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StadtentwicklungSiegburgs alter Friedhof wird zum „Leisepark“

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Der alte Friedhof an der Siegburger Johannesstraße wird zu einem „Leisepark“ umgestaltet

Der alte Friedhof an der Siegburger Johannesstraße wird zu einem „Leisepark“ umgestaltet. Die rohen Baumstämme tragen künftig eine Pergola. 

Die Ruhestätte an der Johannesstraße bekommt ganz neue Aufenthaltsqualitäten. Arbeiten sollen bis Ende Juni abgecshlossen sein. 

Ziemlich im Abseits lag bislang der alte Friedhof an der Johannesstraße, allenfalls frequentiert von Hundebesitzern zum Gassigehen oder Zeitgenossen, die unbehelligt Drogen konsumieren wollten, Marihuana oder Lachgas, wie leere Zellophan-Tütchen und leere Kartuschen vor der Nepomuk-Kapelle nahelegen.

Das aber soll sich ändern: Die Zugänge sind derzeit versperrt, im Inneren sind Bagger im Einsatz, wird die entwidmete Ruhestätte auf Vordermann gebracht. Aus dem Friedhof soll ein „Leisepark“ mit Aufenthaltsqualitäten werden. Das Nutzungsrecht für die letzte Grabstätte erlosch bereits 1990. Die historischen Grabmale bleiben erhalten.

„Kleinod im Nordteil der Stadt“

Ziel sei es, den Friedhof besser sichtbar zu machen, damit er besser angenommen werde, erläuterte Kjell Nickmann, Projektleiter in der Stadtverwaltung, bei einem Termin vor Ort. Von einem „Kleinod im Nordteil der Stadt“ sprach Fabian Löbach, Leiter des städtischen Planungsamts. Als der Friedhof 1807 eröffnet wurde, habe er noch in der Vorstadt am Rand Siegburgs gelegen. Jetzt aber sei er mitten in der Innenstadt.

Der alte Friedhof an der Siegburger Johannesstraße wird zu einem Leisepark umgestaltet, Fabian Löbach (links) Leiter des städtischen Planungsamts und Projektleiter Kjell Nickmann

Ortstermin: Der Leiter des städtischen Planungsamts Fabian Löbach und Projektleiter Kjell Nickmann.

Löbach spricht von „Möglichkeitsräumen“, die auf dem Areal geschaffen werden sollen. Der „Leisepark“ bekommt einen zentralen Platz mit Sitzreihen aus schweren Steinbrocken und eine Pergola, die auf rohen Baumstämmen ruhen wird. Eine Boulebahn ist vorgesehen, Großschachspiele, ein Balancierpfad und ein „Treffpunkt Bewegung“. Hängematten werden zum Entspannen einladen, ebenso wie Sonnenliegen, wie sie bereits am Michaelsberg aufgestellt wurden. Am gewohnten südlichen Zugang von der Johannesstraße aus wird es einen Infopunkt geben, ein weiteres Tor im Westen ist vom Radweg aus geplant.

Rückzugsraum für Tiere mitten in Siegburg

Wege werden erneuert, aber nicht den Zugang zu allen Teilen des etwa 1,5 Hektar großen Geländes eröffnen. Denn auch Rückzugsräume für Tiere sind vorgesehen, eine Vogelschutzhecke und ein Biotop in einer Senke in der nordwestlichen Ecke des Parks. „Die Grünqualitäten sind gut“, sagte Löbach mit Blick auf den teils alten Baumbestand. Einige Baumarten, die sich besser an den Klimawandel anpassen, werden neugepflanzt. Ende Juni sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.  

Der Entwurf für den „Leisepark“ stammt von der Landschaftsarchitektin Birgit Scharf, die auch den Gemeinschaftsgarten an der Cecilienstraße plante entwarf. „Das wird wie aus einem Guss“, sagte Kjell Nickmann. 600 000 Euro investiert die Kreisstadt in den Leisepark, 70 Prozent werden aus Mitteln des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) gefördert, die schon die Neugestaltung des Michaelsbergs möglich machten.

Ein grüner Saum für die Kreisstadt

Begonnen haben auch die Arbeiten an einem kleinen Park am alten Stadtgraben, der künftig von einem „Steg zur Burg“ gequert wird, und einer Treppenanlage am Ufer des Mühlengrabens unterhalb des Kreishauses. Planerisch sind die Baumaßnahmen Teil eines „grünen Saums“ für Siegburg.

Die Nepomuk-Kapelle ist älter als der Friedhof an der Siegburger Johannesstraße.

Die Nepomuk-Kapelle ist älter als der Friedhof an der Siegburger Johannesstraße.

Der Friedhof wurde Ruhestätte vieler prominenter Persönlichkeiten der Siegburger Stadtgeschichte. Maximilian Jacobi (1775 bis 1858) etwa wurde dort bestattet, der Leiter der Irrenheilanstalt auf dem Michaelsberg, der die moderne Psychiatrie mitbegründete.

Die Familie Rolffs hat unweit der Nepomuk-Kapelle eine Grabstätte. Der Chemiker Ernst Rolffs legte 1906 mit der Firma Deutsche Photogravur den Grundstein für das heutige Siegwerk. Älter als der Friedhof ist die Nepomuk-Kapelle, deren Grundstein bereits 1722 gelegt wurde. Damals gehörte das Grundstück einer Probstei der Siegburger Benediktiner- Abtei. Als Friedhofskapelle wurde sie von 1807 bis 1909 genutzt.

1901 stellte sich die Stadt der Tatsache, dass der Friedhof angesichts der rasanten Bevölkerungsentwicklung zu klein wurde, und machte sich auf die Suche nach einem Friedhofsgrundstück, das auch zu Fuß gut vom Zentrum aus erreichbar sein sollte. In den Fokus rückte ein Gebiet an der Alten Lohmarer Straße; Stadtbaurat Peter Geimer machte sich 1905 an die Planung, und 1907/1908 wurde der parkartige Nordfriedhof angelegt.

Die Geschichte schilderte die damalige Stadtarchivarin Andrea Korte-Böger 2010 in den Siegburger Blättern: Der Nordfriedhof zeichnete sich, so die Verfasserin, „durch seine reizvolle Lage am Waldrand aus und galt als eine der besonders beachtenswerten und vorbildlichen Friedhofsanlagen des Rheinlands im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts“.


Anlässlich des Tags der Städtebauförderung von Bund, Ländern und Gemeinden am Samstag, 9. Mai, bietet die Stadt zwei Führungen an: Um 12 Uhr und 13,30 Uhr geht es jeweils zum Alten Friedhof/Leisepark, zum Bau des Verkehrsstichs zwischen Ringstraße und Burggasse und zur neuen Freitreppe am Mühlengraben hinter dem Kreishaus. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht nötig. Festes Schuhwerk wird empfohlen.