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801. ProzessionGymnicher Ritt in Erftstadt startete ins neunte Jahrhundert Tradition

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Auf einer Straße sind Reiter und Pilger zu Fuß zu sehen.

Die St. Sebastianus Bruderschaft startete mit Fußgruppen und Reitenden beim Gymnicher Ritt schon früh zum Gymnicher Schloss.

An Christi Himmelfahrt machten sich zahlreiche Pilgerinnen und Pilger zu Fuß und hoch zu Ross zum 801. Mal auf den Prozessionsweg.

Der Gymnicher Ritt, die große Fußpilger- und Reiterprozession, ist das wichtigste Fest im Dorf und wird traditionell an Christi Himmelfahrt gefeiert. Mit dem 801. Ritt startete nun am Donnerstag die Tradition ins neunte Jahrhundert, diesmal mit einem besonderen Vorzeichen. Denn jüngst wurde der Ritt auf Antrag des Heimatvereins Gymnich in das Landesinventar des Immateriellen Kulturerbes von Nordrhein-Westfalen aufgenommen.

„Das freut uns nach wie vor riesig“, erklärte Joachim Axer, Organisationsleiter des Gymnicher Ritts, am frühen Morgen an der Kirche St. Kunibert. „Für den Ablauf spielte das zwar keine Rolle. Aber wir haben mit der Auszeichnung auch auf unseren Plakaten geworben“, sagte er. Zudem gab es für die Gäste auf dem Kirchhofplatz Pins, Fotos und einen 18-minütigen Film von Klaus Trimborn, der den Ritt auch mit historischem Material dokumentiert.

Pilger hoch zu Ross reiten über einen Platz.

Nach der Messe unter freiem Himmel neben der Kirche St. Kunibert machten sich die Reitenden beim 801. Gymnicher Ritt auf den zwölf Kilometer langen Prozessionsweg.

„Ich komme hier jedes Jahr her, auch wenn es etwas kälter ist wie heute. Für mich ist diese Prozession fest mit dem Ort verbunden“, sagte der Gymnicher Günter Koch bei der Reitermesse neben der Kirche. In der Vergangenheit sei es oftmals brechend voll auf den Straßen gewesen, ergänzte er. Den Anblick der vielen Reiter fand auch Juliane Dorn beeindruckend. „Es ist immer wieder ein Erlebnis“, erzählte sie am Straßenrand.

Gymnicher Ritt: Tradition begeisterte Besucherinnen und Besucher

„Ich sehe das zum ersten Mal und finde es toll, wie diese Tradition lebt“, berichtete Jasmin Scheffler. „Und man kommt mit den Menschen hier schnell ins Gespräch.“ „Ja, das stimmt“, so die Frau neben ihr. „Meine Eltern waren bereits mit mir hier und nun ist auch mein sechsjähriger Sohn dabei. Für mich ist das eine schöne Art, Kirche zu erleben“, begeisterte sie sich für das Großereignis, das in der Legende von Ritter Arnold von Gymnich wurzelt.

Beim fünften Kreuzzug soll er mit seinem Pferd in einem Sumpf steckengeblieben sein. Er habe Gott um Hilfe gebeten und geschworen, ihm zu Ehren eine jährliche Prozession an Christi Himmelfahrt durch die Straßen von Gymnich abzuhalten. Daraufhin habe ein Schilfhuhn das Pferd des Ritters erschreckt, so dass es sich aus eigener Kraft auf festen Boden retten konnte.

Menschen stehen in einer Kirche.

Der 801. Gymnicher Ritt begann mit einer frühen Pilgermesse in St. Kunibert, zu der viele kamen.

Eine Geschichte, die auch Ruth und Frank Elvers aus Köln kennen, die wiederholt zum Gymnicher Ritt kamen. Dafür sind sie schon früh aufgestanden und waren bei der Pilgermesse um 8 Uhr in St. Kunibert dabei.

Unterdessen saßen bereits die ersten Reiter in ihren Sätteln. So startete die St. Sebastianus Bruderschaft mit Fußgruppen und Reitenden, um die Schlossstandarte aus dem Gymnicher Schloss zu holen. Danach begab sich die St. Kunibertus Schützengesellschaft mit ihren Fuß- und Reitabordnungen ins Schloss, um dort das Kreuzpartikel, ein barockes Kreuz, in dem sich Splitter vom Holzkreuz Jesu Christi befinden sollen, zu übernehmen und es vor der Reitmesse an Pfarrer Joseph Pikos zu übergeben.

Gegen Mittag kehrten Reiter und Fußpilger nach einem 12-kilometerlangen Prozessionsweg auf den Rittplatz für den Schlusssegen zurück. Die Pferdesegnung interessierte auch Guido Krudwig aus Vettweiß-Sievernich. „Ich komme schon seit Kindheitstagen hierher und habe eine tiefe Verbindung zum Ort und zu Pferden“, sagte er. Wie andere auch, genoss er es, dass im Anschluss der Jahrmarkt entlang der Gymnicher Hauptstraße startete. Rund 100 Händler hatten ihre Stände und Kirmesgeschäfte aufgebaut und hofften trotz der kälteren Temperaturen auf zahlreiche Gäste.