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150 aus 150Mildred Scheel gründete die Deutsche Krebshilfe – und brach damit ein Tabu

Über Krebserkrankungen wurde in der Öffentlichkeit nicht gesprochen. Die Ärztin rückte die Hilfe für Betroffene in den Vordergrund.

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Mildred Scheel, deutsche Ärztin und Ehefrau des ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel

Mildred Scheel, Ärztin und Ehefrau des ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im vierten Teil der Serie geht es um die Ärztin und Gründerin der Deutschen Krebshilfe Mildred Scheel.

Bedeutung

Vier Monate nach der Wahl ihres Ehemanns Walter Scheel zum Bundespräsidenten gründete Mildred Scheel im September 1974 die Deutsche Krebshilfe. Scheel brach das Tabu auf, mit dem Krebserkrankungen in der öffentlichen Diskussion belegt waren. Von Beginn an stand die unmittelbare Hilfe für die Betroffenen im Vordergrund. Bald kamen ergänzend die Förderung der Forschung sowie die Öffentlichkeitsarbeit hinzu.

Scheel gewann viele Medizinerinnen und Mediziner für die Krebsforschung und initiierte Ärztekongresse. Sie rief den „Mildred-Scheel-Kreis e. V.“ zur Spendensammlung für langfristige Forschungsprojekte ins Leben. 1976 gründete sie zur Förderung von Tumorzentren die Deutsche Stiftung für Krebsforschung, die seit 1982 ihren Namen trägt.


Mildred Scheel geb. Wirtz:

Geboren: 31. Dezember 1931 in Köln

Gestorben: 13. Mai 1985 in Köln


Wirken in Köln

Die Tochter eines Kölner Röntgenarztes und einer US-Amerikanerin lebte die ersten 13 Jahre ihres Lebens am Schillingsrotter Platz in Marienburg. Die promovierte Ärztin, Mutter von zwei Töchtern und eines Adoptivsohns zog nach dem Ende von Walter Scheels Präsidentschaft 1979 mit ihm zurück nach Köln. Bereits seit 1977 förderte die Deutsche Krebshilfe in Köln ein Tumorzentrum. 1983 wurde an der hiesigen Universitätsklinik die erste Palliativstation in Deutschland eingerichtet.

Mildred Scheel

Mildred Scheel gründete 1974 die Deutsche Krebshilfe.

Bemerkenswert

1975 ließ sie Autogramme von Sowjet-Politikern, die sie beim Staatsbesuch in Moskau erhalten hatte, für die Krebshilfe versteigern. Bei Staatsbanketten ordnete sie die Tischordnung so um, dass sie neben potenziellen Spendern zu sitzen kam. Sie verzichtete auf Steuergelder und Spenden aus der Pharmaindustrie, um die Unabhängigkeit der Krebshilfe zu wahren. Als 1984 bei ihr selbst Darmkrebs diagnostiziert wurde, setzte sie sich auch weiterhin für ihr Herzensthema ein. In den Jahren 1977 bis 1979 wurde sie dreimal hintereinander zur „Frau des Jahres“ gewählt.

Spuren in der Stadt

Die Palliativstation an der Uniklinik wurde 1992 zum „Dr. Mildred Scheel-Haus“ erweitert. Im folgenden Jahr gründeten Krebshilfe und Mildred-Scheel-Kreis die Dr. Mildred Scheel Akademie für Forschung und Bildung gGmbH auf dem Gelände der Kölner Universitätsklinik. Seit 1998 erinnert eine Straße in Rodenkirchen an ihr Wirken.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.