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50 Jahre Europaschule Köln1000 Schüler fahren nach Brüssel – Europa zum Anfassen

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Die Oberstufenschüler besuchten das Europaparlament in Brüssel, Herz des politischen Europas.

Die Oberstufenschüler besuchten das Europaparlament in Brüssel, Herz des politischen Europas.

In Brüssel erlebten die Zollstocker Schüler Europa hautnah – im EU-Parlament, im Atomium oder im Haus der Europäischen Geschichte.

Kurz vor sieben Uhr morgens herrscht reges Treiben am Raderthalgürtel in Zollstock: Hunderte Schülerinnen und Schüler der Europaschule versammeln sich an der Ölwechselstation, reden durcheinander und warten darauf, in die Reisebusse zu steigen. Denn heute steht nicht Mathe, Deutsch oder Englisch auf ihrem Stundenplan, sondern ein besonderes Ziel: Brüssel.

Mit insgesamt 22 Bussen machte sich die gesamte Schule auf den Weg in die belgische Hauptstadt. Rund 1000 Schülerinnen und Schüler nahmen an der Fahrt teil, begleitet von etwa 90 Lehrkräften. Ziel war es, Europa für die Kinder und Jugendlichen erlebbar zu machen.

„Mit dieser Fahrt möchten wir unseren Schülerinnen und Schülern Europa näherbringen – nicht nur als abstraktes Konzept, sondern als gelebte Gemeinschaft“, erklärt Schulleiter Kai Gruner. Gerade in Zeiten globaler Herausforderungen sei es wichtiger denn je, europäische Werte zu verstehen und zu erleben, sagt er.

Europaparlament, Atomium und Planetarium

Je nach Jahrgang standen unterschiedliche Programmpunkte auf dem Plan. Die Unterstufe besuchte unter anderem das Atomium, das Planetarium und den Freizeitpark „Mini Europe“ mit Nachbildungen europäischer Sehenswürdigkeiten. Die Mittelstufe erkundete das Haus der Europäischen Geschichte, das Design Museum und das Parlamentarium, das Besucherzentrum des Europäischen Parlaments. Für die Oberstufe ging es direkt ins EU-Parlament und zur Landesvertretung Nordrhein-Westfalens.

„Wir haben die Unternehmungen altersgerecht ausgesucht“, sagt Lehrerin Sabine Meier-Schulz. Den Rest des Tages nutzten die Klassen, um Brüssel auf eigene Faust zu entdecken. Die Organisation des XXL-Ausflugs begann bereits ein halbes Jahr zuvor. Im März reisten Meier-Schulz und eine Kollegin eigens nach Brüssel, um Wege, Treffpunkte und die Parksituation für die Busse zu prüfen.

Schüler begeistert vom Brüssel-Tag

Der Aufwand zahlte sich aus. Begeistert kehrten die Schülerinnen und Schüler am Abend nach Köln zurück. „Uns hat das Atomium besonders gut gefallen. Es war toll, wie es geleuchtet hat, und so weit oben zu sein“, erzählen die Unterstufenschüler Slam, Anisa und Leo.: „Es war super interessant. Uns wurde viel über das Europaparlament erzählt. Auch der Besuch bei der Landesvertretung NRW war total spannend“, berichtet Oberstufenschüler Vincent. „Man kennt das von Bildern, aber es ist echt cool, alles persönlich zu sehen und Eindrücke zu sammeln“, ergänzt ein anderer Schüler. Andere berichten von Begegnungen mit Dolmetschern, Abgeordneten, und Ausschüssen. „Wir haben echt viel gelernt, auch wie die Gesetze in Europa entstehen und entschieden werden“, schildert ein weiterer Oberstufenschüler. Die Fahrt habe ihnen gezeigt, wofür Europa stehe, meint ein anderer.

Die Brüssel-Reise ist das Highlight des Jubiläumsjahres: Die Europaschule feiert 2026 ihr 50-jähriges Bestehen. Gegründet wurde sie 1976 mit knapp 400 Schülerinnen und Schülern als vierte Gesamtschule Kölns. Ihr Leitmotiv damals wie heute: „Bildung und Chancengleichheit für alle“.

Das europäische Profil prägt die Schule bis heute. Schülerinnen und Schüler können zwischen sieben Fremdsprachen wählen, Austauschprogramme gehören fest zum Konzept. 2007 wurde die Schule als Europaschule zertifiziert, seit 2016 trägt sie zudem den Titel „MINT-freundliche Schule“. Aktuell lernen dort knapp 1300 Schülerinnen und Schüler, unterrichtet von rund 115 Lehrkräften.

Weitere Höhepunkte des Jubiläumsjahres folgen im Sommer mit einem Ehemaligentreffen und im Spätsommer mit dem großen Schulfest. Den Abschluss bildet im Dezember ein Festakt mit Gästen aus Politik, Stadtgesellschaft und Bildungswesen.