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Statt SanierungStadt Köln montiert im Herkulestunnel an der A57 zwei Blitzer

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Im Bereich vor dem Herkulestunnel will die Stadt Köln Blitzer montieren.

Im Bereich vor dem Herkulestunnel will die Stadt Köln Blitzer montieren.

Im Bereich des Bauwerks hatte die Verwaltung aufgrund vorhandener Schäden die Höchstgeschwindigkeit von Tempo 80 auf 50 reduziert.

Vor 13 Jahren hat die Stadt Köln die Höchstgeschwindigkeit rund um den Herkulestunnel, der zur Autobahn 57 führt, von 80 auf 50 reduziert, weil die Sicherheitstechnik nicht mehr dem aktuellen Stand entspricht. An das Tempolimit hält sich allerdings kaum jemand. Wer sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit hält, wird regelmäßig bedrängt und überholt. Der Verkehrsdienst der Stadt Köln, der Stadtdirektorin Andrea Blome untersteht, hat massive Geschwindigkeitsüberschreitungen und erhebliche Verkehrsgefährdungen festgestellt. Deshalb wird die Stadt Köln in beiden Fahrtrichtungen  jeweils eine Blitzeranlage fest installieren.

Schnellster Autofahrer war mit 206 km/h unterwegs

Im Februar dieses Jahres führte die Stadt Köln an acht Tagen Radarmessungen durch. Erfasst wurden dabei insgesamt rund 250.000 Fahrzeuge, von denen 76,9 Prozent zu schnell waren. 16.577 der Autofahrer waren so viel zu schnell unterwegs, dass sie ein Fahrverbot erhalten hätten, wenn die Messungen geahndet worden wären. Die Durchschnittsgeschwindigkeit aller gemessenen Fahrzeuge betrug laut der Stadt 84 Kilometer pro Stunde statt der erlaubten 50. Der Spitzenreiter fuhr mit 206 Kilometern pro Stunde auf den Herkulestunnel zu. 

Die beiden Blitzer sollen dabei helfen, die Sicherheit vor Ort zu verbessern. „In Fahrtrichtung Autobahnkreuz Nord gab es zudem im Jahr 2025 einen tödlichen Verkehrsunfall wegen Raserei“, sagte ein Stadtsprecher. Der Verkehrsdienst habe daher empfohlen, in beiden Fahrtrichtungen Blitzanlagen zu installieren. Die Unfallkommission Köln hat Ende April entschieden, dem Rat zu folgen. In dem Gremium sitzen Vertreter der Stadt, der Polizei, der Kölner Verkehrs-Betriebe, des Landesbetriebs Straßenbau Nordrhein-Westfalen und der Bezirksregierung Köln.

Betrieb der Blitzer frühestens Ende 2026

„Die genauen Standorte der Messanlage stadtein- wie stadtauswärts werden verwaltungsintern noch abgestimmt“, sagte der Stadtsprecher. Sehr wahrscheinlich werden sie außerhalb des Tunnels montiert. Die Blitzer sollen voraussichtlich Ende 2026 oder Anfang 2027 in Betrieb gehen.

Der Einsatz mobiler Messanlagen zur Überbrückung ist an dieser Stelle nicht möglich. Im Bereich von Autobahnen, autobahnähnlichen Straßen und Schnellstraßen darf die Stadt Köln nach derzeitiger Rechtslage ausschließlich fest installierte Anlagen benutzen. Nur die Polizei darf dort auch mit mobilen Geräten die Geschwindigkeit messen. 

„Eine Geschwindigkeitskontrolle am Herkulestunnel ist grundsätzlich gerechtfertigt. Es fahren viele Autofahrer zu schnell herein, weil das ein autobahnähnlicher Abschnitt ist“, sagt Roman Suthold, Fachbereichsleiter Verkehr und Umwelt beim ADAC Nordrhein. Dass es so viele Verstöße gibt, zeige sehr deutlich, dass ein Schild alleine nicht ausreiche. „Ein Blitzer ist immer das letzte Mittel der Wahl, wenn alles andere nicht funktioniert hat“, sagt Suthold. Eigentlich müsse man den Übergang von der Autobahn zum Tunnel baulich neugestalten, um die Sicherheit zu verbessern – auch, wenn das schwierig sei.

Eine Geschwindigkeitskontrolle am Herkulestunnel ist grundsätzlich gerechtfertigt
Roman Suthold, ADAC

Dass auf dem Zubringer zur Autobahn 57, auf dem jeden Tag eine hohe fünfstellige Zahl von Autofahrern unterwegs ist, überhaupt Tempo 50 gilt, hängt damit zusammen, dass der Tunnel nicht mehr den geltenden europäischen Sicherheitskriterien entspricht. Beleuchtung, Entrauchung und Fluchtwege sind laut der Stadt Köln nicht auf dem neuesten Stand – das Tempolimit hatte die Verwaltung deshalb bereits im Jahr 2013 von 80 auf 50 herabgesetzt. Die EU-Vorschriften hatten sich unter anderem aufgrund eines Brandes im Mont-Blanc-Tunnel in den französischen Alpen 1999 verschärft, bei dem 39 Menschen starben.

Nach einer Sanierung sollte im Herkulestunnel Tempo 80 zurückkehren – dazu kam es allerdings bis heute nicht. Hieß es damals zunächst, die Instandsetzung würde im Januar 2015 beginnen, schob das zuständige Amt für Brücken, Tunnel und Stadtbahnbau das Projekt immer weiter nach hinten. Auch ein erneuter Anlauf in den Jahren 2017 und 2018 kam nicht zustande, weil die Modernisierung des Kalker Stadtautobahntunnels vor der Zoobrücke fünf Jahre länger als geplant dauerte.

Zuletzt hieß es, dass die Arbeiten im Herkulestunnel möglicherweise Ende 2028 beginnen können, sicher ist das aber nicht. Auf Anfrage konnte das Mobilitätsdezernat kein konkretes Datum nennen. Hinzu kommt, dass die Stadt auch noch ihre vier Rheinbrücken und mehrere Tunnel in der Kölner Innenstadt modernisieren muss. „Dass der Tunnel nach 13 Jahren noch immer nicht saniert ist, steht in einer Reihe mit den vielen maroden Brücken. Die Kommunen haben die Situation eine lange Zeit ignoriert, auch aus Geldmangel“, sagt ADAC-Experte Suthold.