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150 aus 150Heinrich Pachl – Ein Allroundtalent mit seiner Sprache als Waffe

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Heinrich Pachl auf der Bühne

Heinrich Pachl bei einem seiner Auftritte. Er neigte zu derber Wortwahl, war dabei aber stets humorvoll.

Wenn Heinrich Pachl sprach, war Zuhören angesagt. An dem Mann aus dem Schwarzwald kam kein Verantwortlicher in Köln vorbei.

Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im zweiten Teil der Serie geht es um Kabarettist und Allroundtalent Heinrich Pachl.

Bedeutung

Allroundtalent, kritischer Geist und Weltverbesserer – Heinrich Pachl hat als Kabarettist, Schauspieler, Autor, Filmemacher und Journalist das politische Bewusstsein seiner Generation geprägt. Sein Wirken war immer orientiert an einer humanistischen Grundhaltung. Seine Waffe war die Sprache – wenn Pachl sprach, war Zuhören angesagt. Er neigte zu derber Wortwahl, war dabei aber stets humorvoll und konnte auch ernste Themen vermitteln.


Heinrich Pachl:

Geboren: 12. Oktober 1943 in Nordrach

Gestorben: 21. April 2012 in Köln


Wirken in Köln

Der kölsche Klüngel war Pachls Lieblingsobjekt. Dabei wirkte er stets aufklärerisch, bisweilen auch anklagend. Pachl war ein Mensch mit Kanten, der auch bei manchen Mitstreitenden aneckte. An dem Mann aus dem Schwarzwald, nicht von großer Körperlänge, kam niemand vorbei, der in Köln zu den Verantwortlichen in Politik, Verwaltung und Wirtschaft gehörte. Keine Demo ohne Pachl, ob Gewerkschaftsveranstaltungen, Anti-Neonazi-Kundgebungen oder Umwelttage – Pachl sprach immer.

Heinrich Pachl mit Christian Bechmann im Arm und Getränk in der Hand

Heinrich Pachl (rechts, hier mit Christian Bechmann) war von 2005 bis 2012 Schirmherr von Escht Kabarett.

1970 gründete er in Köln das Polit- und Straßentheater „Der wahre Anton“ mit. In der „Kölner Wochenschau“ thematisierte er zwischen 1975 und 1981 mittels Videoaufzeichnungen Hausbesetzungen und Umweltskandale, vor allem der Chemieindustrie. Als Schauspieler trat er in einigen Fernsehfilmen auf und drehte Satirefilme. Breite Kreise, auch in das Bürgertum hinein, erreichte Pachl als Kabarettist. Anfangs trat er mit Richard Rogler, Rainer Pause und anderen auf, seit 1994 solo unter dem Titel „Institut für vertrauensstörende Maßnahmen“. Als Autor verfasste Pachl vier Theaterstücke und wirkte am Kölner Schauspielhaus als Regisseur.

Bemerkenswert auch, dass der Gesellschaftskritiker Opern liebte. Pachl hatte keine Scheu, für andere zu arbeiten. Seinen Freund, den Investigativ-Journalisten Günter Wallraff, unterstützte er bei Recherchen zu dessen Buch „Ganz unten“. Pachl übernahm die Rolle eines Arbeitsvermittlers für Arbeiten in Atomkraftwerken. 1982 erhielt er den Deutschen Kleinkunstpreis und vier Jahre später den Adolf-Grimme-Preis.

Spuren in der Stadt

Pachls Grab befindet sich auf dem Friedhof Melaten.


Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.