Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 146. Teil der Serie geht es um den Fotografen August Sander.
Bedeutung
August Sander war einer der herausragenden Porträtfotografen seiner Zeit. Aufgewachsen im Westerwald, weckte ein Fotograf in einem Bergwerk das Interesse des jungen Sander, der dort als Haldenjunge arbeitete. Er absolvierte bei einem Siegener Fotografen eine dreijährige Lehre. Seine ersten Porträts machte er von Bewohnern seiner Heimat. Während des Militärdienstes in Trier half er bei einem Fotografen aus. 1898 bis 1900 reiste Sander mit der Kamera durch Deutschland. Von 1901 bis 1909 hatte er ein Studio in Linz und war dort mit Ausstellungen erfolgreich.
Wirken in Köln
1911 eröffnete Sander mit seiner Frau Anna an der Dürener Straße ein Fotostudio. In der Werkbundausstellung 1914 war er mit Arbeiten vertreten. Während des Ersten Weltkriegs war er Soldat, seine Frau führte das Atelier weiter. Nach dem Krieg war er ein gefragter Werbe- und Architekturfotograf. Seit Mitte der 1920er Jahre arbeitete Sander an seinem dokumentarischen Porträtkonzept „Menschen des 20. Jahrhunderts“. Bis heute gilt er damit als ein Wegbereiter der sachlich-konzeptorientierten Fotografie.
August Sander
Geboren: 17. November 1876 in Herdorf
Gestorben: 20. April 1964 in Köln
Im August 1928 zeigte er im Kölnischen Kunstverein mehr als 100 Fotografien. 1929 erschien sein erstes Fotobuch. Sander war kritisch gegenüber dem Nationalsozialismus eingestellt. Die Restauflage seines Buches wurde 1936 beim Verlag beschlagnahmt, die Druckstöcke zerstört. Sein Sohn Erich starb als Widerstandskämpfer nach fast zehn Jahren Haft 1944 im Gefängnis. Sander fertigte Passbilder für Jüdinnen und Juden an, die sich um eine Ausreise bemühten.
Im Krieg ordnete er sein Werk in Kuchhausen, heute ein Stadtteil von Windeck. 1945 wurde sein Haus in Lindenthal zerstört, im folgenden Jahr brannte der Keller mit Tausenden Negativen aus. 1955 beteiligte sich Sander an einer Gruppenausstellung im Museum of Modern Art in New York.
Bemerkenswert
Auch Sanders Brüder Carl und Gustav waren als Fotografen tätig.
Spuren in der Stadt
Eine Stiftung mit Sanders Namen widmet sich der Aufarbeitung seines Werks. 4500 Originalabzüge und rund 11.000 Originalnegative befinden sich in der Photographischen Sammlung der SK Stiftung Kultur. Sanders Grabstätte ist auf dem Friedhof Melaten.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.

