörten der Kölner „Golden Horn Holding GmbH“, bei der wiederum Frau H. hundert Prozent der Anteile hielt. Das elfstöckige Freudenhaus wurde laut den Ermittlern mit weiterem Geld der chinesischen Investorin sowie „Schleuser-Erlösen“ aufwendig saniert. Im März 2022 feierte man die Wiedereröffnung.

Inzwischen soll die Volksbank die fünf Millionen Euro zurückerhalten haben. Nach dem Bekanntwerden der Beschlagnahme des Bordells forderte die Volksbank ihr Darlehen umgehend zurück. Und wie der Pascha-Insider versichert: „Dies ist dann auch geschehen.“