Der Verleger brachte unter anderem Heinrich Bölls ersten Roman sowie Werke von Joseph Roth, Vicki Baum und Erich Maria Remarque heraus.
150 aus 150Joseph Caspar Witsch gründete den Verlag Kiepenheuer & Witsch

Joseph Caspar Witsch hat den Verlagsstandort Köln geprägt.
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Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 123. Teil der Serie geht es um den Verleger Joseph Caspar Witsch.
Bedeutung
Joseph Caspar Witsch hat als Verleger den Verlagsstandort Köln geprägt. Nach der Ausbildung bei der Stadtverwaltung und anschließend als Bibliothekar, arbeitete er seit 1930 bei der Stadtbücherei und studierte nach einer Hochbegabtenprüfung ohne Abitur berufsbegleitend an der Universität Philosophie, Soziologie, Geschichte und Literaturgeschichte. 1932 ernannte die Stadt ihn zum Leiter der Technischen Bibliothek. An der Uni war er Vorsitzender einer sozialistischen Studentengruppe. Im April 1933 wurde er vom NS-Regime bei der Stadt entlassen. Wenige Monate später trat Witsch der SA bei.
Joseph Caspar Witsch
Geboren: 17. Juli 1906 in Kalk
Gestorben: 28. April 1967 in Köln
Nach der Promotion 1935 arbeitete er in Stralsund und seit 1936 als Direktor der Ernst-Abbe-Bücherei in Jena. 1937 beantragte er die NSDAP-Mitgliedschaft, seit 1942 war er Soldat. Nach dem Krieg wurde er in Thüringen Leiter der Landesstelle für Buch- und Bibliothekswesen. Nach Konflikten mit der sowjetischen Besatzungsmacht flüchtete er 1948. Mit Gottfried Kiepenheuer hatte er zuvor die Gründung eines Verlags besprochen, den Witsch in Hagen gründete. Kiepenheuer starb kurze Zeit danach.
Wirken in Köln
1950 siedelte sich der Verlag Kiepenheuer & Witsch in Köln an. Witsch erwarb eine Lizenz des Londoner Phaidon-Verlags, der Geschichtsbücher verlegte. Großen Erfolg hatte er mit Literatur. 1949 hatte Witsch Joseph Roth wiederentdeckt, es folgten Autoren wie Vicki Baum und Erich Maria Remarque. Als Beginn einer lebenslangen Zusammenarbeit erschien 1953 Heinrich Bölls erster Roman „Und sagte kein einziges Wort“ bei Kiepenheuer & Witsch. Später verlegte der Verlag Autoren der „Kölner Schule des neuen Realismus“.
Bemerkenswert
1953 gründete Witsch den Verlag Wissenschaft und Politik zur Herausgabe von Werken gegen den Kommunismus. Witsch war ein begnadeter Netzwerker. Er arbeitete mit dem Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen und dem US-Geheimdienst CIA zusammen, die auch die Bücher finanzierten. 1961 initiierte er die Gründung des Deutschen Taschenbuchverlags (dtv).
Spuren in der Stadt
Seit 2008 ist der Verlag im Deichmannhaus am Hauptbahnhof ansässig. Vorher war er seit 1953 in einer Marienburger Villa in der Rondorfer Straße untergebracht.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
