Im Interview spricht der 1Live-Moderator Fritz Schaefer darüber, wie er in das Autorenteam gekommen ist und was er in Köln gerne macht.
Erfolgreiche HörspielreiheNeuer „Die drei ???“-Autor kommt aus Köln – „Ende nicht absehbar“

Neu im Autorenteam der Drei „???“: 1live-Moderator Fritz Schaefer. Wir treffen den 29-Jährigen in Köln.
Copyright: Alexander Schwaiger
Herr Schaefer, Sie sind neu im Team der Drei-Fragezeichen-Autoren. Die erste Folge aus Ihrer Feder, das Buch „Spuk in Hollywood“, ist am 20. Juli erschienen. Wie fühlt sich das an?
Ich kann es immer noch nicht richtig begreifen. Wenn es gedruckt und da ist, so war meine Hoffnung, würde ich es verstehen. Als Kind habe ich schon davon geträumt, mir diese Geschichten, die ich als Bücher gelesen und als Hörspiele gehört habe, auch selbst einmal auszudenken. Das war auch eine kindliche Spielerei von mir, mich in dieses Universum hineinzudenken und Fälle zu erfinden. Dass das jetzt ein erwachsener Beruf mit viel Arbeit und Geldverdienen sein soll, ist super schräg.
Die Kultreihe entstand Ende der 60er-Jahre in den USA. Dort wurde sie 1990 eingestellt, in Deutschland allerdings fortgesetzt. Fiel es Ihnen leicht oder schwer, sich in die vorgegebene Struktur einzufügen?
Das war für mich sehr leicht, weil ich das ja eben so knapp nach der Muttermilch alles aufgesogen habe. Die Geschichte kam dann sehr reflexartig aus mir heraus. Die Herausforderung bei den „Drei ???“ ist natürlich, nach über 200 Folgen noch neue Ideen zu haben. Und die hatte ich, deswegen hat der Verlag auch gesagt, mit dem wollen wir es versuchen: Es gibt ein eingeschworenes Autorenteam, und jeder schreibt ein Buch pro Jahr. Insgesamt erscheinen sechs Fälle jährlich.
Erster Fall der drei Fragezeichen von Fritz Schaefer erschienen
In Ihrem Fall „Spuk in Hollywood“ geht es um Geisterjagd auf Social Media und um das Haus einer Schauspielerin, in dem es angeblich spuken soll. Erstmals wird Social Media thematisiert. Wieviel Fortschritt vertragen denn die Fragezeichen?
Die Serie wird mit Absicht eher anachronistisch gehalten. Da sind die Themen Smartphones und Social Media eine Neuerung. Das wollte der Verlag auch. Die Frage ist, ob die Fans das wollen. Vor allem die Altfans lieben es, dass die drei im Rolls-Royce vorfahren, der ein Autotelefon hat. Technologische Fortschritte brauchen ganz lange, bis sie eingeführt werden. Es gab mal die Folge „Angriff der Computerviren“. Die Viren wurden über Disketten verbreitet. Und irgendwann gab es mal eine Handy-Folge. Und jetzt gibt es eben eine Smartphone-Folge nach fast 20 Jahren, in denen Smartphones schon ein Thema gewesen sind.

Fritz Schaefer lebt seit etwa zehn Jahren in Köln.
Copyright: Alexander Schwaiger
Wie wird man eigentlich Autor der drei Fragezeichen?
Vor über vier Jahren habe ich das Buch „Strahlemann“ für den Ullstein-Verlag geschrieben. Meine Literaturagentur hat mich gefragt, ob ich nochmal etwas schreiben will. Mir fiel nichts ein, bis ich 2024 wieder ein Fragezeichenbuch in der Hand hatte und dachte, dass ich das gern machen würde. Die Agentin lachte und sagte: ‚Das ist ein bisschen größenwahnsinnig‘. Aber sie hatte noch einen Kontakt zum Kosmos-Verlag und meldete sich eine halbe Stunde später mit der Nachricht: Die suchen wirklich, schick Schreibproben. Dann lieferte ich viele Monate lang Proben an den Verlag. Die zähe Vorarbeit ging dann fast unbemerkt in das erste Buch über.
Was glauben Sie, wie lange sich die Serie noch gut halten wird?
Der Moment, wo sie hätte sterben können, ist, glaube ich, vorbei. Das Ende ist nicht absehbar. Sie ist wie ein Perpetuum mobile. Menschen von jung bis über 50 hören die Geschichten zum Einschlafen. Bei Live-Events kommen Opa, Tochter und Enkel zusammen. Dass es sie noch gibt, obwohl sie in den USA schon vor langer Zeit eingestellt wurde, zeigt, dass das ein sehr deutsches Phänomen ist. Nur hier ist sie so erfolgreich. Deshalb schreiben jetzt nur deutsche Autoren. Es ist auch ein deutsches Kalifornien: Die Straßennamen sind zwar recherchiert, aber wir übersetzen nicht die amerikanische Kultur. Vieles stimmt auch nicht: Es gibt deutsche Polizeisirenen im Hörspiel, in einer Folge landen die Detektive auf der Schwäbischen Alb. Das ergibt keinen Sinn, aber es ist Teil dieses unerklärlichen Erfolgs, der auch mich beeinflusst hat.
Welche Folgen mögen Sie, welche eher nicht?
Ich kenne diese Reihe von Anfang bis Ende: Von den ältesten Folgen bin ich nicht so ein Freund. Ich mag zwar einzelne ältere Folgen, aber da ist alles noch ein bisschen spröde und trocken. Warum muss es denn immer die Bibliothek sein, in die Bob zum Recherchieren geht? Wenn man als Digital Native aufwächst und die ersten 80 Folgen hört, fragt man sich als Kind: Warum googelt Bob das nicht einfach? Aber die Serienfibel besagt, dass Bob immer noch in die Bibliothek gehen soll. Das gehört einfach zu seinem Charakter.
Es gibt also eine Art Handbuch, in dem Dinge vorgegeben sind.
Ja, das ist wichtig, wenn man den Flohzirkus aus mehreren Autoren und einer Riesenserie zusammenhalten muss. Wenn der Cousin aus Folge 20 nochmal in Folge 210 auftaucht, muss man sich erinnern. Ist der umgezogen, oder wie erklären wir, dass er so lange nicht vorgekommen ist? Es soll schon logisch sein. Ist es oft aber auch gar nicht. Und in dem Handbuch steht eben, dass Bob immer noch in die Bibliothek geht, wenn es alte, ungescannte Dokumente gibt oder Lagepläne. Da wird Wert draufgelegt, aber für den schnellen Dienstweg kann er eben auch mal googeln.
Wer ist denn von den dreien – Bob, Justus Jonas, Peter – Ihr Lieblinksdetektiv?
Bob, der eigentlich kein klassischer Detektiv ist, mochte ich immer am liebsten, weil er immer recherchiert, die Infos hat und die beiden anderen, die in Action sind, zu ihm zurückkommen müssen. Er ist der Ruhepol. Gleichzeitig hat er tolle, sarkastische Kommentare, was vor allen Dingen dem Hörspielsprecher geschuldet ist. Das ist auch etwas Besonderes an dieser Serie, dass die Schauspieler mittlerweile Einfluss genommen haben auf die Figurenzeichnung, weil die Autoren auch mit den Hörspielen aufgewachsen sind und genau wissen, wie der Schauspieler die Rolle interpretiert. Und diese sarkastischen Kommentare vom Rechercheur Bob Andrews fußen eben vor allem auf der sarkastischen Grundhaltung des Menschen Andreas Fröhlich, der Bob Andrews spricht.
Fritz Schaefer über Köln, den Eigelstein und das Café Wahlen
Sie kommen gebürtig aus Dorsten im Ruhrgebiet und sind zum Studium nach Köln gezogen.
Richtig. Schon als Kind habe ich Hörspiele und Kurzfilme produziert. Da ich Menschen beim WDR kannte, wusste ich, dass ich das auch im Nebenjob machen kann, in der Hoffnung, dass sich etwas daraus ergibt. Während des Studiums arbeitete ich also schon in den alten Strukturen der WDR-Hörfunkunterhaltung mit noch so ganz klassischen WDR-Chefs, die dann so ein halbes Jahr, nachdem ich kam, in Rente gegangen sind. 1Live hat dann mitbekommen, dass so ein junger Typ in diesen alten Strukturen herumrennt, und mich zum Casting eingeladen. Seitdem bin ich bei 1Live. Und vor einem Jahr wurde ich auch ins Fernsehen geholt, in die Lokalzeit.
Was sind die Unterschiede zwischen Radio und Fernsehen?
Die Lokalzeit hat eine riesige Einschaltquote, und das merke ich auch. Beim Radio bekomme ich mal eine Nachricht bei Instagram oder bei der 1Live-Hotline, und bei der Lokalzeit kriege ich dann wirklich Mails. Oder der Pförtner am Empfang erzählt mir, dass jemand extra angerufen hat, um mir ein Kompliment zur Sendung auszurichten. Erfahrungen, die ich überhaupt nicht kenne. Für das Fernsehen muss man sich auch schminken lassen. Regelmäßig ruft mich eine aufgeregte Maskenbildnerin an, weil ich es einfach wieder vergessen habe. Beim Radio kann man aussehen, wie man will.
Sie wohnen seit fast zehn Jahren in Köln. Wenn Sie nicht gerade den halben Monat in die italienische Schweiz fahren. Wo halten Sie sich gern auf?
Ich flaniere gerne, sitze in Cafés und mache so Rentner-Dinge. Im Funkhaus-Café schreibe ich. Ansonsten finde ich das Café Wahlen total super – es sieht noch aus wie aus der Weimarer Republik. Die Gerichte sind aus Wirtschaftswunderzeiten, Toast Hawaii, Braten mit Beilagen – das erinnert mich an meine Oma. Ich wohne am Rande des Agnesviertels und liebe das Eigelstein-Viertel. Hier engagiere ich mich im Bürgerverein. Außerdem sitze ich gerne auf dieser Piazza und gucke auf die Torburg und kenne da eigentlich auch alle. Dieser Ort wird noch komplett durchgentrifiziert werden, daran glaube ich fest. Und irgendwie sind alle miteinander befreundet. Also selbst die Polizei ist mit den Dealern befreundet. Das ist jedenfalls das, was ich so beobachte.

