Düsseldorf – Die Konjunktur läuft rund, die Arbeitslosigkeit erreicht immer neue Tiefstände und trotzdem können immer mehr Menschen in Deutschland ihre Rechnungen nicht bezahlen. Die Zahl der überschuldeten Verbraucher ist in diesem Jahr nach Erhebungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform um rund 19.000 auf mehr als 6,9 Millionen gestiegen. Das heißt: jeder zehnte Erwachsene gibt regelmäßig mehr aus, als er einnimmt.
Es ist der fünfte Anstieg in Folge. Allerdings fällt er etwas geringer aus als in den beiden vergangenen Jahren. Die Überschuldungsquote bleibt mit 10,04 Prozent stabil, weil sich die Bevölkerungszahl durch Zuwanderung vergrößert hat. Das Gesamtvolumen der Schulden bezifferte Creditreform auf rund 208 Milliarden Euro.
Entwicklung von Einkommen und Wohnkosten entkoppelt
Wesentliche Gründe sind zum einen Arbeitslosigkeit, gefolgt von Trennung oder Scheidung sowie Krankheit, Sucht oder Unfall. Mit Abstand folgen eine unwirtschaftliche Haushaltsführung mit übermäßigem Konsum sowie eine gescheiterte Selbstständigkeit. Ein weiterer Faktor ist auch das hohe Preisniveau der Mieten und Eigenheime, das vor allem in den Ballungsräumen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. „Wohnen ist in deutschen Großstädten in vielen Fällen zum Armutsrisiko geworden“, schreibt Creditreform. Die Entwicklung von Einkommen und Wohnkosten habe sich gerade in strukturstarken Regionen wie den Großstädten entkoppelt.

Copyright: KStA-Grafik Böhme Quelle: Creditreform
Während die Kaufkraft nur noch langsam zulege, erhöhten sich die Kosten für Mieten und Immobilien in großen Schritten. Für immer mehr Haushalte bleibe deshalb nach der Miete nur noch relativ wenig Geld für die sonstigen Lebenshaltungskosten übrig. Schon kleine unerwartete Ausgaben könnten dann in den Schuldenstress führen, sagte Creditreform-Geschäftsführer Ralf Zirbes. Auch wenn die Miete selbst meist noch bezahlt werde, fehle danach in vielen Fällen das Geld, um andere Verpflichtungen zu erfüllen.
Positiv wertet das Unternehmen, dass weniger Menschen sehr stark verschuldet sind, mehr Menschen dagegen leichter. In der Folge mussten weniger Verbraucher Privatinsolvenz anmelden. Ebenfalls ein erfreulicher Trend: Die Zahl junger überschuldeter Personen hat sich um 73.000 deutlich verringert. Das liegt nach Auffassung von Creditreform daran, dass junge Menschen verstärkt Arbeit gefunden haben.
Immer mehr ältere Menschen verschuldet
Für bedenklich hält Creditreform vor allem die steigende Verschuldung älterer Menschen, deren Zahl laut Creditreform überdurchschnittlich stark zugenommen hat. Die Zahl der überschuldeten Senioren im Alter von 70 Jahren und mehr stieg um 35 Prozent auf 263.000.

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In Nordrhein-Westfalen legte die Zahl der Verbraucher im Soll um 10.000 auf rund 1,74 Millionen zu. Mit einer Verschuldungsquote von 11,69 Prozent liegt NRW damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 10,04 Prozent. Schlechter schnitten nur noch Berlin, Sachsen-Anhalt und vor allem Bremen ab. Am niedrigsten ist die Überschuldungsquote in Bayern mit 7,47 Prozent, gefolgt von Baden-Württemberg mit 8,31 Prozent.
Schwierig bleibt die Lage im Ruhrgebiet. Unter den zehn deutschen Städten mit mehr als 400.000 Einwohnern wiesen Duisburg, Dortmund und Essen die höchsten Quoten auf. Spitzenreiter in NRW bleibt Wuppertal mit 18,42 Prozent. Bundesweit wird das unter allen Kreisen und kreisfreien Städten nur noch von Bremerhaven übertroffen. Für die nahe Zukunft rechnen die Experten angesichts der sich eintrübenden Konjunkturaussichten mit einer Zunahme der Überschuldungszahlen.
