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Am Rande des AgnesviertelsDas Twin Tin ist ein Gewinn für Kölner Cocktail-Fans

4 min

Roxy Helm mixte bereits in renommierten Berliner Bars und erfüllt sich in ihrer Heimat nun den Traum einer eigenen Bar.

Viel Bewegung gab es im vergangenen Jahr nicht in der Kölner Barszene. Schlimm ist das nicht, schließlich strotzt die Szene in Köln nur so vor qualitativ hochwertigen und vor allem hoch dekorierten Adressen, die sich über Jahre etabliert haben. Die letzte große Eröffnung war die des „Zest and Spice“ von „Toddy Tapper“-Inhaber Indika Silva auf der Lindenstraße, die gleich im ersten Jahr einen wichtigen Branchenpreis des Mixology-Magazins abräumte.

Roxy Helm und Niels Emmler sind die Gesichter hinter dem Twin Tin.

Roxy Helm und Niels Emmler sind die Gesichter hinter dem Twin Tin.

Mit dem Twin Tin auf der Riehler Straße gibt es nun eine ambitionierte neue Adresse für Cocktail-Fans. Das Gesicht dahinter ist Roxy Helm, die zuletzt in eben jenem „Zest and Spice“ hinter der Bar stand. Die gebürtige Kölnerin lernte in der Haifischbar, eine der ersten Kölner-Szenebars, und ging dann nach Berlin. Sie mixte Drinks im Sternerestaurant Golvet und in der renommierten Hotel-Bar des Provocateur.

Twin Tin: Zurück nach Köln für den Traum einer eigenen Bar

Und dann kam sie zurück nach Köln. Mit dem klaren Ziel einer eigenen Bar. Die wollte sie eigentlich gemeinsam mit ihrer Freundin Katrin Löcher – ebenfalls ein bekanntes Gesicht der Kölner Barszene – eröffnen. Doch der Plan ging nicht auf. „Wir haben uns von Anfang an versprochen, dass unsere Freundschaft an erster Stelle steht“, sagt Helm. Nach der mit viel Stress verbundenen und aufwendigen Renovierungsphase gab es einige Unstimmigkeiten, und die beiden entschieden sich dafür, sich zumindest beruflich wieder zu trennen, um die Freundschaft zu schützen. Stattdessen stieg ihr Partner Niels Emmler ein. 

Spannend ist auch der Ort, an dem das Twin Tin eröffnet hat. Nicht im Belgischen Viertel, nicht im Kwartier Latäng, sondern am Rande des Agnesviertels auf der Riehler Straße, mit viel Auto- und wenig Fußverkehr. Auf Kleinanzeigen war Helm auf die Location gestoßen, in der vorher ein Sushi-Konzept untergebracht war. Vor einigen Jahren war dort auch das sardische Restaurant „Zippirì“ untergebracht, das sich mittlerweile an der Aachener Straße befindet. Neben dem schicken Barbereich, optisch dominiert durch die aufgereihten Spirituosen, und dem in Grün getauchten Gastraum, hat das Lokal einen weiteren großen Pluspunkt: eine Terrasse. „Viele Bars ohne einen solchen Bereich haben es im Sommer immer etwas schwerer.“ Die Nachbarschaft sei „supercool und offen für Neues“, sagt Helm. Auch in den vielen Bürogebäuden in der Nachbarschaft verortet sie ihre Zielgruppe. Unter der Woche öffnet die Bar deshalb bereits um 16 Uhr.

Viel Grün prägt den Innenraum der Bar.

Viel Grün prägt den Innenraum der Bar.

Bei der Zusammenstellung der Cocktailkarte müssen sich Bartender viel mehr am Standort orientieren als an den eigenen Vorstellungen und Fähigkeiten. „In Berlin trinken die Leute eher trockener, in Köln eher ein bisschen saurer und ein bisschen süßer.“ Während in Berlin auch sehr nischige Konzepte funktionieren, komme man in Köln nicht drumherum, eine möglichst breite Zielgruppe anzusprechen. „Wir haben viel Publikum aus dem Veedel“, sagt Niels Emmler. „Viele Leute beschäftigen sich nicht den ganzen Tag mit Drinks und ausgefallenen Zutaten.“

Den Kölner Geschmack treffen dürfte etwa der „The Next Century“ (14,50 Euro) auf Basis eines Yuzu-Aperitifs und Gin, gemixt mit Limette und einem Sirup aus weißer Schokolade. Ein trockenerer und stärkerer Drink ist der „Barrel & Silk“ (16 Euro), eine Variante des Old Fashioned mit Armagnac (ein Weinbrand),  trockenem Sherry und feiner Schoko-Note. Für das etwas weichere Mundgefühl steht der Drink über Nacht mit Walnussbutter.

Alkoholfreie Drinks und Klassiker

Zwei alkoholfreie Drinks stehen auf der Karte, etwa der „Olivia J.“ (11,50 Euro), mit einem alkoholfreien Gin, Zitrone und Olivensirup und Olivenschaum. Neben dem fruchtigen Aspekt schwingt hier eine ordentliche Portion Umami mit. Selbstverständlich können Gäste sich aber auch ganz nach dem eigenen Geschmack beraten lassen oder einfach auf einen Cocktail-Klassiker zurückgreifen. Viele Zutaten stellt die Bar selbst her.

Die Terrasse des Twin Twin an der Riehler Straße.

Die Terrasse des Twin Twin an der Riehler Straße.

Auch Weintrinker kommen im Twin Tin auf ihre Kosten. Die Auswahl auf der Weinkarte ist allerdings besonders. Ein Schwerpunkt liegt auf rumänischen und ungarischen Weinen. „Ich wollte etwas anderes als Italien oder Spanien“, sagt Helm. Eine befreundete Sommelière brachte sie auf die Weine aus dem Osten Europas.

Essen gibt es auch. „Nüsse und Oliven hat jeder. Wir wollten noch einen Schritt weitergehen, ohne direkt eine volle Mahlzeit zu haben.“ Auf der Karte stehen etwa geröstetes Brot mit verschiedenen Dips (5,50 Euro), Burrata auf gegrillter Paprika und Zucchini (7,50 Euro) oder gefüllte Teigtaschen (7 Euro), zum Teilen oder Alleinessen. Sollte es die Nachfrage hergeben, könnte das Konzept auch noch erweitert werden.

Twin Tin, Riehler Straße 73, 50668 Köln, Mittwoch bis Samstag ab 16 Uhr, Sonntag ab 14 Uhr.