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Unwürdiger ZustandBestatter protestieren gegen Ersatz-Trauerhalle auf Melaten bis zum Jahr 2029

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Die umstrittene Ersatz-Trauerhalle auf dem Melatenfriedhof

Die umstrittene Ersatz-Trauerhalle auf dem Melatenfriedhof

Trauergesellschaften seien entsetzt über die Halle, berichten die Bestatter.

Seit dem Frühjahr 2023 ist die Trauerhalle auf dem Melatenfriedhof gesperrt. Nun gab die Stadt bekannt, dass mit einer Wiedereröffnung erst 2029 zu rechnen ist. In der nächsten Ratssitzung am 12. Mai soll ein Planungsbeschluss gefasst werden – erst danach kann überhaupt mit den konkreten Planungen der Arbeiten begonnen werden. Bei der Untersuchung des denkmalgeschützten Gebäudes von 1955 sei man auf immer neue Schäden im Beton, dem Mauerwerk, den Stahlkonstruktionen und der Technik gestoßen, deshalb habe der Prozess so lange gedauert. Die möglichen Kosten der Wiederherstellung wurden noch nicht genannt.

Die Trauerhalle am Haupteingang ist seit dem Frühjahr 2023 gesperrt.

Die Trauerhalle am Haupteingang ist seit dem Frühjahr 2023 gesperrt.

Also wird die umstrittene Leichtbau-Halle am Eingang Piusstraße, die vor drei Jahren als Ersatz errichtet worden ist, noch bis mindestens 2029 weitergenutzt werden müssen. Kölner Bestatter schlagen angesichts dieser Situation Alarm. Die provisorische Trauerhalle auf Kölns berühmtesten Friedhof sei nicht zumutbar. „Wir warnen die Trauergesellschaften immer vor. Aber die meisten Gäste sagen, wenn sie dann dort waren: So schlimm haben wir uns das nicht vorgestellt. Dann wären wir lieber woanders hingegangen“, sagt Bestatter Michael Brodesser. Seine Kollegen Thomas Kremer (Kremer Bestattungen) und Stefan Knepper (unter anderem Knepper Bestattungen und Bestattungshaus Pilartz) schließen sich dem Protest an. „Das ist ein unwürdiger und unhaltbarer Zustand. Wir bekommen den ganzen Frust der Leute zu spüren.“

Trauerfeierlichkeiten werden durch Fahrzeuglärm und Regen gestört

Die Trauerhalle sei in vielerlei Hinsicht ungeeignet, abgesehen davon, dass sie „aussieht wie ein Campingzelt“. „Es fehlt ein Vordach, unter dem sich die Trauernden bei Regen unterstellen können. Im Winter ist es drinnen zu kalt, im Sommer zu warm. Wenn der Regen prasselt, hört man die Redner kaum.“ Auch der Standort sei unglücklich gewählt. „Hier ist die Haupteinfahrt für alle Fahrzeuge des Grünflächenamtes und der Bestattungsunternehmen. Entsprechend laut ist es tagsüber und das stört oft sehr die Trauerfeierlichkeiten“, sagt Brodesser. Er und seine Kollegen plädieren dafür, dass die Halle wenigstens durch ein Vordach oder andere Anbauten angepasst wird. Oder noch besser verlegt oder ersetzt wird.

Auf Anfrage dieser Redaktion sagte eine Sprecherin der Stadt, dass die Beschwerden über die Halle bekannt seien, und räumt ein: „Der Friedhof Melaten hat aufgrund der hohen Anzahl an Bestattungen, seiner Gestaltung und seiner Historie eine besondere Bedeutung innerhalb der Stadt Köln. Die Möglichkeiten, würdige Trauerfeiern auf diesem Friedhof durchzuführen, sind aufgrund der Sperrung der Trauerhalle leider für die Dauer der Sanierung beeinträchtigt.“

Stadt lehnt Vorschläge der Bestatter ab

Die Vorschläge der Bestatter seien aber kaum umsetzbar. „Eine Versetzung des Ersatzbaus ist technisch grundsätzlich möglich. Dieses wäre jedoch mit großem planerischem, baulichem und zeitlichem Aufwand sowie mit hohen Kosten verbunden. Auch eine Baugenehmigung wäre zu beantragen.“ Ein alternativer Standort müsste den richtigen Untergrund haben und dürfte nicht zu weit entfernt sein.

Die Möglichkeit einer Nachrüstung eines Vordachs müsste beim Eigentümer des Ersatzbaus, den die Stadt gemietet hat, angefragt werden. Planungs-, Montage- und zusätzliche Mietkosten würden entstehen. „Außerdem wäre zu prüfen, ob die mögliche Nachrüstung genehmigungspflichtig ist und eine Baugenehmigung beantragt werden müsste.“

Eine Kühlung des Gebäudes sei laut Vermieter grundsätzlich möglich. „Da er diese Leistung nicht anbietet, wäre eine externe Planung und Ausführung erforderlich, was mit Zeitaufwand und Kosten verbunden wäre.“ Zusammenfassend heißt die Devise der Stadt also: zu teuer, zu umständlich, geht nicht.

Erstaunlich ist, dass sich bisher noch niemand öffentlich dem Protest der Bestatter angeschlossen hat, obwohl auf dem Melatenfriedhof viele Führungen stattfinden, viele prominente Familien mit Grabstätten vertreten sind und der Friedhof als Sehenswürdigkeit Kölns beworben wird. Ein Melatenfriedhof-Kenner, der seinen Namen nicht nennen möchte, hat dafür eine Erklärung: Besucher des Friedhofs bemerken zwar zu Beginn kurz die gesperrte Trauerhalle, aber sie kommen an dem unansehnlichen Provisorium am Seiteneingang gar nicht vorbei. Das sehen nur die Trauernden. Und die hätten in dieser Situation meistens keine Kraft, sich öffentlich zu beschweren.