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150 aus 150Meral Sahin ist die politische Stimme der Keupstraße

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Geschäftsfrau Meral Sahin, Vorsitzende der IG-Keupstraße, bei der Pressekonferenz zum Programm zum Gedenken und dem Kulturfest Birlikte zum 20. Jahrestag des Nagelbombenanschlags auf der Keupstraße im Schauspiel im Depot. Köln, 22.05.2024 NRW Deutschland *** Businesswoman Meral Sahin, Chairwoman of IG Keupstraße, at the press conference on the program for the commemoration and cultural festival Birlikte on the 20th anniversary of the nail bomb attack on Keupstraße at the Schauspiel im Depot Cologne, 22 05 2024 NRW Germany Copyright: xChristophxHardtx

Meral Sahin, Unternehmerin aus Köln und ehemalige Vorsitzende der IG Keupstraße. (Archivfoto)

Meral Sahin wurde in der Keupstraße geboren. Nach dem Nagelbombenanschlag setzte sie sich für Aufklärung und Versöhnung ein.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 99. Teil der Serie geht es um die Unternehmerin und ehemalige Vorsitzende der IG Keupstraße Meral Şahin.

Bedeutung

Die Unternehmerin Meral Şahin ist als Sprecherin der IG Keupstraße in Mülheim bekannt geworden. Sie arbeitete mehrere Jahre als Medizinisch-technische Assistentin am Klinikum Leverkusen. 2000 eröffnete sie an der Keupstraße ein Dekorationsgeschäft für Festartikel, speziell für Hochzeiten. Viele der 120 Geschäfte im Viertel werden von türkisch- und kurdischstämmigen Einwohnern geführt. Eine Zeitenwende erlebte die Straße am 9. Juni 2004. Vor dem Friseurgeschäft Özcan detonierte eine Nagelbombe. Sie verletzte 22 Menschen, vier davon lebensgefährlich, und richtete großen Sachschaden an.

Die Ermittler konzentrierten sich auf organisierte Kriminalität und vermuteten Verstrickungen der Opfer. Die IG Keupstraße wehrte sich gegen die Verdächtigungen. Obwohl Anwohner einen rechtsextremistischen Hintergrund ansprachen und zwei Jahre später konkrete Hinweise vorlagen, verfolgte die Polizei diese Spur nicht. Erst durch die Selbstenttarnung der rechtsextremistischen Terrorgruppe NSU wurde der wahre Hintergrund der Tat bekannt.


Meral Şahin

Geboren: 14. Mai 1971 in Köln


Şahin wurde 2006 zur stellvertretenden und 2013 zur ersten Vorsitzenden der IG Keupstraße gewählt. Sie war die treibende Kraft für Aufklärung, Versöhnung und Miteinander. Offen benannte sie Ausgrenzung und Versäumnisse, so auch 2014 beim Festival Birlikte („Zusammenleben“), das zum zehnten Jahrestag des Anschlags über 70.000 Menschen anzog und danach mehrfach wiederholt wurde. 2016 sagte Şahin, dass Birlikte ein Fest der Kultur sei und zum Denken anregen solle. 2025 kandidierte sie nicht mehr, engagiert sich aber weiterhin, so auch für das Mahnmal, das an den Anschlag erinnern soll. 2021 beschloss der Stadtrat die Umsetzung, die bis heute nicht erfolgt ist.

Wirken in Köln

Ihr Geschäft „Meral Deko“ betreibt Şahin inzwischen in einem eigenen Gebäude an der Ecke Bergisch Gladbacher Straße / Keupstraße.

Bemerkenswert

2016 kam es bei Birlikte zum Eklat, weil linke Demonstranten ein Streitgespräch mit einem AfD-Politiker verhinderten. Şahin wollte diesen inhaltlich stellen. Als sie dies erklärte, wurde sie von den Demonstranten ausgebuht und ausgepfiffen.

Spuren in der Stadt

Als Kind wohnte Şahin in der Keupstraße. Ihr Abitur machte sie am Rodenkirchener Gymnasium.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.