Der Experimentalmusiker führte unter anderem das Sampling in die Rockmusik ein, indem er Ton- und Geräuschaufnahmen in die Musik mischte.
150 aus 150Holger Czukay erfand mit der Band Can einen neuen Musikstil

Holger Czukay im Jahr 1991. (Archivfoto)
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Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 93. Teil der Serie geht es um den Musiker Holger Czukay.
Bedeutung
Holger Czukay war ein Experimentalmusiker, der Trends in der Popmusik setzte. Czukay, eigentlich Schüring, wuchs in Duisburg auf, wo er als Jugendlicher in einer Werkstatt Radios und Fernseher reparierte. 1960 lernte er in Berlin Kontrabass. Czukay wollte neue Musik komponieren und studierte daher 1963 bis 1966 in Köln bei Karlheinz Stockhausen. 1968 gründete er hier mit Michael Karoli, Irmin Schmidt und Jaki Liebezeit die Gruppe Can. Sie erfand einen völlig neuen Stil, später bekannt als Experimentalrock.
Can, besonders in England populär, gilt als einer der wichtigsten Vertreter des „Krautrocks“, einer Sammelbezeichnung verschiedener Stilarten von Rockmusikgruppen der späten 1960er und 1970er Jahre, ließ sich aber nie ein Etikett verpassen. Dazu trug wesentlich Czukay bei, der das „Sampling“ in die Rockmusik einführte. Er mischte Töne, Geräusche und Aufnahmen von Kurzwellensendern in die Musik. Gemeinsam mit dem Schlagzeuger Liebezeit war er der Rhythmusgeber der Gruppe, kam aber als „Meister des Minimalismus“ auch mit einem Ton in einem Stück aus.
Holger Czukay
Geboren: 24. März 1938 in Danzig
Gestorben: 5. September 2017 in Weilerswist
Mit „Spoon“, bekannt geworden als Filmmusik zu dem dreiteiligen TV-Krimi „Das Messer“ von Francis Durbridge, landete die Gruppe einen Dauer-Hit. Sie finanzierte sich durch gemeinsam geschriebene Filmmusik, wobei nur Schmidt die jeweiligen Filme vorab gesehen hatte. 1977 verließ Czukay, der bereits 1968 die erste Solo-LP aufgenommen hatte, die Band, die sich wenig später auflöste. Nach einem Jahr in einem thailändischen Kloster begann er als Assistent bei Conny Plank, der ein legendäres Studio für berühmte Popmusiker und Kölsch-Rockbands betrieb. Czukay spielt auf der ersten Eurythmics-Platte den Bass. Später wandte er sich Gitarre, Klavier, Schlagzeug und Waldhorn zu.
Wirken in Köln
Am 3. Februar 1972 gab die Band ein legendäres Gratiskonzert in der mit 10.000 Menschen überfüllten Sporthalle.
Bemerkenswert
Czukay lebte und arbeitete in einem ehemaligen Kino. Er hinterließ 600 Videobänder mit eigenen Aufnahmen. 1988 spielte er einen Musiker in dem Film „Krieg der Töne“ des Bonner Regisseurs Michael Meert.
Spuren in der Stadt
Seine Grabstätte ist auf dem Friedhof Melaten.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.

