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Hitzschlag, Kreislaufprobleme, HitzetodWarum Obdachlose bei Hitze besonders gefährdet sind

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Ein Obdachloser sitzt in der Innenstadt und hält eine Wasserflasche in der Hand.

Wasser und Schatten suchen, ausharren: der Alltag obdachloser Menschen in Köln im Sommer (Symbolbild).

Geschätzt leben 350 Menschen in Köln auf der Straße. Bei Temperaturen über 30 Grad wird das zur medizinischen Gefahr. In Zukunft wird sich die Lage noch verschärfen.

Wenn die Stadtwächter ihre Runde in Köln drehen, kennen sie die Leute. Die Stadtwächter sind eine ehrenamtliche Organisation, die Obdachlosenhilfe anbietet. Einmal am Tag machen sie unter anderem einen Versorgungsgang. Ihre Ehrenamtlichen merkten schnell, wenn jemand fehlt, sagt die Vorständin des Vereins, Georgia Stoinski. Bei anhaltenden Temperaturen über 30 Grad ist das besonders wichtig. „Die wissen genau, wer besonders gefährdet ist bei der Hitze, und fragen dann auch nach, wenn die Person nicht zum Essensausschank kommt.“

Menschen, die auf der Straße leben, finden nicht immer einen Platz im Schatten, haben oft wenig Wechselkleidung und kaum Möglichkeiten, sich hygienisch zu versorgen. Sie können sich nicht einfach in eine dunkle, kühle Wohnung flüchten. Wer den ganzen Tag in der prallen Sonne ausharren muss, womöglich ohne Kopfschutz, riskiert einen Hitzschlag oder andere Kreislaufprobleme.

Gefährliche Kombination

Diese Folgen sind für alle Menschen gefährlich. Doch für bereits geschwächte Personen wie Obdach- und Wohnungslose ist die Hitze besonders gefährlich. Mark Oette ist Arzt und arbeitet ehrenamtlich beim Verein Caya (Come as You Are). Caya hat sich zum Ziel gesetzt, die medizinische Versorgung von Menschen zu verbessern, die keinen guten Zugang zur Regelversorgung haben, darunter wohnungs- und obdachlose Menschen.

Verglichen mit gleichaltrigen Personen der Normalbevölkerung seien Menschen, die auf der Straße leben, viel häufiger krank und litten häufiger an Herz-Kreislauf- sowie psychischen Erkrankungen, sagt Oette: „Dadurch, dass noch eine ganze Reihe an Suchterkrankungen dazu kommt wie zum Beispiel Alkohol oder Crack, können die Personen sich auch oft weniger selbst helfen.“ Die Menschen auf der Straße seien ohnehin schon medizinisch unterversorgt und hätten keinen Zugang zum regulären Gesundheitswesen. Die Kombination aus Hitze, geschwächtem Körper und Alkohol mache die Situation besonders gefährlich. Die größte Gefahr sei der Hitzetod.

Ein Mann in blauer Kleidung lächelt in die Kamera.

Seit mehr als 30 Jahren versorgt Mark Oette als Mediziner Wohnungs- und Obdachlose in Köln.

In den Kontakt- und Beratungsstellen für wohnungslose Menschen weisen Mitarbeitende auf Hitzeschutzmaßnahmen hin, teilt die Stadt Köln mit. Wasser und Sonnenschutzmittel stehen dort zur Verfügung. Außerdem werden faltbare Stadtteilkarten für das Agnes- und das Severinsviertel ausgegeben, auf denen Schattenplätze, Trinkwasserbrunnen, Wassernachfüllstationen und öffentliche Toiletten eingezeichnet sind.

Oette sieht damit aber nicht allen Bedarf gedeckt: Es gebe zwar eine Reihe von Initiativen in Köln, die etwa Wasser in der Stadt verteilen, aber das sei trotzdem nur punktuelle Hilfe: „Dadurch, dass wir hier sehr viele Menschen in Köln haben, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind, ist der Bedarf nicht gedeckt.“

Laut der Wohnungsnotfallberichterstattung des Landes NRW vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales haben 2024 rund 10.000 Menschen in Köln ohne Wohnung gelebt. Dazu zählen neben untergebrachten wohnungslosen Personen auch Menschen, die informell untergekommen sind – etwa bei Familie oder Bekannten –, sowie Personen ohne jede Unterkunft, in ungesicherten Ersatzunterkünften oder zum Zeitpunkt der Zählung außerhalb der Wohnungslosenhilfe institutionell untergebracht, etwa im Gesundheitssystem, in einem Frauenhaus oder in Haft.

Gut ein Prozent der Kölner Bevölkerung lebt damit ohne feste Wohnung. Wohnungslosigkeit ist der übergreifende Begriff; Obdachlosigkeit bezeichnet einen Teil davon. Als obdachlos gelten Menschen, die im öffentlichen Raum übernachten. Die Stadt Köln geht von rund 350 Menschen in Obdachlosigkeit aus. Diese Zahl ist jedoch eine Schätzung und unterliegt jahreszeitlichen Schwankungen. Mark Oette geht von etwa 500 Menschen auf der Straße aus. Eine genaue Zählung gibt es nicht.

Was jeder tun kann

Wenn es heiß wird, kommen auch weniger Menschen zu den Stadtwächtern. Der Verein betreibt ein Café, das nachmittags bis abends geöffnet ist. Es gibt eine Kleiderkammer, Getränke und Essen sowie im Sommer einen schattigen Aufenthaltsort. Weil Bewegung bei Hitze Kraft kostet, ist die aufsuchende Arbeit besonders wichtig. Die Ehrenamtlichen wissen, wer zum Beispiel eine Herz-Kreislauf-Erkrankung hat, und können besonders nach diesen Personen schauen.

Aber auch jeder andere kann tätig werden: „Wenn uns Einzelpersonen oder gleich Firmen fragen, wie sie helfen können bei dem heißen Wetter, dann sage ich: ‚Kauft Wasser‘, und dann ziehen die mit unserem Bollerwagen durch die Gegend“, sagt Georgia Stoinski. Menschen direkt auf der Straße anzusprechen und zu fragen, was sie brauchen, sei eine Möglichkeit, zu helfen.

Zwei Frauen stehen vor einem Gitterzaun und schauen in die Kamera.

Georgia Stoinski (l.) und Anja Bracht von den Stadtwächtern vor den Räumlichkeiten des Vereins am Holzmarkt 73. Zum Ende Juni sind sie umgezogen.

Die Menschen wüssten oft am besten, was sie in ihrer Situation benötigen, sagt Arzt Mark Oette. Das gelte selbst dann, wenn jemand mit geschlossenen Augen in der Sonne liege: „Auf die Menschen zugehen und erst einmal fragen, ob und wie man helfen kann. Nicht immer ist es ein medizinischer Notfall.“ Ist eine Person nicht mehr ansprechbar, sollte umgehend der Rettungsdienst unter 112 gerufen werden.

Der andere Weg sind Spenden: Geldspenden etwa an ehrenamtliche Initiativen wie die Stadtwächter. Wer Sachspenden abgeben möchte, sollte derzeit vor allem Sonnencreme mitbringen: „Sonnencreme ist teuer und zu große Flaschen sind schwer mitzunehmen“, sagt Stoinski. Wer auf der Straße lebt und stets alle Habseligkeiten bei sich trägt, überlege sich genau, wie groß seine Shampooflasche ist, von Sonnencreme ganz zu schweigen. Deshalb verteilen die Stadtwächter solche Artikel in Reisegröße.

Geeignet für Sachspenden sind außerdem derzeit leichte Kleidung, die Arme und Beine bedeckt, sowie Kopfbedeckungen wie Caps und Hüte. Auch Deo, Erfrischungstücher, Duschgel und Shampoo werden benötigt, am besten in kleinen, handlichen Größen. Denn wer schwitzt, muss sich auch häufiger frisch machen.

Mehr Betroffene, mehr Hitze

Die Zahl der Menschen auf der Straße nehme zu – nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen westlichen Ländern, sagt Mark Oette. Das zeige sich auch daran, dass Obdachlosigkeit kein reines Problem großer Städte mehr sei. Auch in mittelgroßen Städten und Gemeinden sei es inzwischen ein Thema. Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, die Obdach- und Wohnungslosigkeit in Deutschland bis 2030 zu überwinden. Oette hält das für ein Ziel, das in weiter Ferne liege: „Wir müssen annehmen, dass Obdach- und Wohnungslosigkeit uns begleiten wird.“

Durch den menschengemachten Klimawandel kämen zudem immer häufiger Extremwetterlagen hinzu. Hitzeperioden werden in den kommenden Jahren länger und intensiver. „Darauf müssen wir uns auch hier strukturell vorbereiten“, sagt Oette, zum Beispiel mit mehr Wasserspendern als bisher und einer schattenspendenden Gestaltung der Innenstädte. Schatten und Wasser: Das seien die entscheidenden Themen für Menschen auf der Straße.