In seinen Werken verarbeitete der Schriftsteller eigene Kriegserfahrungen und setzte sich kritisch mit Entwicklungen in der Bundesrepublik auseinander.
150 aus 150Heinrich Böll erhielt den Nobelpreis für Literatur

Heinrich Böll in seiner Kölner Wohnung im Dezember 1977.
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Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 92. Teil der Serie geht es um den Schriftsteller Heinrich Böll.
Bedeutung
Vor dem Krieg begann Heinrich Böll eine Buchhändlerlehre, war beim Reichsarbeitsdienst und studierte Germanistik. Von 1939 bis 1945 war er Soldat. Nach Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft studierte er wieder, lebte aber seit 1948 als freier Schriftsteller. 1970 bis 1972 war er PEN-Präsident in Deutschland, 1971 bis 1974 auch international. Die höchste Auszeichnung erhielt er 1972 mit dem Nobelpreis für Literatur.
Heinrich Böll
Geboren: 21. Dezember 1917 in Köln
Gestorben: 16. Juli 1985 in Kreuzau-Langenbroich
Die Ablehnung des Nationalsozialismus und des Krieges bestimmten seine Frühwerke, wobei er eigene Erfahrungen verarbeitete. In seinen Romanen, viele davon Bestseller, setzte er sich kritisch mit der Entwicklung in der Bundesrepublik auseinander. Als Intellektueller war er in den Medien präsent. In den 1960er Jahren agierte Böll zunehmend politisch, so verteidigte er die Studentenproteste. Ein „Spiegel“-Essay zu Ulrike Meinhof brachte ihm den unberechtigten Vorwurf ein, Sympathisant der RAF zu sein. Ermittlungen gegen ihn verarbeitete Böll in dem Erfolgsroman „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, der auch verfilmt wurde.
Böll engagierte sich 1972 im Wahlkampf für Willy Brandt (SPD). Als Gegner des Nato-Doppelbeschlusses und der Stationierung von US-Atomwaffen sprach er 1981 bei der Bonner Hofgarten-Demo und nahm 1983 an der Prominenten-Blockade des US-Militärlagers Mutlangen teil, was weltweit Aufsehen erregte. Böll unterstützte regimekritische Schriftsteller in der Sowjetunion, wie Alexander Solschenizyn und Lew Kopelew.
Wirken in Köln
Böll war Schüler am Kaiser-Wilhelm-Gymnasium. 1959 war er Mitgründer der Bibliothek „Germania Judaica“.
Bemerkenswert
Seit 1954 machte die Familie Urlaub in Irland. Das 1957 veröffentlichte „Irische Tagebuch“ wurde zu einem Klassiker der Reiseliteratur.
Spuren in der Stadt
Böll war 1959 Träger des Literatur-Preises der Stadt Köln, der später nach ihm benannt wurde. 1983 erhielt Böll die Ehrenbürgerschaft. Sein Andenken wird gewahrt mit einer Figur am Ratsturm. Der Platz über der Philharmonie und die Gesamtschule in Chorweiler tragen seinen Namen. Die Stadt unterhält das Heinrich-Böll-Archiv. Am Geburts- und am letzten Wohnhaus im Agnesviertel sind Gedenktafeln angebracht.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.