Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 134. Teil der Serie geht es um die Politikerin Christine Teusch.
Bedeutung
Christine Teusch war die erste Ministerin Nordrhein-Westfalens. Nach Besuch des Lehrerinnen-Seminars begann sie 1910 als Oberlehrerin im Neusser Lyzeum. 1913 wechselte sie nach bestandener Rektorenprüfung nach Köln. 1917 übernahm sie in Essen die Betreuung von 50.000 Arbeiterinnen in der Rüstungsindustrie. Sie sah die soziale Not der Frauen und widmete sich der Frauenfürsorge. 1918 wurde sie Leiterin des Frauenreferats der Christlichen Gewerkschaften.
1919 war sie eine der jüngsten Abgeordneten der Weimarer Nationalversammlung, in der sie sich für die Gleichwertigkeit der Geschlechter einsetzte. Von 1920 bis 1933 war sie für das Zentrum Abgeordnete im Reichstag, seit 1925 als Schriftführerin Präsidiumsmitglied. 1933 war sie gegen das Ermächtigungsgesetz Hitlers, beugte sich jedoch der Fraktionsdisziplin und stimmte dafür. Im NS-Staat wurde sie mehrfach von der Gestapo verhört, die ihre Wohnung durchsuchte. 1936 erfolgte die Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand. Im November 1944 nahm die Gestapo sie in „Schutzhaft“, aus der erst die Amerikaner sie im April 1945 befreiten.
Christine Teusch
Geboren: 11. Oktober 1888 in Köln
Gestorben: 24. Oktober 1968 in Düsseldorf
1946 wurde sie Abgeordnete im NRW‑Landtag. 1947 ernannte Ministerpräsident Karl Arnold (CDU) sie zur Kultusministerin – gegen den erklärten Willen Konrad Adenauers. In ihrer Amtszeit wurden 1.500 Schulen wieder aufgebaut oder neu errichtet. Teusch stand ein für Gewissensfreiheit und Elternrecht. Sie engagierte sich für den „Zweiten Bildungsweg“, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). 1954 verlor sie das Ministeramt, sie blieb bis 1966 Abgeordnete.
Wirken in Köln
Teusch trat 1945 in Köln der CDU bei, widmete sich der Reorganisation des städtischen Schulwesens und wurde von der britischen Militärregierung am 1. Oktober 1945 in den Stadtrat berufen.
Bemerkenswert
Ihre Zwillingsschwester Käthe war ebenfalls Lehrerin. Die beiden unverheirateten Frauen lebten zusammen in einem Haushalt.
Spuren in der Stadt
Die Universität zu Köln ernannte sie zur Ehrenbürgerin. 1973 benannte die Stadt den Ottoplatz in Neuehrenfeld, wo sie wohnte, nach ihr. Am Ratsturm ist sie als Figur verewigt.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.

