Menschen in Köln reagieren mit Sorge und Entsetzen auf den starken Rechtsruck durch den AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt.
„Ich bin entsetzt und erschrocken“Was Kölnerinnen und Kölner zum AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt sagen

Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gewonnen. (Archivbild)
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Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent gewonnen. Die absolute Mehrheit hat sie nicht, doch die Partei mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund strebt an die Regierung. Wie schauen Kölnerinnen und Kölner nach Sachsen-Anhalt und auf das Wahlergebnis? Wir haben uns umgehört.
Annika (21): „Grundsätzlich bin ich sprachlos und entsetzt. Ich fühle mich noch nicht so richtig betroffen, aber wenn man aus der Ferne guckt, hat man natürlich trotzdem Angst. Das Ergebnis ist sehr eindeutig und hat sich sehr verändert in kurzer Zeit. Da fragt man sich, wie sehr sich das auch in anderen Bundesländern verändern kann. Für mich ist das noch nicht real in meiner Bubble. Man fragt sich: Wer sind diese Leute, weil man das so gar nicht mitbekommt.“
Lucas Gierse (62): „In Sachsen-Anhalt sind sie mit Abstand stärkste Partei, und ich hoffe, dass sie sich weiterhin an demokratische Regeln halten werden. Hier fühlt man sich noch relativ sicher, aber das ist ein Trend, der in ganz Deutschland zu beobachten ist. Das ist jetzt eine Wahl, die stark rechtslastig ausgefallen ist – wie das in den anderen Ländern sein wird, wissen wir nicht, und wie lange es dauert, bis es in die Bundesregierung schwappt, auch nicht. Gott bewahre.“
Giovanna Gierse (48): „Ich bin Ausländerin und das Ganze betrifft mich direkt. Ich habe ein bisschen Angst, das muss ich so sagen – ich komme nicht aus Deutschland, ich bin hier nicht geboren. Und vielleicht ist es wirklich schwierig für die Leute, die nicht in diesem Land geboren sind. Leider.“
Birgit P. (68): „Mich beschäftigt, wie es dazu gekommen ist, und mich beschäftigen die gesellschaftlichen Verhältnisse. Die sind nicht nur in Ostdeutschland prekär, sondern führen hier auch zu dieser Unzufriedenheit und dazu, populistische Meinungen anzunehmen und nach schnellen Lösungen zu suchen. Ich bin erschrocken, wie wenig Menschen selbstverantwortlich denken – dort und auch hier bei uns. Das ist kein Phänomen, das nur hier auftritt, sondern in ganz Europa, in der ganzen Welt: dieser Rechtsruck, dass Menschen nicht mehr selbstwirksam für sich sorgen und denken, sondern nach den starken Menschen rufen, die es richten werden.
Ich bin entsetzt, ich bin erschrocken, ich bin auch sehr, sehr, sehr berührt darüber und manchmal hilflos, und das macht so ohnmächtig. Was sollen wir tun gegen diese Macht und gegen diese Populisten, die nur auf Meinungen aufbauen und kein Wissen dazu haben, wie es funktionieren könnte. Ich finde es ganz grausig und gruselig, dass so etwas in Deutschland passiert, gerade vor dem Hintergrund, dass sie als rechtsextrem ausgewiesen sind. Das finde ich unglaublich.“
Manfred R., Rentner: „Die Bevölkerung hat gewählt und über 40 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt sind der Meinung, dass diese Partei es richten kann. Ich bin der Meinung, sie kann es nicht, aber auf jeden Fall ist es ein Denkzettel für die Politik. Das, was die mit uns machen da oben, Merz und Co., das ist so ein Mist. Die ärmeren oder einfachen Leute müssen nur noch zahlen. Und wenn ich dann von Reformen höre – das heißt doch immer nur Sozialabbau. Zum Beispiel, die Mütterrente, die jetzt angeblich wieder auf den Prüfstand kommen soll. Das ist eine riesige Sauerei, als Rentner hier in diesem Land zu leben. Ich kann verstehen, dass die Leute so gewählt haben. Glauben Sie es mir, ich werde genauso wählen.“
Timo K. (18): „Es ist erschreckend, wie viele junge Leute die AfD gewählt haben. Ich glaube, es waren 46 Prozent. Irgendwie enttäuschend. Ich frage mich, woran es liegt, dass so viele Leute diesen Schritt gehen, obwohl es eigentlich ersichtlich ist, dass es für uns gerade kontraproduktiv ist. Angst habe ich nicht. Ich glaube, jetzt darüber in Panik und Verzweiflung zu verfallen, macht es auch nicht besser.
Ich würde erst mal abwarten, was wirklich passiert, weil auch Vorschläge, die gebracht wurden, nicht so einfach umgesetzt werden können. Da muss man bei jeder Regierung erst mal abwarten, was passiert. Und es geht ja gerade so viel ab, auch in Amerika, wo man sich schon zehnmal gedacht hat: Das kann doch nicht gut gehen. Und natürlich geht es auch nicht gut – aber es ist nicht so, dass die Welt davon gerade untergeht.“
Marie H. (18): „Ich habe nicht wirklich Angst, aber schon ein unruhiges Gefühl, weil ich mir denke: Es wurde jahrelang gekämpft – gegen Rassismus und Sexismus und für Feminismus. Da frage ich mich schon, wie schnell das alles wieder verschwinden könnte.“

