Der Jurist hatte eine Anwaltskanzlei in Köln, von der aus er sich für einen jüdischen Nationalstaat einsetzte.
150 aus 150Max Bodenheimer war Vorreiter der zionistischen Bewegung

Max Bodenheimer um 1910. (Archivfoto)
Copyright: The Schwadron Collection of the National Library of Israel/Wikipedia lizenzfrei
Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 100. Teil der Serie geht es um den jüdischen Juristen und Zionisten Max Bodenheimer.
Bedeutung
Max Bodenheimer war ein herausragender Vertreter des Zionismus. Ende der 1880er Jahre plante er die Gründung eines jüdischen Staates im biblischen Israel. „Eretz Israel“ sollte eine Heimstatt für die verfolgten europäischen Juden werden. Seit 1890 lebte er in Köln, wo er David Wolffsohn kennenlernte. Mit ihm gründete er 1894 den „Verein behufs Förderung der jüdischen Ackerbaukolonien in Syrien und Palästina" sowie die „National-Jüdische Vereinigung Köln“.
1896 veröffentlichte Theodor Herzl sein Buch „Der Judenstaat“. Die beiden Kölner boten ihm ihre Mitarbeit an. Bodenheimer verfasste die „Kölner Thesen“, die 1897 Grundlage für das Programm des ersten Zionistenkongresses in Basel wurden. 1897 bis 1910 war er Vorsitzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Mit Herzl bereiste er 1898 den Nahen Osten, wo sie in Jerusalem Kaiser Wilhelm II. trafen.
Max Bodenheimer
Geboren: 12. März 1865 in Stuttgart
Gestorben: 19. Juli 1940 in Jerusalem
Bodenheimer baute von Köln aus den Jüdischen Nationalfonds (Keren Kayemeth LeIsrael) auf, den er von 1905 bis 1914 leitete und dem eine entscheidende Rolle bei der Besiedlung in Israel zukam. In dieser Zeit war Köln Zentrum des Zionismus. Der Erste Weltkrieg verlagerte es nach Großbritannien. Im Frühjahr 1933 emigrierte die Familie Bodenheimer in die Niederlande und von dort nach Jerusalem.
Wirken in Köln
Seit 1893 praktizierte Bodenheimer als Rechtsanwalt. Er war aktiv in der Synagogen-Gemeinde und organisierte 1928 die „Jüdische Sonderschau“ bei der internationalen Presseausstellung PRESSA. Seine Frau Rosa war führend in der Kölner Frauenbewegung.
Bemerkenswert
Bodenheimer entwarf für die Zionistische Bewegung ein Wappen mit dem Davidstern. Dieser wurde auf eine Flagge übertragen, die oben und unten jeweils einen blauen Streifen hatte, wie die auf dem Tallit, dem Gebetsmantel. Diese Idee kam von Wolffsohn. Das Gemeinschaftswerk wurde 1948 Nationalflagge Israels. Bodenheimer schrieb das Theaterstück „In Sachen Jesu“, um antijüdischen Vorurteilen entgegenzutreten.
Spuren in der Stadt
An Bodenheimer erinnert eine Gedenkplatte an der Richmodstraße, wo er sein Büro hatte. Er ist auf dem Ratsturm als Figur dargestellt, und eine Straße in Bickendorf trägt seinen Namen.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
