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WeindiebstahlDiebe versetzen Weinwelt in Angst und Schrecken

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Barrique-Weinfässer stapeln sich im Keller des Weinguts Marchesi Antinori- in Sambuca Val di Pesa in der Toskana.

Weinfässer stapeln sich im Keller des Weinguts Marchesi Antinori in Sambuca Val di Pesa.

Dreiste Banditen haben beim italienischen Kult-Winzer Antinori Tausende von Flaschen hochwertigen Rotweins gestohlen: Kölner Experten raten zu Vorsicht und Geduld im Geschäft mit Wein

Auch wenn der Weinkonsum in Europa schwächelt, hochwertige Weine bleiben als Geldanlage hoch interessant. Wie groß die Attraktivität teurer Weine weiterhin ist, belegt der Einbruch bislang unbekannter Diebe beim italienischen Spitzen-Winzer Marchesi Antinori aus Florenz. Im Weinlager des Traditionsunternehmens im toskanischen Cortona stahlen Diebe in der vergangenen Woche etwa 30.000 Flaschen hochwertigster Rotweine, wie die Zeitung „Corriere della Sera“ berichtete.

Gestohlen wurden ausschließlich Gebinde des Jahrgangs 2023, darunter die international besonders gefragten Supertoskaner Tignanello, Solaia und Guado al Tasso. Alleine vom Solaia wurden etwa 10.000 Flaschen geraubt, der 23er Jahrgang wird derzeit mit etwa 300 Euro gehandelt, Tignanello kostet 120 Euro, der Guado al Tasso etwa 140 Euro. Den Gesamtschaden bezifferte Antinori mit gut fünf Millionen Euro. Laut Medienberichten soll es sich um den größten Raub in der Geschichte des italienischen Weinbaus handeln.

Professionelle Täter vermutet

In den vergangenen Wochen ist es zu mehreren großen Weindiebstählen auf italienischen Gütern gekommen. Fahnder vermuten die organisierte Kriminalität dahinter. Auch Antinori-Geschäftsführer Renzo Cotarella geht von professionell vorgehenden Tätern aus. Er vermutet, die Flaschen könnten für Sammler oder Gastronomiebetriebe bestimmt sein. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben seine Kunden weltweit über den Diebstahl informiert und von Angeboten außerhalb der bestehenden Vertriebskanäle gewarnt. Auch die italienische Polizei rief Handel und Verbraucher dazu auf, bei extremen Lockangeboten mit herausragenden Weinen besonders vorsichtig zu sein, es könne sich um Diebesgut handeln.

Die Familie Antinori gilt als eines der ältesten und berühmtesten Weinproduzenten der Welt. Ursprünglich der Zunft der Seidenweber zugehörig, ist die Familie seit 1385 und damit seit 26 Generationen im Weingeschäft aktiv. Ihr ideelles Zentrum ist bis heute der Palazzo Antinori in Florenz, in der Toskana alleine betreibt die adlige Familie zehn Güter, weltweit sind es 21, darunter in Chile und Kalifornien. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen 259,7 Millionen Euro um, dadurch ist Antinori das größte und umsatzstärkste private Familienweingut in Italien und eines der größten in Europa. Die Attraktivität von Premium-Weinen wirkt magisch auch auf die organisierte Kriminalität in Italien.

Diebe auch in Piemont aktiv

Denn erst vor wenigen Wochen hat sich in einer anderen Premium-Region der Halbinsel, im Piemont, ein ähnlich spektakulärer Diebstahl ereignet. Beim Winzer Conterno e Fantino in Monforte d’Alba im Herzen der Langhe-Region stahlen äußerst professionell vorgehende Kriminelle mit Gabelstaplern tonnenweise teuerste Barolo-Rotweine, die sie in Kleintransporter des Weinguts verluden. Sie entwendeten mindestens 8000 Flaschen, darunter besonders teure Weine in Übergrößen von 1,5 und von drei Litern, den sogenannten Jeroboams. Diese gelten in Sammlerkreisen als besonders interessant.

„Ich bin heute schon mehrfach auf den Diebstahl bei Antinori angesprochen worden“, sagt Peter Irnich, einer von zwei Geschäftsführern des Kölner Unternehmens Berghaus&Cie. Die Firma aus Köln-Kalk ist seit fünf Jahren auf dem Markt und gilt als eines der führenden Beratungshäuser für hochwertige Weininvestments. Berghaus&Cie betreibt dafür eine digitale Handelsplattform, sie schreibt nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz in Millionenhöhe und ist profitabel unterwegs. „Das A und O bei teurem Wein ist Vertrauen“, sagt Irnich.

Vertrauen ist das A und O

Für Weininvestments, wie sie die Kölner vermitteln, komme es auf alteingesessene Vertriebswege und verlässliche Partner an. Denn der Fine-Wine-Handel, also der Handel mit exquisiten Tropfen, laufe ausschließlich über etablierte Adressen und zollfreie, von den Zollbehörden streng kontrollierte Freilager. „Jede Flasche hat dort eine dokumentierte Herkunft. Provenienz ist und bleibt entscheidend. Es ist daher fast auszuschließen, dass sich Diebe aus Italien über diesen Kanal versuchten. Wahrscheinlich ist, dass sie es über die Gastronomie probieren“, sagt Irnich

Das Geschäft der Kölner dürfte unter der Verknappung, die mit dem Massendiebstahl in Italien verbunden ist, jedenfalls nicht leiden. Denn edle Tropfen aus anerkannten Jahrgängen entwickeln sich in der Regel unabhängig von klassischen Finanzmärkten und zeigen gerade in volatilen Phasen eine erstaunliche Stabilität. Irnich verweist auf die hohe Resilienz im Markt für hochwertige Weine. Weil Vertrauen dort so wichtig sei, entstünden die Preisbewegungen eben nicht in anonymen Märkten, sondern primär durch reale Transaktionen zwischen Käufern und Verkäufern, wodurch auch abrupte Kursstürze deutlich seltener auftreten. Außerdem komme es im Geschäft mit feinen Weinen auf langen Atem an. Dann wirke der sogenannte Verknappungseffekt wertsteigernd.

Die Kölner Experten verweisen gerne auf das Château Lafite Rothschild als eines der berühmtesten Bordeaux-Weingüter der Welt. Der Wert des Jahrgangs 1996 ist bis heute im Schnitt um 7,86 Prozent pro Jahr gestiegen. Eine einzelne Flasche des Rotweins kostet heute im europäischen Schnitt 882 Euro plus Mehrwertsteuer.