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150 aus 150Albert Richter war erfolgreicher Radsportler und Nazigegner

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Der Radsportler Albert Richter um das Jahr 1930.

Der Radsportler Albert Richter um das Jahr 1930. (Archivfoto)

Der Radsportler gewann viele nationale und internationale Rennen und Medaillen. In Köln soll das neue Velodrom seinen Namen tragen.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 98. Teil der Serie geht es um den Radsportler Albert Richter.

Bedeutung

Albert Richter war ein erfolgreicher Radsportler und zudem NS-Gegner. Dreimal gewann er den Grand Prix de Paris, zum ersten Mal 1932. Im September desselben Jahres wurde er in Rom Amateurweltmeister im Sprint-Rennen auf der Bahn. Danach wechselte er in den Profisport und gewann sieben Mal die deutsche Meisterschaft. Dazu kamen internationale Erfolge. Bei der Weltmeisterschaft 1934 in Leipzig verweigerte Richter nach Gewinn der Silbermedaille als einziger deutscher Sportler den Hitler-Gruß. Er lehnte auch Trikots mit dem Hakenkreuz ab. Bei der Weltmeisterschaft 1935 wurde er wieder Zweiter, bei fünf anderen Weltmeisterschaften holte er Bronze.

Richter hielt zu seinem jüdischen Manager Ernst Berliner. Dieser emigrierte 1937 in die Niederlande, wo Richter mit ihm öffentlich auftrat. Sein letztes Rennen bestritt er siegreich am 9. Dezember 1939 beim Großen Preis von Berlin. Die Gestapo verhaftete ihn, als er Ende Dezember 1939 beim Grenzübertritt in die Schweiz Geld für einen verfolgten jüdischen Freund schmuggelte. Wenige Tage später fand ihn sein Bruder tot in der Gefängniszelle, vermutlich erschossen von Gestapobeamten.


Albert Richter

Geboren: 14. Oktober 1912 in Köln

Gestorben: 2. oder 3. Januar 1940 in Lörrach


Wirken in Köln

Richter war Mitglied im Radsportverein „Arminius“. Nach dem WM-Sieg in Rom fand eine Feier mit mehreren Tausend Menschen auf dem Neumarkt und anschließendem Umzug bis nach Ehrenfeld statt.

Bemerkenswert

Nach dem Krieg war Richter lange vergessen. Die DDR erinnerte an den Nazi-Gegner 1963 mit einer Sonderbriefmarke sowie der Benennung zweier Radrennbahnen und eines Kinderheims. Der Bund Deutscher Radfahrer benannte 1996 einen Nachwuchswettbewerb nach ihm. 2008 erfolgte die Aufnahme in die „Hall of Fame“ des deutschen Sports.

Spuren in der Stadt

Auf Anregung einer Bürgerinitiative benannte die Stadt 1996 die Bahn im Radrennstadion nach ihm. Dort gab es auch eine Gedenktafel. Das Stadion wurde 2022 abgerissen. An seiner Stelle entsteht derzeit das „Albert-Richter-Velodrom“. Die Eröffnung ist für 2027 geplant. Der Platz davor wird an Ernst Berliner erinnern. An der Sömmeringstraße 72 in Ehrenfeld liegt ein Stolperstein. Richters Grabstätte ist auf dem alten Ehrenfelder Friedhof, der heute zu Melaten gehört.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.