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150 aus 150Oberbürgermeister Hermann Becker machte Köln zur modernen Metropole

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Porträt von Hermann Becker, ehemaliger Oberbürgermeister von Köln

Wegen seiner roten Haare erhielt Hermann Becker bereits in seiner Jugend den Spitznamen „roter Becker“.

Mit der Niederlegung der mittelalterlichen Stadtmauer schuf der 1875 gewählte Oberbürgermeister die Basis für die Stadterweiterung.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im dritten Teil der Serie geht es um den Politiker Hermann Becker.

Bedeutung

Als die Stadtverordneten den promovierten Juristen und liberalen Politiker Hermann Becker 1875 zum Oberbürgermeister wählten, platzte die Stadt aus allen Nähten. In Köln lebten zu der Zeit etwa 135.000 Menschen – 60 Jahre vorher waren es 50.000. Das städtische Gebiet war seit dem Mittelalter von einer Mauer umgeben. Unter Beckers Ägide beschloss die Stadt die Schleifung. Der Oberbürgermeister führte die Verhandlungen mit dem preußischen Staat.

Als langjähriger Abgeordneter und Mitglied des Preußischen Herrenhauses hatte er gute Kontakte zu den Behörden in Berlin. Die von ihm energisch betriebene Niederlegung der mittelalterlichen Stadtmauer war Basis für die Stadterweiterung und die Eingemeindungen, die Köln erst zur modernen Metropole am Rhein werden ließen.


Hermann Becker

Geboren: 15. September 1820 in Elberfeld

Gestorben: 9. Dezember 1885 in Köln


Wirken in Köln

Becker war der erste Oberbürgermeister, der sich als „erster Bürger seiner Stadt“ verstand. Er sorgte für eine Modernisierung des städtischen Schulwesens und holte Josef Stübben (1845 bis 1936) als Stadtbaumeister nach Köln, wo er die Kölner Neustadt entwarf.

Bemerkenswert auch, dass der Stadtrat der mehrheitlich katholischen Stadt den Protestanten Becker zum Oberbürgermeister wählte, ohne dass er sich beworben hatte. Dafür legte Becker Stadtratssitzungen gerne auf katholische Feiertage. Die Stadt kannte er gut. Hier hatte er 1848/49 als Referendar Kontakte zu Karl Marx geknüpft und sich als Volksredner in der Revolutionszeit einen Namen gemacht. 1852 erhielt er im sogenannten „Kölner Kommunistenprozess“ eine fünfjährige Haftstrafe, die er vollständig absaß.

Zum Fest der Domvollendung 1880 trat er Kaiser Wilhelm I. gegenüber – der jetzt den ehemaligen politischen Häftling der Preußen grüßen musste. Seinen Spitznamen „roter Becker“ hatte er jedoch bereits in seiner Jugend wegen seiner roten Haare erhalten. Becker heiratete erst 1877 die Witwe eines Freundes, mit der er noch drei Kinder bekam. Der joviale Oberbürgermeister, der ein begeisterter Münzsammler und Freund des täglichen Frühschoppens war, verstarb im Amt.

Spuren in der Stadt

Die Stadt ehrte ihn mit einer Figur am Ratsturm und einer Straße in der nördlichen Neustadt, heute Verbindungsstraße zwischen Kaiser-Wilhelm-Ring und Mediapark.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.