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Evangelische Gemeinde KölnLuther- und Thomaskirche haben als Gotteshäuser ausgedient

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18.09.2023, Köln: Ansichten der Lutherkirche in Köln. Foto: Thilo Schmülgen

Turm der Lutherkirche in der Kölner Südstadt.

Im Zuge der schlechten finanziellen Lage der Gemeinde werden zwei von fünf evangelischen Kirchen entwidmet und zum Teil abgerissen.

Die Lutherkirche in der Südstadt verliert schon bald ihren sakralen Status als Gotteshaus und droht zum Teil abgerissen zu werden. Fest steht, dass der denkmalgeschützte Turm, der weiterhin für Kulturangebote genutzt werden könnte, erhalten bleibt. Offen ist aber, was mit den Gebäuden um ihn herum passiert. Die Evangelische Gemeinde Köln suchte im Rahmen einer Ausschreibung nach einem möglichen Investor für die Immobilienentwicklung. Sie unterhielt bislang fünf Kirchen in Köln,  entwidmet nun aber im Herbst auch die Thomaskirche im nördlichen Agnesviertel – die danach abgerissen wird. Stattdessen sollen Wohnungen, Büros und Räume für soziale Einrichtungen entstehen.

Hans Mörtter, der bis zu seiner Entpflichtung 2022 35 Jahre lang Pfarrer der Lutherkirche war, sagt: „Wir verlieren die Demokratiefähigkeit, wenn solche Räume verloren gehen.“ Mörtter hatte das Gemeindeleben in der Südstadt neu gestaltet. Dazu gehörten experimentelle Gottesdienste, soziale Projekte und kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Lesungen und Kabarett. Er verstehe die „Not der Gemeinde“, sagt Mörtter und spricht vom „Preis der Kirchenaustritte“. Doch die Lutherkirche aufzugeben sei der falsche Weg, ein „massiver Einbruch“, ja eine „Katastrophe“ für die ganze Stadt, sozial und kulturell. „Ich sehe da eine große Hilflosigkeit“. Köln brauche derartige Begegnungsorte, die ohnehin gefährdet seien, weil die Kommune mangels Geld immer weniger Unterstützung leisten könne. Mörtter hofft, dass es mithilfe der Stadtgesellschaft, durch Spenden, Know-how und ehrenamtliches Engagement, möglich werde, die Entwidmung der Lutherkirche noch aufzuhalten. Aus dem kulturellen Förderverein „Südstadt Leben“ heraus hat sich bereits ein Initiativkreis zur Rettung der Lutherkirche gebildet.

Schlechte Finanzlage der Gemeinde wegen sinkender Mitgliederzahl

Die Lutherkirche soll am Samstag, 18. Juli, mit einem Abschiedsgottesdienst, der um 14 Uhr beginnt, entwidmet werden, teilte Markus Herzberg auf Anfrage mit. Der Pfarrer der Antoniterkirche ist Vorsitzender des Presbyteriums der Evangelischen Gemeinde Köln, zu der bisher fünf Kirchen gehören.

Die Entwidmung der Thomaskirche ist im Rahmen einer Gottesdienstfeier ist für den 30. September vorgesehen. Die Kirchenschließungen folgen dem „Zukunftskonzept 2030/2035“ der Evangelischen Gemeinde Köln, das 2024 nach langem Vorlauf vom Presbyterium beschlossen wurde. Anlass war die schlechte Finanzlage, in erster Linie bedingt durch die sinkende Mitgliederzahl.

Herzberg macht es mit einem Vergleich deutlich: Gehörten der Gemeinde im November 2019 noch 18.200 Christen an, waren es im Mai dieses Jahres 13.800. Hinzu kommt, dass die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland 2023 beschlossen hat, ab 2035 nur noch Gebäude zu betreiben, die klimaneutral sind. Das zwingt zu energetischen Sanierungen, die sich bei manchen in die Jahre gekommenen Gebäuden nicht rechnen.

Im Kern sieht das Zukunftskonzept vor, die Gottesdienste auf drei Pfarrzentren zu konzentrieren. Das sind die Antoniterkirche mitten in der City, die Kartäuserkirche im südlichen und die Christuskirche im nördlichen Bereich der Innenstadt.

Standorte sollen weiterhin soziale Projekte betreiben

Die Grundstücke der Luther- und der Thomaskirche sollen im Besitz der Gemeinde bleiben, das heißt, nicht verkauft, sondern in Erbpacht vergeben werden.

Geplant ist nach aktuellem Sachstand, an beiden Kirchorten ein „diakonisch beziehungsweise sozial orientiertes Profil“ zu entwickeln, zusätzlich zu Wohnungen und Büroeinheiten. Den Betrieb sozialer Einrichtungen hält die Mehrheit der Befragten der jüngsten Mitgliedschaftsstudie der Evangelischen Kirche in Deutschland für das wichtigste Tätigkeitsfeld der Kirche.

Wie weit die Lutherkirche abgerissen wird, ist noch unklar

Wie genau die Lutherkirche umgestaltet wird, ist noch unklar. Offen sei, ob alle Gebäude außer dem Turm verschwinden würden oder ein Teil stehen bleibe, so Herzberg. Die Auswertung und Gespräche mit interessierten Investoren seien im Gange. Die Gemeinde geht von einer Entscheidung bis zum Herbst aus.

Gleichzeitig wird im Bezirk Süd über den Umzug in verfügbare Räume der Gemeinde ab Anfang 2027 beraten. Veranstaltungen und Gruppen, die bisher an der Lutherkirche ihren Platz hatten, könnten zum Beispiel im Kapitelhaus der Kartäuserkirche beheimatet werden.

Auf dem Gelände der Thomaskirche sollen unter anderem Mietwohnungen entstehen

Die Planungen für den Standort der Thomaskirche sind weiter fortgeschritten. Stehen bleibt hier nur die Kita mit ihrem Außengelände – der Kirchraum und weitere Gebäude sollen aus wirtschaftlichen Erwägungen abgerissen werden. Als Bauherr und Investor, mit dem bis zu diesem Herbst ein Erbbaurechtsvertrag geschlossen werden soll, tritt die evangelische Karl-Immanuel-Küpper-Stiftung auf.

Sie machen Platz für drei Häuser. Ein Haus mit 18 Plätzen ist für betreute Wohngruppen für Kinder und Jugendliche vorgesehen, ein weiteres für Mietwohnungen und das dritte für die Verwaltung der Küpper-Stiftung sowie Praxen für therapeutische und pädagogische Dienste. In diesem Gebäude sind außerdem gemeinsam mit der Stiftung genutzte Räume für „Gemeinschaft und Vernetzung“ eingeplant, die zum Beispiel für die Kinder- und Jugendarbeit der Gemeinde zur Verfügung stehen könnten.

Evangelische Gemeinde Köln betreibt nur noch drei Kirchen

Den verbleibenden drei Kirchen ist jeweils eine volle Pfarrstelle zugeordnet. Welche inhaltliche Ausrichtung diese haben werden, hängt auch von der laufenden Auswertung der sechs Beteiligungsworkshops ab, in denen Gemeindemitglieder bis zu diesem Januar ihre Vorstellungen von künftigen kirchlichen Angeboten einbringen konnten. Der Gottesdienstort Antoniterkirche an der Schildergasse ist wirtschaftlich neu aufgestellt, seitdem im Frühjahr 2020 auf dem Grundstück das Antoniter-Quartier vollendet wurde, ein Gebäudekomplex, in dem nicht nur das City-Kirchenzentrum Platz hat, sondern das auch Flächen für Gastronomie, Gewerbe und Wohnungen bietet.

Die Luther- und die Thomaskirche aufzugeben, sei ein schwerer Schritt, sagt Pfarrer Herzberg. Solche Entwidmungen hätten etwas „Todtrauriges“: Viele Gläubige würden damit ihre Heimat verlieren, den Ort, der ihnen vertraut sei durch bedeutende lebensgeschichtliche Ereignisse wie Taufen oder Trauungen. Die Abschiedsgottesdienste dienen dazu, den Trauerprozess zu begleiten.

Maßgabe sei gewesen, „Einnahmen unabhängig von der Kirchensteuer zu erwirtschaften“, sagt Sandra Thomas, Sprecherin der Evangelischen Gemeinde Köln. Dies gelte auch für die Christuskirche am Stadtgarten. Dort ist bis Herbst 2016 ein modernes Gemeindezentrum mit verkleinertem Kirchenschiff und angrenzendem Wohn- und Gewerbekomplex entstanden, nachdem der Nachkriegsbau abgerissen worden war; erhalten blieben der neugotische Turm und das Untergeschoss. Die Kartäuserkirche anzutasten, komme nicht infrage, sagt Herzberg. Eingebettet in das Ensemble des einstigen Kloster-Areals Kartause, steht das 700 Jahre alte Gotteshaus unter Denkmalschutz.