Seit 1986 macht der Kölner Frauengeschichtsverein Frauen in der Stadtgeschichte sichtbar. Mit Führungen, Forschung und politischem Engagement.
40 JahreDer Frauengeschichtsverein feiert sein Jubiläum und starke Kölnerinnen

Ina Hoerner und Irene Franken sind Frauen der ersten Stunde beim Kölner Frauengeschichtsverein.
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„Zunächst gab es Widerstände oder besser: Unser Anliegen wurde marginalisiert“, erinnert sich Irene Franken, Vorsitzende des Kölner Frauengeschichtsvereins (FGV). Vor 40 Jahren, am 8. Mai 1986, gründeten acht Frauen – Studentinnen und Historikerinnen – den Verein aus Frust darüber, dass Frauen im Geschichtsstudium an der Universität Köln kaum vorkamen. „Zur damaligen Zeit gab es ein großes Bedürfnis, mehr über Frauen in der Geschichte zu erfahren, aber es gab nur wenig Möglichkeiten und fast keine Angebote auf lokaler Ebene“, sagt Franken, die zu den Mitgründerinnen gehört.
Seitdem verfolgt der Verein ein klares Ziel: Frauen in der Kölner Stadtgeschichte und Stadtgesellschaft sichtbar zu machen. Angefangen hat alles mit Rundgängen zu starken Kölnerinnen. Erstmals wurde die weibliche Seite der Stadtgeschichte in Führungen thematisiert – damals ein ungewöhnlicher Ansatz. „Es war zwar die Zeit der Bewegung ,Geschichte von unten‘, es sollte nicht mehr nur um die Großen gehen, sondern auch um den kleinen Mann. Aber die kleine Frau blieb nach wie vor unsichtbar“, sagt Ina Hoerner, die früh zum Verein stieß.
38 Führungen hat der Kölner Frauengeschichtsverein im Programm
Heute gehören die Führungen fest zum Programm. Mehr als 38 Rundgänge bietet der Verein inzwischen an – durch Veedel, Museen und Kirchen, über den Melaten-Friedhof, den Rheinauhafen oder das Gelände der Uniklinik. Themen sind unter anderem NS-Geschichte, Demokratie und Frauenrechte, Schriftstellerinnen, Jüdinnen, Hexenverfolgung oder kölsche Geschichte. Im Mittelpunkt stehen dabei weniger große Heldinnen als die Frage, wie Frauen früher lebten und arbeiteten. Regelmäßig kommen neue Angebote hinzu.
Der Straßenname Seidmacherinnengässchen geht auf den Einsatz des Kölner Frauengeschichtsvereins zurück - Seidamt war in Frauenhand
Auch über Führungen hinaus hat der Verein sichtbare Spuren in Köln hinterlassen. So setzte er sich früh dafür ein, Straßen nach Frauen zu benennen. Ein erster Erfolg war 1987 die Umbenennung des Gässchens „Unter Seidmacher“ in „Seidmacherinnengäßchen“, denn das Seidamt war eine den Frauen vorbehaltene Zunft.
Heute lassen sich Bezirksvertretungen häufig vom Verein bei neuen Straßennamen beraten. Im Rheinauhafen wurden 2009 sechs Straßen und Plätze nach Frauen benannt. „Aber es gibt noch Leerstellen, zum Beispiel wenn Stadtbezirke lieber schnell einen Pflanzennamen oder einen Prälaten vorschlagen, um keine Frauennamen auf Straßenschildern zu sehen“, sagt Franken.
Eine weitere Errungenschaft ist am Rathausturm sichtbar: Beim Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Turms setzte sich der Verein in den 1980er Jahren dafür ein, dass statt der ursprünglich geplanten fünf Frauenfiguren schließlich 18 Frauen dargestellt wurden. „Da gab es schon den einen oder anderen, der gemurrt hat“, erinnert sich Hoerner. Franken zieht ein positives Fazit: „Was wir erreicht haben, ist die Perspektive auf Geschichte zu erweitern.“
Sein Jubiläum feierte der Verein jetzt mit rund 100 Gästen am Höninger Weg in Zollstock, wo der FGV seit 2022 seine Räume hat. Unter anderem Bürgermeisterin Derya Karadag und Stadtführer und Publizist Martin Stankowski würdigten die Arbeit des Vereins, musikalisch begleitet wurde die Feier vom Frauenchor SandChor aus Bergisch Gladbach.
Zum Jubiläum bietet der Verein zudem Sonderveranstaltungen an und veröffentlichte die Publikation „Objekte in Bewegung“, die Einblicke in die Sammlung und Frauengeschichten aus Köln und darüber hinaus gibt. Seit 2020 wird der Verein von der Stadt gefördert. „Wir hoffen, dass das so bleibt, denn wir sind darauf existenziell angewiesen, um Quartier, Arbeitsplätze und Projekte zu finanzieren“, betont Hoerner. „Wichtig ist, dass wir uns konstant mit anderen Kultur- und Bildungsorganisationen vernetzen und den Kontakt zur jungen feministischen und queeren Szene nicht verlieren. Denn es soll ja weitergehen“, wünscht sich Franken für die Zukunft.
